Unsichtbare Schutzhülle für Obst und Gemüse unter der Lupe

In Supermärkten findet sich zunehmend mit einer unsichtbaren Schutzhülle überzogenes unverpacktes Obst. Dieses sogenannte Coating soll die Haltbarkeit der Lebensmittel auch ohne zusätzliche Plastikverpackung deutlich verlängern. Welche Produkte sind betroffen, welche Vorteile bietet dieser Schutzüberzug und ist er gesundheitlich unbedenklich?

Was ist Coating?

Der Begriff „Coating“ (engl. für Überzug) bezeichnet die Aufbringung einer dünnen unsichtbaren Schutzschicht auf die Oberfläche von Früchten. Diese Hülle soll bei Transport und Lagerung den Wasserverlust über die Oberfläche reduzieren und die Zellatmung verlangsamen. So bleiben Obst und Gemüse länger frisch.

Für die Schutzschicht werden zwei verschiedene Substanzgruppen verwendet:

  • Coating aus pflanzlichen Fetten (Firma Apeel Sciences), aus Nebenprodukten der Lebensmittelindustrie gewonnen (z.B. Samen und Schalen von Obst). Hierbei handelt es sich um Mono-und Diglyceride von Speisefetten, die bereits als Zusatzstoff (E 471) zugelassen sind. Seit Mai 2019 darf dieser Zusatzstoff auch für die Behandlung von Oberflächen tropischer/subtropischer Früchte, deren Schalen üblicherweise nicht verzehrt werden, eingesetzt werden (Verordnung (EU) 2019/801 vom 17. Mai 2019).
  • Coating aus Zucker und pflanzlichen Ölen (Firma AgriCoat NatureSeal) Zucker verbindet sich mit den Ölen zu Zuckerestern, die als „Zuckerester von Speisefettsäuren“ (E 473) auch zur Oberflächenbehandlung von Frischobst zugelassen sind.

Welche Vorteile bietet dieser Schutzüberzug?

Das Coating bildet eine dünne, physikalische Barriereschicht gegenüber Feuchtigkeitsverlust und Oxidation und dient damit der Verlängerung der Haltbarkeit, was erste Untersuchungen bestätigen. Gleichzeitig soll dieses Verfahren die Nährwertqualität der Früchte erhalten.

Durch den Einsatz von Coating lassen sich Plastikverpackungen bei Früchten reduzieren. Die längere Haltbarkeit hilft dabei, die Lebensmittelverschwendung zu verringern. Mit Coating überzogene tropische Früchte könnten ohne größere Qualitätsverluste auf dem Seeweg transportiert werden, was die Treibhausgase im Vergleich zur Flugware deutlich reduzieren würde.

Bei welchen Lebensmitteln kommt Coating zum Einsatz?

Zurzeit findet Coating nur bei Früchten Anwendung, deren Schale üblicherweise nicht verzehrt wird. So finden Verbraucher*innen hauptsächlich Orangen, Mandarinen und Avocados mit dieser Schutzschicht in den Läden. Bei Bio-Lebensmittel ist das Coating-Verfahren nicht erlaubt.

Ist Coating gesundheitlich unbedenklich?

Die verwendeten Überzugsmittel sind als Lebensmittelzusatzstoffe zugelassen und gelten damit als gesundheitlich unbedenklich. Da bisher nur Früchte behandelt werden, deren Schale normalerweise nicht verzehrt werden, kommt es nicht zu einer erhöhten Aufnahme dieser Zusatzstoffe.

Wie ist Coating gekennzeichnet?

Bisher besteht eine Kennzeichnungspflicht von Oberflächenbehandlung nur bei Zitrusfrüchten durch eine bestehende Vermarktungsnorm. Bei anderen Früchten ist die Kennzeichnung freiwillig. Allerdings bewerben die Handelsketten die Coating-Verfahren häufig mit entsprechenden Logos auf den Früchten.

Fazit

Grundsätzlich ist das Coating von Früchten zur Verringerung von Plastikverpackungen zu begrüßen. So wird durch verlängerte Haltbarkeit auch die Verschwendung von Lebensmitteln eingedämmt. Inwieweit eine längere Haltbarkeit aber auch einen Erhalt der Nährstoffqualität bedeutet, muss noch eingehend untersucht werden. Die deutliche Kennzeichnung am Produkt sollte verpflichtend geregelt werden. Gerade im Hinblick auf Allergiker und die mögliche Ausweitung von Coating auf Obst und Gemüse mit verzehrbarer Schale.