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Freitag, Juli 19, 2024

Grundsteinlegung unter dem Motto „Lebm in der Maierei“

Lesestoff

Treffen – Gestalten – Wohnen

(von Johannes Dick)

Thurmansbang. Anlässlich der Grundsteinlegung der Maierei begrüßte Bürgermeister Martin Behringer, den 1. Vorsitzenden des Ilzer Landes und MdL Manfred Eibl, Projektleiter für das Handlungsfeld Innenentwicklung des Ilzer Landes Johannes Dick, Planer und Architekt Dr. Klaus Bauer, geschäftsführender Vorstand des Kreis-Caritasverbandes Freyung-Grafenau Josef Bauer, sowie zahlreiche Vertreter der Regierung von Niederbayern und der Gemeinde Thurmansbang.

Den Namen Maierei verdankt das Gebäude der Familie Maier, die in früheren Jahren hier ein Dorfwirtshaus und eine Metzgerei mit eigener Schlachterei betrieb. Im Herzen Thurmansbang gelegen, fanden etliche Veranstaltungen, wie zum Beispiel Faschingsbälle dort statt und es diente in früheren Jahren sogar zur Verteilung des „Stempelgeldes“. Das Baujahr des Gebäudes ließ sich aus den Geschichtsbüchern leider nicht mehr datieren, doch die beim Rückbau sichtbar verkohlten Dachbalken, lassen zumindest auf einen damaligen Brand schließen. Geschichten können diese Mäuerlichkeiten sicher viele erzählen. Wechselnde Pächter unterhielten das Anwesen am Dorfmittelpunkt als Dorfgasthof „Zur Linde“, aber zuletzt stand es seit geraumer Zeit leer. Dieser Leerstand bietet Potential für Innenentwicklung im Ilzer Land und eine Chance für die Gemeinde Thurmansbang an dieser Stelle und deren Umfeld wieder neues Leben zu entfachen. Rund drei Millionen Euro werden dieses und nächstes Jahr in die Sanierung und Umbau der Immobilie investiert. Es werden bis zum Herbst 2021 sechs barrierefreie Wohnungen, ein Bürgercafe, ein Gemeinschaftsraum für die beispielhafte Tagesbetreuung des Seniorenclubs, Räumlichkeiten für eine Ergo- und Logopädie, als auch für eine Eltern-Kind-Gruppe entstehen. Eine neuartige Wohnform wird durch einen weiteren Begegnungsraum für die Bewohner und Nutzer des kompletten Hauses ermöglicht. Im sogenannten „Cohousing“ kann man sich austauschen, dem einsamen und tristen Alterswohnsitz Abhilfe verschaffen, sich wohlfühlen. Ein wesentlicher Vorteil ist die Lage des Gebäudes. Grund- und Nahversorgung in Form eines Lebensmittelmarktes, Arztpraxis, Bank, Gastronomie und Naherholungszonen sind innerhalb weniger Gehminuten zu erreichen und tragen somit unmittelbar zur Belebung des Ortskernes bei. Im Programm „Marktplatz der Generationen“ wurde dieses Projekt im Vorfeld unter der Anleitung von Dr. Klaus Zeitler zusammen mit den Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Thurmansbang entwickelt. Der öffentliche Teil des Projektes wird mit einer Förderquote von 90% über das Städtebauförderungsprogramm mit Mitteln aus dem Bundesprogramm „Integration im Quartier“ und des Freistaates Bayern mit dem Programm „Kleinere Städte und Gemeinden“ gefördert. Für den vermieteten Bereich kann die Kommune auf eine 80%-ige Anteilsförderung zurückgreifen. Abschließend bedankte sich der Bürgermeister nochmals bei allen daran beteiligten Akteuren und gab das Wort an Rolf-Peter Klar von der Regierung von Niederbayern weiter.

Rolf-Peter Klar verwies auf die Vielzahl der bereits verwirklichten Projekte im Ilzer Land, um das Aussterben der Ortsmitten zu verhindern. Ziel der Förderungen und Unterstützung soll es sein die Leute vor Ort wieder zusammenzubringen. Genau hier soll das Förderprogramm „Innen statt Außen“ ansetzen und die Ortzentren nachhaltig und dauerhaft revitalisieren. Neue Wohnformen wie das Cohousing sind Modelle, die diese Entwicklung forcieren und fördern. Die wichtigsten Player sind jedoch die Verantwortlichen vor Ort. Das Entwickelte gehört auch unterhalten und bespielt, um Frequenz in den Ort Thurmansbang zu bringen und einen Treffpunkt der Gemeinschaft anzubieten. Hr. Klar wünschte der Gemeinde günstige Ausschreibungsverfahren und den schaffenden Baufirmen einen unfallfreien und erfolgreichen Bauablauf, damit der Fertigstellung 2021 nichts im Wege steht.

Hr. Manfred Eibl zollte dem Bürgermeister und dem Gemeinderat Respekt für den Mut, um sich dieser großen Herausforderung zu stellen und Neues zu wagen. Es zeugt von Verbundenheit zur Heimatregion und verleiht ihr einen identitätsstiftenden Charakter. Mit gezielter Innenentwicklung im Ilzer Land kann seit dem Jahr 2008 jeder von solchen Maßnahmen profitieren. Der Einzelhandel, die Generationen Jung und Alt, die Gemeinde, der Dienstleistungssektor als auch das Gewerbe. Die Wertschöpfungskette ist eine lange. Dem demografischen Wandel ausgesetzt wird sich um die Generationen Jung und Alt angenommen und eine Möglichkeit geschaffen, um in ihrer Heimat glücklich und zufrieden zu leben. Der Klimaschutz und das oft zitierte Flächensparen fordert von uns den Flächenverbrauch auf ein vertretbares Mindestmaß zu reduzieren. Innen statt Außen wird in naher Zukunft immer wichtiger und die Gemeinde Thurmansbang leistet mit dieser Maßnahme ihren Beitrag dazu.

Herr Dr. Klaus Bauer führte an, dass der Termin für die Grundsteinlegung durchaus sinnvoll gewählt wurde, weil es zufälligerweise fast mit dem Richtfest zusammenfiele. Seit 2012 stand dieses Vorhaben in der Innenentwicklung im Ilzer Land an erster Stelle. Die Erfahrungen gerade in den letzten Monaten, in denen Arbeiten von Zuhause und persönliche Distanzierung vorherrschte, zeigten uns wie wichtig Durchhaltevermögen und Ausdauer sind und welchen bedeutenden Wert soziale Kontakte haben . Zahlreiche Gespräche, Entwürfe und Diskussionen begleiteten dieses Projekt. Auch wenn man zwischenzeitlich schon meinen konnte, es werde wohl nie gebaut, hat man die Flinte nicht ins Korn geworfen und an der Umsetzung festgehalten. Die Planung ist dadurch gereift und so entsteht ein Komplex, der durch ein hohes Maß an Flexibilität und Multifunktionalität in der Lage ist, sich den ändernden Ansprüchen anzupassen. Ein Abbruch und eine Renaturierung hätten an der Stelle zur Folge gehabt, dass damit auch die Leute weg sind. Wir müssen in Zukunft versuchen diese in die Ortsmitten zurückzuholen, denn nur wenn das Herz intakt ist wird auch das Umfeld ausreichend versorgt.

Den Schlusspunkt der Feierlichkeit setzte Bürgermeister Martin Behringer, indem er tatkräftig mit Maurerkelle und Mörtel den Grundstein, versehen mit Plänen und aktueller Tageszeitung, legte.

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