Die skrupellose Halterin packte Hunde roh an und tauchte sie in eiskaltes Wasser. / © PETA Deutschland e.V.

Kreisveterinäramt Passau unter den tierfreundlichsten Veterinärbehörden Deutschlands

PETA kürt Tops und Flops 2020

Amtsveterinäre retteten mehrere Dutzend Tiere aus den Fängen einer Animal Hoarderin

Stuttgart / Passau. Top oder Flop? PETA hat die besten und schlechtesten deutschen Veterinärbehörden 2020 gekürt. Berücksichtigt wurden Ämter, die bei ihrer Arbeit besonders positiv oder negativ aufgefallen waren, nachdem sie von der Tierrechtsorganisation über einen Missstand informiert wurden.

Die Passauer Behörde ist unter den Top 5 der besten Veterinärämter 2020: Über eine Whistleblower-Meldung wurde PETA im März 2020 auf eine sogenannte Animal Hoarderin aufmerksam, die in Windorf im Landkreis Passau unter anderem Pferde, Hunde, Katzen, Fische und Hühner unter tierschutzwidrigen Bedingungen hielt. Da sie die Hunde im Internet zum Verkauf anbot, gaben sich Mitarbeiter der Tierrechtsorganisation als Interessenten aus und stießen vor Ort auf gravierende Tierquälerei: Sogar vor den Augen der vermeintlichen Käufer malträtierte die Halterin Tiere. Einen sterbenden Hahn überließ sie einfach sich selbst und tauchte beispielsweise Hunde zum „Baden“ in eiskaltes Wasser. Um sie aus dem Zwinger zu holen, riss sie den Vierbeinern an ihren Ohren und der Rute. PETA meldete den Fall unverzüglich den zuständigen Behörden und erstattete Anfang Mai wegen Tierquälerei bei der Staatsanwaltschaft Passau Strafanzeige gegen die Verantwortliche – die Strafverfolger leiteten umgehend ein Strafermittlungsverfahren ein (Az.: 31 Js 6166/20). Ende Mai beschlagnahmte das Veterinäramt des Landkreises Passau unter massiven Drohungen der Frau sämtliche bei ihr untergebrachten Tiere und übergab sie einem lokalen Tierheim.

„Die Amtstierärzte haben bei diesem erschütternden Fall tolle Arbeit geleistet – wir sind glücklich, dass alle Tiere beschlagnahmt und in Sicherheit gebracht wurden“, so Jana Hoger, PETAs Fachreferentin für tierische Mitbewohner. „Die Hunde, Katzen, Pferde und Hühner litten seit Jahren unter der gewalttätigen Frau. Umso mehr freut es uns, dass das Kreisveterinäramt Passau so schnell und konsequent im Sinne der Tiere gehandelt hat. Das Amt ist ein Vorbild für andere Veterinärbehörden.“

Die skrupellose Halterin packte Hunde roh an und tauchte sie in eiskaltes Wasser. / © PETA Deutschland e.V.

Hintergrundinformationen

Veterinärämter sind für die Überwachung und den Vollzug des Tierschutzgesetzes in Deutschland zuständig. PETA meldet den Behörden jeden Monat zahlreiche Fälle von Tierquälerei und kontrolliert, ob und wie die Behörden daraufhin im Sinne des Tierschutzgesetzes tätig werden. Während in vielen Fällen in Zusammenarbeit mit Amtstierärzten sehr gute Erfolge für die Tiere erzielt werden, gibt es noch immer zu viele Behörden, die das Tierschutzgesetz und die entsprechenden Verordnungen und Richtlinien nicht umsetzen. Seit 2012 kürt die Tierrechtsorganisation jährlich die aus Tierschutzsicht positiv oder negativ aufgefallenen Veterinärämter. Im Ranking wird stets die gesamte Behörde genannt, auch wenn oftmals einzelne Amtstierärzte positiv oder negativ hervorstachen.

Zeugen von Tierquälerei sollten sich an die zuständige Veterinärbehörde ihrer Stadt oder ihres Landkreises wenden. Beobachtungen sollten detailliert und sachlich zusammengefasst werden. Besonders hilfreich ist Bild- und Videomaterial. Empfehlung von PETA: Nach der Meldung beim Veterinäramt unbedingt so lange nachhaken, bis der Missstand beseitigt ist. Das kann ermüdend sein, ist aber oft die einzige Chance für das jeweilige Tier. Eine Übersicht mit ausführlichen Tipps, wie Zeugen gegen Tierquälerei vorgehen können, gibt es unter PETA.de/Whistleblower.
 
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein: eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.