Streuobst, Apfelpflücken (Foto: South Agency)

Dem Streuobst auf der Spur

Bayern ist ein Genussland, hat es doch unzählige Spezialitäten und handgemachte Leckereien zu bieten. Jede Region hat eine spezielle (Kultur)Landschaft und ihre ganz eigenen Produkte. In den „100 Genussorten Bayern“ bilden Geschmack, Regionalität, Tradition und Natur eine harmonische Einheit. Wer sich auf den Weg macht, um Bayerns Kulinarik zu entdecken, trifft dabei auch auf Streuobstwiesen, aromatische Früchte und zahlreiche verarbeitete Köstlichkeiten – ein Erlebnis für alle Sinne.

München. Unter dem Namen „100 Genussorte Bayern“ haben das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sowie die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau besondere Orte in Bayern ausgezeichnet. Im Vordergrund steht selbstredend der Genuss mit allen Sinnen. Im Einklang mit der Natur, entstehen in regionalen Manufakturen spezielle Produkte und Gerichte – vor malerischer Kulisse. Die hochstämmigen markanten Bäume der Streuobstwiesen zieren Orte genau wie Landschaften und bieten einer vielfältigen Flora und Fauna einen wichtigen und selten gewordenen Lebensraum. Die Früchte der traditionell bewirtschafteten Bäume schmecken besonders aromatisch und sind Grundlage für ein breites Produktportfolio. In den verschiedenen Genussorten lassen sich Gäste das heimische Obst in Form von Fruchtaufstrichen, Chutneys und Säften, Most, Bränden und Likören oder aber als Apfelkücherl schmecken. Weitere Informationen zum Thema Streuobst aus Bayern finden sich auf der Website der Initiative „Streuobst blüht„.

Fruchtgenuss am Bodensee

Die vier bayerischen Gemeinden Lindau, Wasserburg, Nonnenhorn und Bodolz bilden gemeinsam den Lindauer Bodensee. Auf einer Strecke von elf Kilometern kommen Radler an allerhand Genussstationen vorbei. Malerische Streuobstwiesen säumen den Weg, wo Äpfel, Birnen, Zwetschgen und Kirschen gedeihen. In zahlreichen Hofläden warten die geschmacksintensiven Früchte in Form von Most, Wein, Bränden, Likören, Marmeladen und Gelees auf ihre Abnehmer. Am See finden sich außerdem die sogenannte „Rädle“ oder „Besenwirtschaften“, in denen der eigene Most und Wein ausgeschenkt werden. Als Basis für eine gemütliche Kostprobe eignet sich eine feine Fischmahlzeit: fangfrische Felchen, Zander oder Seeforellen aus dem Bodensee.

Apfelblühte-Frühling (Foto: Landratsamt Lindau)

Obstküche für zu Hause – Kochkurs im Kloster Plankstetten

Wer sich selbst als Produzent ausprobieren möchte, der darf sich beim Kochkurs „Streuobstküche“ am 5. September 2021 im Kloster Plankstetten in der Oberpfalz die Schürze umbinden. Der Küchenchef des Konvents vermittelt wertvolles Wissen zum ökologischen Landbau sowie zum ökologischen Kloster- und Küchenkonzept. Im Anschluss stellt er verschiedene Verarbeitungsmöglichkeiten für Äpfel, Birnen, Zwetschgen und Co. vor. Gemeinsam werden Früchte eingemacht, schmackhafte Marmeladen oder exotische Chutneys hergestellt sowie köstliche Nachspeisen gebacken. Der Kochkurs ist Teil der Bayerischen Bio-Erlebnistage und kostet 39,50 Euro pro Person.

Kloster Plankstetten (Foto: Klosterbetriebe Plankstetten GmbH)

Wanderung durch Mittelfranken – drei Orte, drei Gänge, drei Küchenchefs…

…und dazwischen herrliche Wegstrecken zum Verdauen, in Vorfreude auf die nächste Station. Am Tag der Deutschen Einheit wartet in Mittelfranken ein ganz besonderes Ausflugserlebnis: Die Wanderung mit dem Streuobst-Experten Ernst Grefig führt nicht nur vorbei an den 30.000 reich tragenden Bäumen von Burgbernheim, sie wird auch immer wieder von kulinarischen Highlights unterbrochen. So stehen ein Drei-Gänge-Menü, Sekt und eine Schnapsprobe als geschmacksintensive Zwischenstationen auf dem Programm. Die reine Gehzeit beträgt zweieinhalb Stunden, insgesamt dauert die Tour fünf Stunden und kostet 40 Euro pro Person.

Per Fahrrad durchs Apfelland – von Bad Feilnbach über Rohrdorf ins obere Isental

Feilnbach am Fuße des Wendelsteins ist das einzige Obstanbaugebiet Deutschlands mit rein ökologischem Hintergrund. Die rund 25.000 Obstbäume wachsen größtenteils auf Streuobstwiesen und die Verarbeitung ihrer schmackhaften Früchte – überwiegend Äpfel – kann oftmals live mitverfolgt werden. Mit über 120 Brennereirechten, über die der Ort verfügt, entstehen hier vielfältige Spirituosen. Köstlicher Most wartet auf dem Meisterhof Seebacher, bestes Apfelbrot in der Imkerei Irner. Auch in Rohrdorf dreht sich die Welt um den Apfel oder der „Geiginger Stadllikör“ aus der Hofbrennerei beim Graz’n. Finales Idyll der 76 Gasthöfe laden die Verkostungspavillons der beiden ortsansässigen Brennereien Pointner und Franzl zur Einkehr ein. Die Hofbrennerei Oberkorb ist für ihre Destillate sogar weltbekannt („Destille of the Year 2015“). Um die „Edition Toxique“ herzustellen, werden seltene Früchte wie Attich, Hirschholunder oder Gemeiner Schneeball in Wildsammlung geerntet und verarbeitet. Weitere Informationen finden sich hier.

Bad Feilnbach, Streuobst-Produkte (Foto: Detlev Schmidt)

Zum Anbeißen schön – ein Ausflug in den Lallinger Winkel

Im „Obstkorb des Bayerischen Waldes“, wie der Lallinger Winkel auch genannt wird, werden 25 verschiedene alte Apfelsorten, Birnen, Zwetschgen und Pfirsiche angebaut. Die meisten Bauern setzen hier auf den traditionellen Streuobstanbau, um im Herbst aromatische, ungespritzte Früchte zu ernten. Meist werden die daraus entstehenden Marmeladen, Chutneys, Mostsorten und Säfte direkt auf den Höfen verkauft. Der staatlich anerkannte Erholungsort Lalling ist ein 162 Quadratkilometer großes Hochtal im niederbayerischen Landkreis Deggendorf mit einem ganz besonderen Erholungsort: Im Feng Shui Kurpark schlendern Naturfreunde über Wildkräuter- und Streuobstwiesen, schreiten den Organ- und Chakraweg entlang und gelangen zum See in Form einer Acht. Seine Stege markieren die Yin- und Yangpunkte. Eine weitere Besonderheit der Region ist der „Vogelwuide“: Der extravagante Strudel mit einer karamellisierten Apfel-Walnuss-Füllung hat bereits einen großen Apfelstrudelwettbewerb im Bayerischen Rundfunk gewonnen.

Lallinger Winkel (Foto: Thomas Büttner)