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Dienstag, Juli 16, 2024

Im Bücherregal: Take the Slow Road, Frankreich

Lesestoff

(von Michael Kirchberger)

Es gibt viele Reiseführer und noch mehr Stell- oder Campingplatzverzeichnisse für Frankreich. Aber nur ein Buch, das Informationen aus beiden Bereichen zusammenführt. „Take the Slow Road, Frankreich“ gehört zu einer Serie, die der Autor Martin Dorey aufgelegt hat und die bei Delius Klasing erschienen ist. Nach England und Wales, Irland und Schottland ist der begeisterte Surfer, Taucher, Umweltschützer und ausgebildeter Rettungsschwimmer zuletzt mit seinem Campingbus, einem VW Crafter, bei den Galliern unterwegs gewesen und hat seine Erlebnisse fotografiert und aufgeschrieben.

Dorey ist Profi-Camper und lebt den Titel seiner Bücher. Fuß vom Gas, treiben lassen und wo immer es schön ist, anhalten, so lautet sein Ratschlag. Die 26 Routenvorschläge, die in die Regionen Norden, Osten, Süden und Westen unterteilt sind, folgen seiner Empfehlung, für die 100 Kilometer lange Tour entlang der Ardeche etwa empfiehlt er drei Tage Reisezeit einzuplanen. Klingt sympathisch. Der Brite erkennt die Schönheiten der Landschaften und ihre Besonderheiten und überrascht immer wieder mit Informationen am Rande, die jedoch meist für das Salz in der Suppe einer Wohnmobil-Tour sorgen. Einen Seilbahnausflug in den Seealpen mit dezidierten Zeitangaben und Preisen listet er ebenso auf wie den Besuch auf der Champagner-Route in bestimmten kleinen Kellereien, die nicht vom Massen-Bustourismus heimgesucht werden.

Schön auch die Tipps zu kleinen, verborgenen Stellplätzen, den Aire des Camping-Car, die selbst in der Hochsaison noch auf ein freies Plätzchen hoffen lassen, nicht unerwähnt bleiben auch die kommunal betriebenen Camping Municipale, die meist einfacher und ohne Camper-Animation auskommen, aber mit Preisen um 20 Euro für einen mit zwei Personen besetzten Campingbus locken. Viele der Slow-Road-Touristen schätzen beides. Im Landesinneren geht es grundsätzlich ruhiger zu als an den Küsten. Doch Martin Dorey versteht es, die Schätze ob kultureller, geografischer oder kulinarischer Art der entlegeneren Region, genüsslich aufzuführen und zu beschreiben. Das Buch schürt Fernweh und am liebsten würde der Leser sofort sein Wohnmobil startklar machen und den Spuren des reiselustigen Briten folgen.

Dabei wendet er sich nicht nur an Profis, oder jene, die sich dafür halten. Er beginnt die 432 Seiten des Werks mit einer Camper-Etikette. Verlasse den Platz nach dem Übernachten sauberer, als du ihn vorgefunden hast, lautet sein Rat. Nur so kann verhindert werden, dass weitere Parkplätze mit Höhenbegrenzungen an den Einfahrten für Reisemobile gesperrt werden. Außerdem sagt Dorey, was alles mit auf die Reise muss, welches Toilettenpapier für die Chemietoilette empfehlenswert ist, ob man Werkzeug oder Ersatzteile einpacken sollte, was und wo das Einkaufen empfehlenswert ist. Oder erweist auf die Besonderheiten der Elektroversorgung in Frankreich hin, wo gerade auf kleineren Plätzen die gebräuchlichen blauen CEE-Stecker weitgehend unbekannt sind. Ein Adapter zum Anschluss an eine herkömmliche Schuko-Steckdose ist also ratsam.

Die Lektüre ist also auch für Reisemobil-Einsteiger ratsam, die zum ersten Mal das Gefühl der großen Freiheit auf ihrer Tour in die Ferien erleben wollen. Martin Dorey hilft ihnen dabei, damit das erste Erlebnis beim Urlaub auf Rädern im positiven Sinn unvergesslich bleibt. Eine kleine Ungenauigkeit haben wir dennoch beim Schmökern entdeckt. Für die ebenso mautpflichtige wie beeindruckende 2,5 Kilometer lange Brücke über die Tarnschlucht, deren Pfeiler mit 343 Meter die höchsten der Welt sind, gibt er eine Gebühr von 30 Euro an. Als wir dort vor wenigen Tagen die Schlucht mit einem Reisemobil überquert haben, wurden knapp 18 Euro Maut berechnet. Vielleicht hat Martin Dorey ja seinen Crafter zu Hause gelassen und ist auf einen Reisebus umgestiegen. Dennoch, die französischen Slow-Roads des Engländers sind eine ehrliche Empfehlung als Camper-Lektüre im Urlaub oder für die Planung davor. (Michael Kirchberger, aum)

(Take the Slow Road, Frankreich, Martin Dorey. 1. Auflage 2021, 434 Seiten, zahlreiche Fotos und Abbildungen, erschienen im Verlag Delius Klasing, 29,90 Euro)

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