Im Einsatz für artenreiches Grünland

Ranger Lukas Maier und Laura Strixner von der UNB Deggendorf bei der Durchführung der Bekämpfungsaktion (Foto: Carina Kronschnabl)

Spontane Landschaftspflege-Aktion der Unteren Naturschutzbehörde Deggendorf mit dem Naturpark Bayerischer Wald

Hengersberg. Des einen Freud ist des andern Leid. So erfreuen uns die Herbstzeitlosen (Colchicum autumnale) im Garten mit ihren rosa- bis lilafarbenen Blüten, wenn die meisten Sommerblumen bereits verblüht sind. Auf landwirtschaftlicher Nutzfläche sind die Geophyten aus der Familie der Zeitlosengewächse jedoch nicht sehr beliebt, tragen sie doch das Alkaloid Colchicin in sich, das für Pferde und Rinder ebenso wie für den Mensch bei Verzehr hochgiftig ist. Soll nun das gewonnene Heu verfüttert werden, sind einige wenige Herbstzeitlose kein Problem, ein dichter Bewuchs jedoch macht die Fläche hierfür unbrauchbar. „Die Problematik mit den Herbstzeitlosen wird von der Naturschutzbehörde sehr ernst genommen. Sie hat vermutlich aufgrund der zunehmenden Trockenheit in den letzten Jahren stark zugenommen“, meint Laura Strixner, Fachreferentin für Naturschutz bei der Unteren Naturschutzbehörde in Deggendorf.

Aus diesem Grund wurde die Untere Naturschutzbehörde sofort tätig, als ein Landwirt in Hengersberg von einem großen Bestand an Herbstzeitlosen auf seiner 1,3 Hektar großen VNP-Fläche berichtete. Die Fläche wird im Zuge des Vertragsnaturschutzprogramms als artenreiches Grünland bewirtschaftet und darf deshalb nicht vor dem 15. Juni gemäht werden. Mit dem Bayerischen Vertragsnaturschutzprogramm (VNP) werden ökologisch wertvolle Lebensräume, die auf eine naturschonende Bewirtschaftung angewiesen sind, erhalten und verbessert. Landwirte, die auf freiwilliger Basis ihre Flächen nach den Zielen des Naturschutzes bewirtschaften, erhalten für den zusätzlichen Aufwand und den entgangenen Ertrag ein angemessenes Entgelt. „Normalerweise würden wir in so einem Fall einen LNPR-Antrag stellen und so einen Auftrag zur Landschaftspflege vergeben. Da die Herbstzeitlosen aber Anfang bis Mitte Juni bereits aussamen, war es wichtig, sofort tätig zu werden“, berichtet Strixner weiter. Eine Ausnahmeregelung zur Mahd war zudem nicht möglich, da auf der Fläche die streng geschützte und bedrohte Orchidee, das Breitblättrige Knabenkraut (Dactylorhiza majalis), wächst. Deshalb organisierte die Biologin kurzerhand eine Landschaftspflege-Aktion mit dem Naturpark Bayerischer Wald, bei der sie selbst mit Unterstützung der beiden Naturkar-Ranger Lukas Maier und Carina Kronschnabl tätig wurde.

Hummeln und andere Insekten freut es: auch so können Grünflächen aussehen, die landwirtschaftlich genutzt werden (Foto: Carina Kronschnabl)

Bei Ankunft auf der Fläche macht sich Begeisterung breit. „Artenreiches Grünland wie dieses sieht man wirklich selten“, meint Lukas Maier, als er zum ersten Mal das Breitblättrige Knabenkraut entdeckt. „Ich hoffe, dass sich in Zukunft immer mehr Landwirtinnen und Landwirte für das Vertragsnaturschutzprogramm entscheiden und man wieder mehr Flächen wie diese sehen wird. Nur so können wir die vielen bedrohten Arten der Wiesen und Äcker erhalten und zurückgewinnen“, bemerkt Carina Kronschnabl.

Breitblättriges Knabenkraut (Foto: Carina Kronschnabl)

Gemeinsam machten sich die Beteiligten der Aktion daran, die Herbstzeitlosen händisch von der Fläche zu entfernen, bis die Ladefläche des vom Landwirt bereitgestellten Anhängers voll war. Ein großer Teil der giftigen Pflanzen konnte so von der Fläche entfernt werden. Durch eine zusätzliche Mahd im Herbst zur Blütezeit des Colchicum autumnale soll zudem verhindert werden, dass die Pflanzen im nächsten Jahr Samen entwickeln. Mit diesen Maßnahmen sollte das Problem dauerhaft in den Griff zu bekommen sein.

Lukas Maier zeigt eine Herbstzeitlose (Foto: Carina Kronschnabl)