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Mittwoch, Mai 29, 2024

„Wir brauchen einen Aufschrei der Waldbewirtschafter und Ofenbesitzer“

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Waldbesitzervereinigung Freyung-Grafenau informiert Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich über Pläne

Holz aus dem Wald soll nach dem Entwurf einer neuen EU-Richtlinie kein nachhaltiger Energieträger mehr sein. Das ist der zentrale Satz in einem 95-seitigen Schreiben („RED III“ genannt), das für den Laien rein sprachlich nicht zu verstehen ist. Inhaltlich übersetzt jedoch versteht jeder die verheerenden Folgen, sollte diese Richtlinie in jetziger Form Gesetz werden. Deshalb versuchen derzeit die Vertreter von Waldbesitzern in ganz Deutschland und darüber hinaus, einen Aufschrei der Öffentlichkeit zu erwirken.

Auch im Landkreis Freyung-Grafenau, wo sich in der Geschäftsstelle der Waldbesitzervereinigung vergangenen Freitag Vorstand Josef Höppler und die beiden Geschäftsführer der WBV, Michael Grapentin und Xaver Hartinger, mit Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich trafen. Das Ziel: Den politischen Vertreter genau informieren und so als Multiplikator für diese dringende Sache gewinnen.

Obwohl alleine schon das Wort „Nachhaltigkeit“ aus der Forstwirtschaft heraus entstanden ist, so soll doch nach der Erneuerbare-Energien-Richtlinie der EU Holz, vor allem Waldholz, kein nachhaltiger Energieträger mehr sein. Die Folgen: Wer selbst einen Wald besitzt und einen Baum fällt, müsste möglicherweise beim Verbrennen von Scheitholz oder Hackgut eine Strafzahlung als CO2-Abgabe leisten, später (ab 2050) wäre es sogar komplett verboten. Liefert aber derselbe Waldbauer einen Baum an das Sägewerk, würden die dort anfallenden Holzabfälle wiederum schon als nachhaltig gelten. Nicht nur den Waldbesitzer würde das treffen, sondern auch jeden, der zuhause mit Holz heizt oder zuheizt. Es steht hier die traditionelle ländliche Lebensweise bzw. Energieversorgung auf dem Spiel. Erst wenn die Bäume im Wald als Schadholz gelten (durch Käferbefall etwa) wären sie als Energieträger wiederum „nachhaltig“.

„Das würde die komplette Forstwirtschaft auf den Kopf stellen“

Die logische Konsequenz für die Waldbesitzer – meist Privatleute mit kleinen Flächen: Sie würden ihre Wälder nicht mehr pflegen und bewirtschaften. Der dringend notwendige Waldumbau durch Entnahme von klimaanfälligen Bäumen einerseits und dem Pflanzen von klimaresistenten Arten andererseits würde nicht mehr funktionieren. „Das würde die komplette Forstwirtschaft auf den Kopf stellen oder zum Erliegen bringen, das Einkommen vieler Waldbauern vernichten und den ländlichen Raum diskriminieren“, so Josef Höppler, der betont, dass im Bayerischen Wald jährlich nach wie vor mehr Holz nachwachse als genutzt werde – das belege die Bundeswaldinventur ganz eindeutig.

Auch das Nahwärme-Netz in Freyung wird mit Hackgut aus dem Landkreis beheizt. 105 Gebäude sind angeschlossen, weitere 50 Interessenten wollen noch dazu. „Jedes Jahr ersetzen wir damit 1,5 Millionen Liter Heizöl“, so Heinrich und verwies auch auf das große strom- und wärmeerzeugende Werk am Bezirksklinikum Mainkofen. „Der Bezirk braucht mit den Kliniken und Thermen viel Energie und wir arbeiten gerade mit Hochdruck daran, Lösungen für die nächsten 20 Jahre zu entwickeln“. Auch wenn bis 2030 die neue Richtlinie wohl noch nicht manifestiert ist, gelte es dringend, das schon jetzt zu verhindern. „Immerhin werden in vielen Gemeinden derzeit mit finanzieller Förderung des Staates regionale Energiekonzepte umgesetzt, die gerade bei uns in Niederbayern häufig Holzhackgut nutzen“.

„Gemeinsam für die Forstwirtschaft stark machen“

Über den Grund der EU für solch nicht nachvollziehbare Entscheidungen könne man nur spekulieren. Förster Michael Grapentin zählt dabei Negativbeispiele wie Rumänien auf, wo Wälder kahlgeschlagen werden, um die Pellets in andere Länder zu verkaufen, damit diese wiederum ihre Co2-Ziele erreichen könnten. „Womöglich sind solche Entwicklungen Schuld für eine derartige Initiative“.

Deutschland habe jedoch eine funktionierende Forstwirtschaft. „Wälder nachhaltig zu nutzen, ist ein Grundprinzip der forstlichen Ausbildung in Deutschland“, sagt Xaver Hartinger. Olaf Heinrich bedankte sich für die Informationen und versprach, sämtliche ihm möglichen Kanäle zu nutzen, um noch Einfluss auf diese Entscheidung zu nehmen. Auch im Falle der Wasserkraft sei es im vergangenen Jahr gelungen, die neue EEG-Richtlinie auf Bundesebene noch abzuändern. „Dafür müssen sich nun alle politischen Vertreter auf allen Ebenen unabhängig von Parteizugehörigkeit gemeinsam stark machen“. (ml)

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