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Montag, Juli 15, 2024

Bezirk Niederbayern will psychiatrische Tagesklinik in Grafenau errichten

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Großer Bedarf und wohnortnahe Versorgung – Konzept am Krankenhaus vorgestellt

Der Bezirk Niederbayern will eine psychiatrische Tagesklinik in Grafenau errichten, um einerseits dem hohen Bedarf für Behandlungen vor Ort gerecht zu werden und andererseits eine wohnortnahe Versorgung zu ermöglichen.  

Im Rahmen einer Pressekonferenz blickte Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich auf die Entwicklung der letzten Jahrzehnte zurück, in denen die psychiatrische Versorgung im Regierungsbezirk schrittweise dezentralisiert wurde. Nach dem jahrelangen Hauptstandort Mainkofen kamen vor rund 30 Jahren das Bezirksklinikum Landshut sowie vor gut 10 Jahren das Bezirkskrankenhaus Passau hinzu, das nun erweitert werden soll. In den vergangenen zehn Jahren wurden außerdem Ambulanzen für psychische Gesundheit aufgebaut: in Zwiesel und Waldkirchen (für Kinder und Jugendliche) sowie in Pfarrkirchen und Grafenau (für Erwachsene). Darüber hinaus betreibt der Bezirk in Deggendorf seit 2011 eine Institutsambulanz für Kinder und Jugendliche.

Dass die Patientenzahlen in Grafenau um 40 Prozent (seit 2018) angewachsen sind, davon konnte der Leiter der Ambulanz für psychische Gesundheit, Prof. Dr. Peter Eichhammer berichten. Zudem zitierte er eine Studie des wissenschaftlichen Instituts der AOK, wonach es im Landkreis Freyung-Grafenau eine hohe Zahl an depressiven Störungen gebe (nur sieben weitere Landkreise deutschlandweit seien ähnlich stark belastet). Im Jahresschnitt sei eine komplette Station in Mainkofen mit Patienten aus dem Bereich Freyung-Grafenau belegt, wie der neue ärztliche Direktor Prof. Dr. Johannes Hamann aufzeigte. Gleichzeitig würden aber viele Betroffene, für die der Weg nach Mainkofen zu weit ist, gar keine Hilfe bekommen.

Vorteile einer psychiatrischen Tagesklinik:

„Eine Tagesklinik ist eine teilstationäre Einrichtung, die alle therapeutischen Angebote vorhält, in der aber die Patienten nicht übernachten, sondern abends wieder nach Hause gehen“, so Prof. Dr. Eichhammer, der darauf hinwies, dass die Patienten dafür natürlich stabil genug sein müssten. „Es ist eine gleichwertige Behandlung“, hob auch Prof. Dr. Hamann hervor, der schätzt, dass für rund 40 Prozent der Patienten, die heute in Mainkofen behandelt werden, dies eine gute Behandlungsmöglichkeit ist. Aus Sicht des Bezirksklinikums Mainkofen hat die Tagesklinik noch den weiteren großen Vorteil, dass sie die Klinik insgesamt bei der „Personalausstattung Psychiatrie und Psychosomatik-Richtlinie“ entlastet. Vor allem die Abdeckung der Nachtschichten mit Fachpersonal sei eine große Herausforderung – dies entfalle in einer Tagesklinik. Zumal der Landkreis Freyung-Grafenau vergleichsweise gut mit Pflegekräften versorgt ist, wie der Kliniken-Geschäftsführer Marcus Plaschke betonte. Diesen Fachkräften eine weitere wohnortnahe Anstellung anbieten zu können, sei auch im Interesse des Landkreises, der dafür gerne Flächen im Grafenauer Krankenhaus an den Bezirk vermietet.

Beginnen könnte man mit dem Betrieb der Tagklinik recht zügig. „Sobald wir zwei Fachärzte haben, können wir starten“, meinte Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich beim Pressegespräch. Doch vorher müsse man noch die Station am Grafenauer Krankenhaus an die neue Verwendung anpassen und auch die Genehmigung des Krankenhausplanungsausschusses abwarten. Mitte 2024, wenn alles gut geht, wolle man starten, so die Verantwortlichen. Für die Personalgewinnung, die derzeit die größte Herausforderung ist, stehen die Chancen aber recht gut – denn die künftigen Fachkräfte haben planbare Arbeitszeiten und eine Anstellung im Öffentlichen Dienst. (eb)

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