Eiszeitrelikt in der Fotofalle

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    LBV und BUND Naturschutz auf der Suche nach der Waldbirkenmaus im Bayerischen Wald

    Bayerischer Wald. Das vierte Jahr in Folge haben sich LBV und BUND Naturschutz im Bayerischen Wald zwischen Mauth und Haidmühle gemeinsam mit dem Umweltbüro Stille NATUR auf die Suche nach der Waldbirkenmaus gemacht. Und das mit Erfolg. In drei von fünf untersuchten Flächen wurde der kleine Nager, der zu den seltensten Säugetieren Mitteleuropas zählt, gefunden.

    Gesucht wird mithilfe von Wildtierkameras. „Diese Methode gefällt uns besonders gut, weil wir in der Natur damit kaum stören und eine Vielzahl von Arten nachweisen können“, freut sich Ruth Waas, Biologin beim LBV. So ist nicht nur die gesuchte Waldbirkenmaus heuer vor die Linse gelaufen. Es wurden auch jede Menge anderer Bewohner festgehalten. Der seltene Feldschwirl und auch eine Waldschnepfe wurde gesichtet. Außerdem Baummarder, ein gähnender Feldhase, Alpenspitzmäuse und mit der Zwergspitzmaus unser kleinstes heimisches Säugetier.

    „Die Nachweise sind für uns sehr wertvoll, weil wir die Pflege unserer Flächen dann gezielt nach den Bedürfnissen der Arten ausrichten können“, meint dazu Rita Rott, Regionalbetreuerin des BUND Naturschutz für Niederbayern. Damit ist die wichtigste Motivation der Naturschützer schon genannt: Es ist sehr wertvoll, möglichst viel über die Verbreitung und über die Bedürfnisse der Arten zu wissen, damit Schutzbemühungen gelingen können.

    Bei der Waldbirkenmaus ist das eine besondere Herausforderung und eine große Verantwortung für die bayerischen Landkreise entlang der Grenze. Sie ist nämlich ein sogenanntes Eiszeitrelikt, das nur noch in den Alpen und an wenigen ausgewählten Stellen im Bayerischen Wald vorkommt. Außerdem ist sie nicht sehr konkurrenzstark und deshalb auf besondere Lebensräume beschränkt. „Ein buntes Mosaik aus Moor, Hochstauden und Feuchtwiesen, auf denen möglichst viele Heuschrecken leben, finden die Waldbirkenmäuse toll“, berichtet der Kleinsäugerexperte David Stille aus Tutzing. Das Umweltbüro Stille NATUR wertet die Fotos aus, die von den Wildtierkameras aufgenommen werden und fasst in einem Bericht zusammen, was gefunden wurde und wie die Flächen am besten weiter zu entwickeln sind.

    Ertappt; die Fotofalle hat zugeschlagen (Quelle: LBV, BUND Naturschutz)

    Das Betreuen der Kameras ist zeitaufwändig. Nachdem vom Experten geeignete Flächen ausgemacht wurden, besuchen ehrenamtliche Aktive von BUND Naturschutz und LBV die Standorte alle zwei Wochen, um die Kameras freizuschneiden und die SD-Karten zu wechseln. Nur so können viele gute Aufnahmen gelingen. Möglich ist dieses Engagement nur durch die Unterstützung durch Projektgelder aus dem Biodiversitätsprogramm „NaturVielfaltBayern“ der Regierung von Niederbayern und des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz.

    „Es ist wirklich großartig, was die Verbände hier vor Ort leisten. Eine sehr wertvolle Unterstützung der Naturschutzarbeit in der Region.“

    Werner Simmet, Untere Naturschutzbehörde, Freyung-Grafenau

    BUND Naturschutz und LBV wollen die Arbeit deshalb auch fortsetzen. Bisher sind mehrere kleine Verbreitungsinseln gefunden worden. Als nächstes soll untersucht werden, ob hier eine Vernetzung möglich ist. Bleiben seltene Arten auf einen kleinen Bereich beschränkt, kann ein Extremereignis wie ein besonders kalter Winter reichen, um sie dort auszurotten. Das soll natürlich verhindert werden. Herausforderungen können sich für einen rund 10 Gramm leichten und nur etwa 6 cm langen Kleinsäuger jede Menge ergeben. Das Problem des Nahrungsmangels im klimatisch vergleichsweise kalten Osten Bayerns, kann durch einen Winterschlaf von 6 bis 7 Monaten etwas ausgebremst werden. Ab Mai müssen dann doch ausreichend Beeren, Samen und Insekten zur Verfügung stehen.

    Ein unerwartetes Problem hat sich heuer auf den Kamerafotos gezeigt: Dort, wo Hauskatzen unterwegs sind, findet man nur noch Arten, die groß genug oder rechtzeitig auf dem Baum oder unter der Erde sind. Die Waldbirkenmaus gehört hier leider nicht dazu. Ein Beispiel, das verdeutlicht, dass wir einen großen Einfluss auf die Überlebenschancen unserer wildlebenden Arten haben. Und dieser Verantwortung möchten LBV und BUND Naturschutz gerne gerecht werden.

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