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Dienstag, Juli 16, 2024

Der wiedererstandene Themenpark

Lesestoff

Beim „WaldKult“ im Schlosspark Freudenhain kommt es diesmal zum „Grenz Fall“

(von Tobias Schmidt)

„…gestatten wir auch jedermann und ohne Ausnahmen und zu allen Zeiten den freien und ungehinderten Eintritt.”, heißt es in der 1788 von Fürstbischof Joseph Franz Anton von Auersperg erlassenen Parkordnung für die sein Lustschloss Freudenhain umgebende zuvor gründlich nach englischem Vorbild umgestaltete Gartenanlage. Menschen aller Schichten war fortan Belehrung und Erbauung im Grünen erlaubt; im Park verteilte Pagoden, Grotten und andere Bauwerke taten das Ihre zu Wissensmehrung und Charakterbildung. Nennen wir’s einen „aufklärerisch-freimaurerischem Themenpark“, dessen Reste sich heute noch überall auf dem Gelände finden lassen.

WaldKult2012b [Rauchzeichen e.V.]

Alle zwei Jahre beim „WaldKult“, der vom Rauchzeichen Verein für Kunst und Kultur in Niederbayern e.V. veranstalteten größten Freiluftkunstereignis Niederbayerns, wird die Parkanlage mit einem Thema unserer Tage in Beziehung gesetzt. Heuer lautet es: „Grenz Fall“. Die Debatte um offene Landesgrenzen für Verfolgte versus „Europas neue Zäune“ spielt dabei eine wichtige, aber nicht ausschließliche Rolle. „Grenzenlose Liebe“ wird ebenso angesprochen, wie auch jene Grenzen, die etwa ein „Handicap“ einem Menschen zu setzen vermag. Von Freitag, 12.8. bis Montag, 15.8. werden zum mittlerweile achten Mal 25 Künstler aus Niederbayern und den Nachbarländern themenbezogene Werke im Schlosspark von der Großen Wiese über den Alleeweg bis zur Grotte und dem Platz am Bassin sowie im Zeichenhaus des Auersperg-Gymnasiums präsentieren. Skulpturen von Gabi Hanner, Stahlobjekte von Lothar Blitz, Steinplastik von Christian Schaffelhuber und Papierobjekte von Renate Moran seien nur beispielhaft genannt. Im Zeichenhaus sind Gemälde, Zeichnung und Fotographien u.a. von Regina Schmidtmayer, Rudolf Klaffenböck und Eva Schmidt zu sehen.

WaldKult2012c [Thuringer]

Auch Kunst im Gelände braucht natürlich einen Rahmen: Den bilden Lesungen, Musik oder alles zusammen im von Ingrid Schiller servierten Geschichtenliederkabarett an multimedialen Comics „Hier Spricht Frau Ings“. Dazu kreative Entfaltungsmöglichkeiten für Kinder, verschiedene Gaumenfreuden werden hier auch Menschen angesprochen, die sich bislang eher fernab der Kunst wähnten. Führungen durch Fachleute erschließen die Hintergründe der gezeigten Kunstwerke, die Historie des Parks und nicht zuletzt jene botanische Raritäten, die aus den unterschiedlichen Nutzungsepochen überlebt haben.

Die Bilder auf dieser Seite stammen vom WaldKult 2012 und 2014. Damals feierten die Passauer euphorisch den 350. Jahrestag der Wiedererstehung als Barockstadt nach dem Stadtbrand von 1662. Jene Barockeuphorie konterkarierte der Rauchzeichen e.V. frivol-ironisch unter dem Motto „bar aller Röck“. Und 2014 bei „Raffzeit 2.14 – Premium Gold Edition“, steckte die Einteilung unserer durchdigitalisierten internetten Epoche in Versionsnummern bereits im Motto. Samt der Gier. Die der Fondsjongleure, der Freihandelsabkömmlinge, aber auch unsre alltägliche Pfennigfuchserei. Drehte man die Wortbestandteile herum, landete man beim „Zeitraffer“, beim beschleunigten Sehen und Bewegen, das unsere Zeit ebenfalls kennzeichnet. Nennen wir den „WaldKult“ darum also ein zeitbezogen-kritisches LandArt Projekt.

WaldKult2012c2 [TSchmidt]

Der Eintritt ist frei. Was ganz im Geist der eingangs erwähnten Parkordnung („für ausnahmslos Jedermann und zu allen Zeiten“) auch unterm Jahr gilt. Näheres unter: www.waldkult.de

WaldKult2012i [Thuringer]

(Bilder: Tobias Schmidt, Georg Thuringer, Rauchzeichen e.V.)

 

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