Natur ist überall

Lukas Laux, seit über 30 Jahren beim Nationalpark Bayerischer Wald dabei (Foto: r.demont)

Bildungsarbeit im Nationalpark Bayerischer Wald will zum Nachdenken über die Natur anregen

Grafenau. „Natur Natur sein lassen“ ist der Leitgedanke des Nationalparks Bayerischer Wald. Neben der Forschung ist die Bildungsarbeit ein wesentlicher Bestandteil der Nationalparkarbeit. Lukas Laux ist seit über 30 Jahren dabei und damit ein Urgestein des Schutzgebiets.

Er erinnert sich gerne an die Anfänge seiner Arbeit zurück. Damals stand die Wissensvermittlung im Mittelpunkt seiner Tätigkeit. „Viele Ältere unter uns erinnern sich noch an die Anfänge des Nationalparks“, so Laux. „Große Teile der hiesigen Bevölkerung standen dem Nationalparkgedanken zuerst sehr skeptisch gegenüber. Wir mussten Überzeugungsarbeit leisten und die Leute über das, was mit der Natur hier geschieht, informieren. Heute sind diese Zweifel größtenteils verschwunden. Die Menschen sehen den Nationalpark mittlerweile als eine Bereicherung.“

Geändert hat sich in den vielen Jahren auch die Bildungsarbeit. „Ende der 80er Jahre stellten wir fest, dass die reine Wissensvermittlung nicht mehr ausreicht.“ Neue Methoden wurden bei Führungen eingesetzt: „Uns ging es darum, dass die Menschen nicht nur viel über die Natur lernen, sondern diese auch erleben und darüber nachdenken.“ Dieser Ansatz ist nun in den Vordergrund gerückt. „Es geht darum, Respekt vor der Natur zu gewinnen und diese mit anderen Augen zu betrachten“, so Lukas Laux. Dies wird im Nationalpark Bayerischer Wald in vielen verschiedenen Programmen bereits den Kleinsten vermittelt, die Zusammenarbeit mit Kindergärten und Schulen wird ständig weiter ausgebaut.

Das Höllbachgspreng (Foto: Thomas Michler / Nationalpark Bayerischer Wald)

Das Führungsprogramm des Nationalparks ist aber natürlich auch auf Erwachsene ausgelegt. Lukas Laux hat festgestellt, dass das Interesse der Menschen an der Natur gerade in den vergangenen Jahren größer geworden ist: „Grund dafür ist die Diskussion um den Klimawandel, aber auch die Corona-Pandemie macht die Menschen nachdenklicher im Umgang mit unserer Umwelt.“

Die derzeit rund 120 Waldführer:innen, die vom Nationalpark Bayerischer Wald speziell geschult werden, sind das Rückgrat der Bildungsarbeit. „Ohne sie wäre die Arbeit in diesem Umfang nicht möglich“, betont Laux. Das Themenspektrum ist groß, angefangen von Führungen zur Aasforschung und zur Bedeutung von Totholz, bis hin zur Reihe „Nationalpark und Schöpfung“. Ein wichtiger Baustein bei Führungen sind mittlerweile Diskussionen und Philosophie-Runden, um die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Nachdenken anzuregen. „Was ist das wertvollste am Wald? Und was ist eine intakte Natur?“ – solche naturethischen Fragen spielen dabei eine wichtige Rolle. Es gehe nicht darum, die Teilnehmenden an den Führungen mit Wissen vollzupacken. „Es geht um einprägsame Erlebnisse und Gespräche, die den Blickwinkel im Alltag verändern. Durch unsere Führungen stellen viele Menschen fest, dass Natur überall ist und dass jeder selbst der Natur mehr Raum geben kann“, sagt Lukas Laux. „Es hilft, wenn jeder in seinem Garten zum Beispiel wilde Ecken mit Totholz anlegt. Wir alle können einen Teil dazu beitragen, die Artenvielfalt zu schützen.“