Der ‚Sager Sepp‘ – Zeitzeuge und Chronist in Schönberg

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    „Als die Zeit noch langsamer ging“

    Schönberg. Im nächsten Februar wird der Sepp 90 Jahre jung. Ursprünglich gebürtig aus Winterberg (das heutige Vimperk), wurde er nach dem Krieg mit seiner ganzen Familie aus seiner Heimat vertrieben und landete schließlich – nach einem Aufenthalt in Zenting – in Schönberg (Landkreis Freyung-Grafenau). Dort lebt er heute noch.

    Nach einer Bäckerlehre arbeitete er in verschiedenen Berufen, bis er schließlich 1956 beim Finanzamt landete, wo er bis zu seiner Pensionierung 1992 blieb. Als Hausmeister hatte er dort begonnen und als Steuerhauptsekretär und Beamter auf Lebenszeit endete seine berufliche Laufbahn. Als ‚Ruheloser‘, wie er sich selbst bezeichnet, war seine Freizeit mehr als nur ausgefüllt. So war Sager Sepp in vielen Vereinen tätig, vor allem im sportlichen Sektor, und auch als langjähriges CSU-Mitglied wurde es ihm gewiss nie langweilig. Einiges an sportlichen Erfolgen konnte er in dieser Zeit verzeichnen, und mit der CSU kam er auch in den damaligen Kreistag.

    Doch wagen wir nun den Sprung zum Zeitzeugen und Chronisten. Basis dieser Eigenschaft bildete seine Leidenschaft des Schreibens. 48 Jahre diente er der PNP als lokaler Berichterstatter sowie auch bei etlichen anderen Zeitungen und Zeitschriften. Schon sein Vater übte diese Tätigkeit aus und so erbte der Sohn quasi diese. Auch das Schönberger Journal bereicherte er mit seinen Geschichten von Anfang an. Und so profitierten auch ’seine‘ Vereine sowie die CSU von seiner Fähigkeit zu Schreiben und auch zu organisieren. Während seiner Zeit bei der PNP begann er alte Geschichten und Lebensgeschichten von alten Schönbergern zu sammeln. Immer mit einem kleinen Tonband bewaffnet, interviewte er besonders ältere Menschen, die ihm viel aus den früheren Zeiten erzählen konnten. So kamen im Laufe der Jahrzehnte viele Ordner voll dieser alten Geschichten zusammen.

    Zwei erfolgreiche Werke des Autors und Chronisten Sepp Sager aus Schönberg (Foto: MuW/r.demont)

    Auch seine Lust für die Fotografie darf man dabei nicht vergessen. So um die 30.000 Aufnahmen umfasst sein Archiv, meint er im Gespräch weiter. Nach seiner Pensionierung legte er so richtig los und wurde dabei zum eigentlichen Schriftsteller. So um die 35 Publikationen seien es bis heute geworden, erzählt der Sepp. Vieles davon hat er im Eigenverlag herausgegeben. So war sein erstes Buch über das Leben seines Großvaters. Das positive Echo darauf, beflügelte ihn sodann, weiter zu schreiben. Teilweise finden sich in seinen Werken detaillierte Erinnerungen über Krieg und Vertreibung. Heute betrachtet er seine damaligen Erfahrungen u.a. mit der Hitlerjugend usw. sehr kritisch. Allerdings, so der Sepp weiter, habe man zu dieser Zeit nichts anderes gekannt oder gehört; Kritische Gedanken waren nicht zugelassen. Die Unwissenheit der jungen Menschen wurde gnadenlos ausgenutzt. So dürfen sich die damaligen – negativen – Erfahrungen nicht verloren gehen, damit sich so etwas nie wieder wiederholt.

    Zum anderen widmete er seine Arbeit auch seinem Wohnort Schönberg. Während seiner Tätigkeit als PNP Lokal-Berichterstatter sasmmelte er jeden Zeitungsbericht über den Ort – diese Sammlung umfasst heute 20 große Ordner mit einem Zeitrahmen von 1953 bis 1998. Diese Sammlung hat er mittlerweile dem Schönberger Rathaus übergeben.

    Die alten Geschichten, die er gesammelt hat, riefen regelrecht auch danach, an die Öffentlichkeit zu gelangen. So gab er diesem Ruf nach, und es entstanden zwei Bücher: „Sogschoatn und Sogschoatn zwo“. Ein Zitat aus seinem Vorwort dazu steht für die Gedanken dahinter: „Würden wir so denken wie unsere Väter und Großväter, könnten wir uns viel Ärger ersparen und die Zeit für schönere Dinge verwenden“. Die Geschichten sind teilweise humorvoll, aber auch ernst und manchmal auch schaurig. So waren die damaligen Zeiten gewiss nicht einfach, meint der Sepp: „Aber das Miteinander und die Kommunikation untereinander funktionierten – ob es der Stammtisch war oder ob man vor dem eigenen Haus auf der Bank saß und so mit den Nachbarn ins Gespräch kam; vieles konnte im direkten Kontakt gelöst werden.“ Dieses Miteinander fehle ihm heute in dieser schnelllebigen Zeit, so der Chronist.

    Trotz seiner langen Zeit in Schönberg, hat Sepp seinen Geburtsort Winterberg nie vergessen. Seit 1989 besucht er Winterberg regelmäßig und hat in all den Jahren dort auch viele Freundschaften geschlossen – „denn wir sind ja alle Böhmerwäldler“. Wichtig dabei war ihm auch, zu ‚vergeben‘ und die Ereignisse in der Vergangenheit hinter sich zu lassen. Heute erinnere in Vimperk nicht mehr viel an das alte Winterberg; allerdings hat Sepp viele Bilder aus seiner ehemaligen Heimat Winterberg über all die Jahre sammeln können. Seine persönlichen Erlebnisse hätten aber dazu geführt, dass er viel Verständnis für die heutigen Flüchtlinge habe – denn, niemand, der das nicht selbst erlebt hätte, weiß wirklich, was es heißt, seine Heimat verlassen zu müssen.

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