Infektionsgeschehen im Landkreis Freyung-Grafenau

Eine genauere Betrachtung

FRG. Mit einer 7-Tages-Inzidenz je 100.000 Einwohner von 68,9 am 24. Februar 2021 schien der Landkreis Freyung-Grafenau Mitte der vergangenen Woche auf einem guten Weg zu sein. Hoffnung auf Erleichterungen war bei vielen Bürgern spürbar und die Aufhebung der Ausgangssperre sowie die eingeschränkte Öffnung von Schulen und Kindertagesbetreuungseinrichtungen stimmte positiv.

Es kam jetzt aber anders; Ein verstärktes Infektionsgeschehen beschert dem Landkreis (Stand heute) eine 7-Tages-Inzidenz je 100.000 Einwohner von über 150. Die Folgen sind für jedermann ebenso spürbar: Schule fast nur noch im Distanzunterricht und Ausgangssperre für alle wieder in Kraft.

Bei der infektionsschutzfachlichen Einschätzung des Landratsamts, insbesondere unter Berücksichtigung der tagesaktuellen Infektionszahlen, zeichnet sich in der Gesamtschau derzeit keine positive Tendenz mehr ab. Mit einem weiteren Rückgang der Infektionszahlen kann derzeit nicht gerechnet werden. Doch wo liegen die Ursachen?

Ein Blick auf die aktuellen Zahlen lässt eine einfache und eindeutige Antwort nicht zu. Seit 24. Februar 2021 bis 3. März 2021 traten in acht Tagen 126 Neuinfektionen auf. Davon sind 51 Fälle positiv auf die britische B 1.1.7 Mutation getestet worden.
Gestern (04.03.) wurden dem Landratsamt Freyung-Grafenau die ersten vier Fälle mit der Mutation B 1.351 (Südafrikanische Version) bestätigt. Insgesamt sind bis gestern 113 Fälle mit der B 1.1.7-Mutation im Landkreis nachgewiesen worden, davon sind 46 Personen genesen und aus der Isolation entlassen, zwei Personen sind daran verstorben.

Aktuell (Stand gestern) sind 181 positiv auf das Corona-Virus getestete Personen in Insolation; davon ist in 65 Fällen die Mutation B 1.1.7 nachgewiesen. Die Zahl der laborbestätigten Corona-Infektionen seit dem ersten bestätigten Fall im Landkreis Freyung-Grafenau liegt bei nun 3.570 Fällen, davon 113 Fälle mit der britischen Mutationsvariante B 1.1.7.

Bei der Ermittlung und Nachvollziehbarkeit der Infektionsquellen und Infektionsketten ist das Gesundheitsamt u.a. auf die Angaben der Betroffenen angewiesen.

Aktuell ist die Infektionsquelle in wenigen Fällen das Arbeitsumfeld oder Freizeitaktivitäten. Deutlich öfter kommt es zur Ansteckung im familiären Umfeld, aber bei der überwiegenden Zahl der Fälle ist nicht nachvollziehbar, wo die Ansteckung stattgefunden hat. Die Anzahl der Kinder unter 15 Jahre mit nachgewiesener SARS-CoV-2-Infektion ist überall in einem unauffällig geringen Bereich – hier unterscheidet sich der Landkreis nicht von den bayernweiten Werten.

Auch an den Schulen und Kindergärten ist das Infektionsgeschehen derzeit nicht auffällig. Sogar in Mauth, wo die Mutation in der Schule und im Kindergarten aufgetreten ist, haben sich insgesamt bislang nur sechs Kinder infiziert. Nur an zwei weiteren Kindertageseinrichtungen hat der Landkreis jeweils einen Einzelfall.

Aktuell gibt es auch in den Krankenhäusern und Altenheimen keine Ausbruchsgeschehen, insgesamt werden in Altenheimen im Landkreis drei positiv getestete Personen isoliert. Somit sieht man hier durchaus eine deutliche Verbesserung gegenüber der Situation vor Beginn der Impfkampagne.

In Asylbewerbereinrichtungen sind zurzeit keine positiven Fälle bekannt.

Dem Landratsamt ist kein aktueller Infektionsfall eines Landkreisbürgers in Zusammenhang mit einem positiv getesteten teschechischen Pendler bekannt. Die Zahlen infizierter Grenzgänger fließen auch nicht in die 7-Tages-Inzidenz je 100.000 Einwohner ein. Insgesamt wurden seit Januar an den beiden Testzentren im Landkreis in der Summe 130 Grenpendler positiv auf das Corona-Virus getestet. Das entspricht einer Quote von 0,29 Prozent. Die aktuellen Zahlen für den Landkreis Freyung-Grafenau zeigen, dass tschechische Pendler kaum Einfluss auf das regionale Infektionsgeschehen nehmen.

Zur der Frage, warum die Gemeinden Jandelsbrunn, Neureichenau und Waldkirchen aktuell erhöhte Infektionszahlen haben, kann seitens des Landratsamtes FRG keine Ausgabe getroffen werden. Ausbrüche in Einrichtungen in diesen Gemeinden sind ebenso nicht bekannt. Die geografische Verteilung der aktuellen Infektionsfälle wird vom Landratsamt wöchentlich zweimal über die Presse und Social Media bekanntgegeben und ist somit für die Öffentlichkeit gut nachvollziehbar.

Zusammenfassend stellt das Landratsamt Freyung-Grafenau fest, dass es im Landkreis geografisch betrachtet, im Bereich des sogenannten Abteilandes ein stärkeres Infektionsgeschehen festzustellen gilt, und dass bei aktuellen Neuinfektionen immer häufiger Mutationsvarianten auftreten. Der große Anteil von Infektionsfällen, bie denen von den Infizierten eine Infektionsquelle nicht benannt werden kann, gibt zu denken. Wird das Virus immer infektiöser, sodass bereits kurze Kontakte für eine Ansteckung ausreichen oder wird verschwiegen, dass Corona-Schutzregeln nicht eingehalten worden sind? Aufgrund von Gesprächen mit SARS-CoV-2 infizierten Personen ist dem Landratsamt Freyung-Grafenau bekannt, dass immer wieder Kontaktpersonen versuchen, die Infizierten zu beeinflussen, diese nicht korrekt oder gar nicht als Kontaktpersonen zu benennen. Diese versuchen damit, den aus der Quarantäne resultierenden Einschränkungen zu entgehen und gefährden damit die Gesundheit von eigenen Kontaktpersonen, insbesondere von Familienangehörigen und Arbeitskollegen. Mit diesem Verhalten würd man aufgrund von persönlicher Bequemlichkeit oder aus wirtschaftlichen Gründen die Gesundheit anderer aufs Spiel setzen.