Hinter die kühle Funktionalität der Stadt gelangen

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    Fotoausstellung „New York, New York“ von Gudrun Kemsa im MMK Passau

    (von Tobias Schmidt)

    Passau. Graue Quader bilden hier die Bühne. Sie gehören zu einer Hauswand, auf welcher groß der Schriftzug eines weltweit agierenden Moderiesen prangt. Die Hausnummer „724“ rechts im Bild, ist sogar noch größer. Gemeinsam mit dem Bildtitel „42nd Street“ gelesen, weiß der Betrachter genau, wo sich diese Szene ereignete. In New York, unweit des Hudson River, keinen Kilometer vom Times Square entfernt. Von rechts ins Bild hinein, läuft eine Frau. Sonnenbrille, telefonierend, das grüne Kleid korrespondiert irgendwie mit der Farbe des dahinter liegenden Schaufensters. Ganz links steht ein Mann mit Basecap und Dreiviertelhose. Eine Ausweiskarte um den Hals hängend, ein Klemmbrett vor dem Bauch. Könnte ein Mitarbeiter eines Demoskopiebüros sein? Im Gehsteigrevier auf der Jagd nach Volkes Stimme oder Aussagen zur Kundenzufriedenheit. Wird er die Frau ansprechen? Wenn ja, kann es sich ab diesem Augenblick eigentlich nur noch um weniger Sekunden handeln? Wird sie anhalten? Ausgerechnet jetzt, in der an den kurzen Schatten erahnbaren Mittagshitze?

    Es sind solche, wie beiläufig komponierte Straßenszenen, die die Düsseldorfer Foto- und Videokünstlerin Gudrun Kemsa in ihren in New York entstandenen Bildserien fotografisch festhält. Die Passanten erscheinen entweder zufällig aufeinander bezogen, oder bilden im Warten oder auch in Bewegtheit den Takt des Stadtraums ab. Warten an der Ampel etwa: am frühen Abend (man achte erneut auf die Schattenwürfe) in größeren Gruppen, die sich dann an Straßenecken in verschiedene Richtungen auflösen. Die meist wenig beachteten, oft vertikalen Linien in den Hausfassaden strukturieren die eingangs angesprochene Bühne mindestens genauso, wie die darauf agierenden Darsteller.

    Apropos, wer „agiert“ denn eigentlich in diesen zwischen Totale und Supertotale angelegten Bildern? Für Street Photography ist das alles aus meist zu weit entfernter Beobachtungsperspektive fotografiert, für Architekturfotografie „zu nah am Menschen“.

    Gudrun Kemsa „Subway 2“, Fotografie, 86×198 cm, 2017 (Quelle: VG Bild-Kunst Bonn / Galerie Lausberg)

    Eine weitere Motivserie entstand auf U-Bahnhöfen. Ein Fahrplan rechts im Bild bildet, gibt den hier herrschenden Zeittakt wieder. Gäb’s ihn nicht, das Kunstlicht relativiert hier die Zeit vollständig. Mit dem in die Gesichter und Gesten der Passagiere eingeschriebenen Warten, so gänzlich bar aller Sehnsucht, verhält es sich kaum anders. Manche der Personen sind durch, den Bildraum streng symmetrisch strukturierende Stahlträger verdeckt, andere sitzen auf einer Bank vor einem geschlossenen Kiosk, wieder andere hasten einer Bahn hinterher oder dem Ausgang zu. Der Puls des Lebens ist hier zwar zu spüren, doch er hat sich gänzlich funktional eingerichtet, in diesen bisweilen durch die Fenster abfahrender Züge fotografierten Triptychen ephemerer Orte und Menschen. So erarbeitet Gudrun Kemsa hier eine Bildpoetik, die vermittels der kühlen Funktionalität des Stadtraums hinter dieselbe gelangen möchte.

    Herausgegeben von Tayfun Belgin, Kai Uwe Schierz und MMK-Museumsleiterin Marion Bornscheuer, erschien 2020 ein Bildband zu den hier angesprochenen Fotoserien „New York, New York“ und „New York Subway“ im Kerber Verlag. Die in Zusammenarbeit mit der Düsseldorfer Galerie Lausberg organisierte Ausstellung kann noch bis einschließlich 16. Januar 2022 jeweils Dienstag bis Sonntag (10 bis 18 Uhr) im MMK Passau besichtigt werden. Beim Museumsbesuch gilt die Pflicht zum Tragen einer FFP2-Maske und die 2G-Regel. Es erfolgt daher eine Zugangskontrolle mit Feststellung der Identität und des Impfstatus jedes einzelnen Besuchers sowie Erhebung der Kontaktdaten.

    Weitere, jeweils aktuelle Informationen auch unter: www.mmk-passau.de

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