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Dienstag, April 23, 2024

Zwei neue Pilzarten im Nationalpark

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Lebensraum: Misthaufen auf extensiv genutzten Weideflächen am Schutzgebietsrand

Schönbrunn am Lusen. Im Nationalpark Bayerischer Wald gibt es zwar hauptsächlich Wälder, trotzdem verfügt das Schutzgebiet auch über ein paar Offenlandflächen. Dazu zählen nicht nur die historisch als Weideflächen entstandenen Schachten in den Hochlagen, sondern auch einige extensiv genutzte Wiesenflächen am Rand des Nationalparks. Dort findet meist eine naturnahe Nutzung statt, teils durch Mahd, teils mit Beweidung. So wird die vorhandene Artenvielfalt nicht nur erhalten, sondern sogar gefördert. Auf einer dieser Flächen am Ortsrand von Schönbrunn am Lusen haben Mykologen nun zwei Pilzarten entdeckt, die zuvor noch nie im Nationalpark gesichtet wurden.


Bei der Wiese handelt es sich um eine kleine Pferdekoppel. Der Mist der Tiere wird dort für eine kurze Zeit auf Haufen gelagert. In diesem milden Frühjahr sprießen auf vielen dieser Haufen im Bayerischen Wald schon Pilze, weil sich dort durch die erhöhte Bioaktivität die zum Wachstum nötige Wärme entwickelt. So war es kein Zufall, dass sich die für das Interreg-Projekt „Funga des Böhmerwalds“ zuständigen Mykologen Prof. Claus Bässler und Peter Karasch in den vergangenen Wochen den einen oder anderen dampfenden Haufen angesehen haben.

Erstmals im Böhmerwald gesichtet wurde der Dreisporige Tintling. (Foto: Peter Karasch/Nationalpark Bayerischer Wald)


Insgesamt konnten so in einer Woche auf vier Misthaufen sechs interessante Pilzarten bestimmt werden, die auf die Hinterlassenschaften von Tieren angewiesen sind. Zwei dieser Pilze sind neu in der Artenliste des Nationalparks: Zum einen handelt es sich um den Olivfarbenen Mistpilz (Bolbitius variicolor), der ein naher Verwandter des häufigen Gold-Mistpilzes (Bolbitius titubans) ist. Er hat überwiegend olivgelbe Farben und eine netzartige Huthautstruktur. In Deutschland ist er insgesamt selten, aber weit verbreitet. Zum anderen wurde der Dreisporige Tintling (Coprinopsis trispora) erstmals im gesamten Böhmerwald gefunden. Der Verwandte vom Schopftintling (Coprinus comatus), dem aktuellen Pilz des Jahres, hat einen stark narkotischen Geruch. Ein paar Tage nach dem Fund in Schönbrunn wurde er noch auf einem zweiten Misthaufen in der Gemeinde Hohenau entdeckt.
„Diese beiden regionalen Neuentdeckungen und hunderte weitere Pilzarten sind auf den Abbau von Pflanzenfresser-Dung spezialisiert“, erklärt Pilzexperte Peter Karasch. „Die moderne Tierhaltung mit hohem Antibiotika-Einsatz hat zur Folge, dass solche Pilzarten auf Landschaftsebene seltener werden.“ Artgerechte, naturnahe Haltungen mit minimiertem Einsatz von Medikamenten würden die Artenvielfalt jedoch fördern. „Viele Arten benötigen auch mehrere Jahre, um sich zu entwickeln.

Deshalb sind Plätze, an denen immer wieder Stallmisthaufen liegen, eine wichtige Lebensraumnische“, so Karasch. Sein Kollege Claus Bässler ergänzt: „Die Funde zeigen auch, dass der Nationalpark seinem Auftrag, die Biodiversität zu fördern, nicht nur im Wald nachkommt, sondern auch an den wenigen Offenlandstandorten am Rand des Schutzgebiets.“ Zudem würden die beiden Beispiele auch belegen, dass in der Natur nichts verschwendet wird. „Selbst auf Dung wachsen noch faszinierende Arten.“
Haben auch Sie interessante Pilze auf ihren Flächen? Private Kleintierhalter mit spannenden Pilzvorkommen können sich gerne mit Bildzusendungen an peter.karasch@npv-bw.bayern.de wenden. „Denn es gibt vermutlich noch viel Interessantes zu entdecken“, so Mykologe Karasch.

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