Wie kommt das niederbayerische Handwerk aus der Corona-Krise? Das war das Thema eines Videogespräches zwischen MdL Alexander Muthmann und Handwerkskammer-Präsident Dr. Georg Haber. Mit dabei Hauptgeschäftsführer Jürgen Kilger, Anna Müller (Assistentin der Geschäftsführung) und FDP-Bundestagskandidat Muhanad Al-Halak (Foto/Screenshot: Privat)

Corona zwingt Handwerk zu entscheidender Weichenstellung

Präsident Dr. Haber schilderte MdL Muthmann die Situation der Unternehmen – Insolvenzen und Geschäftsaufgaben drohen

Freyung / Passau. Die Betriebe im Bereich der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz haben harte Monate hinter sich und sind bisher höchst unterschiedlich durch die Corona-Krise gekommen. Das schilderte Präsident Dr. Georg Haber in einem Videogespräch mit dem Freyunger Landtagsabgeordneten Alexander Muthmann am Beispiel der Schreiner.

Die Unternehmen, die auf den privaten Innenausbau spezialisiert sind, waren voll ausgelastet, während den Messebauern die Aufträge komplett weggebrochen sind. Die besten Chancen, die bevorstehende schwierige Zeit zu bestehen, räumt Dr. Haber Betrieben mit einer hohen Anpassungsgeschwindigkeit ein, die bei der Digitalisierung weit vorne liegen. Sein Appell an den Bund und den Freistaat Bayern: Städte und Gemeinden brauchen weiter Finanzhilfen, um die Ausfälle bei der Gewerbe- und der Einkommenssteuer kompensieren zu können. Nur so können sie auch in Zukunft kraftvoll investieren und die dringend benötigten Aufträge an das Handwerk vergeben.

Teilnehmer an der Videokonferenz waren neben Dr. Georg Haber und MdL Alexander Muthmann noch Hauptgeschäftsführer Jürgen Kilger, Anna Müller, Assistentin der Geschäftsführung und Muhanad Al-Halak, FDP-Bundestagskandidat im Wahlkreis Deggendorf, der selbst aus dem Handwerk kommt und dem berufliche Bildung ein wichtiges Anliegen ist. Der 31 Jahre alte Abwassermeister aus Grafenau sieht sich als Beispiel dafür, dass ein Mittelschüler mit einem guten Abschluss und einer handwerklichen Ausbildung beruflich erfolgreich sein kann. Als Vorteile nannte er den kurzen Draht zwischen Chef und Mitarbeitenden und die damit verbundene Wertschätzung. Das Handwerk in Niederbayern habe wirtschaftlich gut aufgeholt.

Alle Gesprächspartner waren sich einig, dass die kommenden Monate für viele Unternehmen wichtige Weichenstellungen bringen. Auch im Handwerk müsse man mit Insolvenzen und Geschäftsaufgaben rechnen, die aber nicht so spektakulär und mit so großer medialer Begleitung verlaufen wie in anderen Branchen, lautete die Prognose von Dr. Georg Haber.

Corona habe in etlichen Bereichen Defizite aufgezeigt, zum Beispiel in arbeitsrechtlichen Fragen. Beim Homeoffice müsse die Flexibilisierung noch zunehmen, wo es möglich sei. Es gelte, die Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt Stück für Stück zu nutzen. Den angestrebten Bürokratieabbau bezeichnete der Handwerkskammer-Präsident als enttäuschend. Er selbst gehöre dem Mittelstandsbeirat an, der Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier immer wieder konkrete Vorschläge mache. Ein Dauerthema sei die Vorfälligkeit der Sozialversicherungsbeiträge, die vor vielen Jahren eingeführt wurde, um der damals finanziell bedrängten Sozialversicherung einen Liquiditätsvorschuss zu verschaffen. Bei dieser Regelung sei es jedoch bis heute geblieben. Die Lohnbüros müssten zweimal pro Monat in der gleichen Sache tätig werden: erst mit einer Schätzung, dann mit einer genauen Abrechnung. Leider gebe es keinerlei Bereitschaft, zur alten Regelung zurückzukehren.