Totholz zur Steigerung der Artenvielfalt

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    Naturpark und Landkreis Deggendorf arbeiten gemeinsam im Riedener Himmelreich

    Schöllnach. Jeder kennt ihn, hat ihn auch schon einmal selbst zu Ohren bekommen oder als gut gemeinten Rat seinem Gegenüber mitgeteilt: „Ordnung ist das halbe Leben“ – ein Spruch, der bereits in der Kindheit zu einer miesen Laune geführt hat, wenn einmal wieder die leidige Aufgabe des Zimmer-Aufräumens anstand. Schreibtisch aufräumen, Ordnung in der Wohnung, auf der Terrasse, im Garten. Ja sogar im Wald halten es einige Exemplare des Homo sapiens für wichtig, eine klare Ordnung zu haben. Liegendes und stehendes Totholz wird zeitnah entfernt oder bereits bei dessen Entstehung verhindert. Doch spätestens hier ist es mit den positiven Auswirkungen der Ordnung vorbei, denn Totholz bedeutet Leben, Lebensraum, aber auch Lebensgrundlage für tausende von Lebewesen.

    Genau aus diesem Grund wird auf den landkreiseigenen Flächen im Riedener Himmelreich in der Gemeinde Schöllnach das Totholz im Wald belassen. Pilze, Bakterien, Moose, Flechten, Insekten, Spinnen, Schnecken, Säugetiere und Vögel, die direkt oder auch indirekt an das Vorhandensein von Totholz gebunden sind, sollen hier einen Lebensraum finden. Für die angrenzenden Offenlandflächen wird die Landschaftspflege bereits seit dem Ankauf im Jahr 2010 vom Naturpark Bayerischer Wald e.V. organisiert, der hier gemeinsam mit dem Markt Schöllnach, dem Landkreis Deggendorf und den Naturschutzbehörden aktiv ist.

    Gemäß eines Pflege- und Entwicklungsplans werden die Flächen jährlich gemäht. Allerdings nicht gleichzeitig, sondern versetzt. Auch das führt zu einer Erhöhung der Artenvielfalt – ebenso wie die Anlage von Tümpeln, Unterhaltung von Bächen und Auflichtung von Waldsäumen. Ziel des Ganzen; ein Mosaik aus verschiedenen Offenland- und Waldstrukturen, in denen sich die verschiedensten Arten wohl fühlen. Als Natura 2000 Gebiet ist das Riedener Himmelreich auch Teil eines europaweiten Schutzgebietsnetzwerks.

    Vergangene Woche haben sich Vertreter des Landratsamts und des Naturparks gemeinsam mit einem engagierten Landschaftspfleger vor Ort getroffen. Denn selbst wenn das Totholz im Wald verbleibt, heißt das nicht, dass keine Arbeit anfällt. So geht entlang von Wegen natürlich die Sicherheit vor, weswegen dort auch instabile Bäume gefällt werden. Zudem werden befallene Fichten entsprechend dem Forstschutzgesetz zur Eindämmung des Borkenkäfers entnommen. Auch Waldrand- und Saumgestaltungen werden überprüft und die Förderung seltener und wertvoller Baumarten wie der Eiche besprochen. „Im letzten Jahrzehnt seit dem Ankauf, hat sich eine große Vielfalt an Lebensräumen im Riedener Himmelreich entwickelt, und zusammen mit dem nahegelegenen Naturschutzgebiet Schuttholzer Moor sind das Perlen der Biodiversität im Naturpark Bayerischer Wald“, so Matthias Rohrbacher, der als Naturpark Projektbetreuer die Landschaftspflegemaßnahmen organisiert. Praktisch durchgeführt werden diese von vielen ortsnahen Land- und Forstwirten. Im Riedener Himmelreich ist Alfons Gratzl besonders engagiert, der zum Vorteil aller das Gebiet seit seiner Kindheit besonders gut kennt.

    Für Andreas Daffner sind die Waldstücke im Riedener Himmelreich auch im Hinblick auf den Klimawandel von großer Bedeutung. Neben diesen Flächen besitzt der Landkreis Deggendorf noch weitere Waldflächen. Seit 2019 werden im Rahmen des Projekts „Klimawald“ gezielt geeignete Grundstücke zur Aufforstung erworben. „Der Klimawandel kann wissenschaftlichen Studien zufolge durch nichts so effektiv bekämpft werden, wie durch Aufforstung“, erklärt Daffner. Somit besitzt der Landkreis sowohl „junge“ – frisch aufgeforstete Flächen – wie auch ältere Wälder mit hohem Totholzanteil, wie im Riedener Himmelreich.

    Totholz zu belassen, ist auf landkreiseigenen Flächen, die dem Naturschutz gewidmet sind, natürlich deutlich einfacher, als in einem Wirtschaftswald. Auch wichtig zu bedenken ist, dass die Region auf Wirtschaftswälder als Lieferant des Rohstoffs Holz angewiesen ist. Somit kann nicht jeder Baum im Wald bleiben, dennoch kann jeder etwas dazu beitragen, den Bayerischen Wald etwas artenreicher zu machen, wenn er den einen oder anderen abgestorbenen oder absterbenden Baum im Wald belässt. Solch eine Maßnahme ist unter den passenden Voraussetzungen über das Vertragsnaturschutzprogramm Wald sogar förderfähig.

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