Niederbayerns Wirtschaft will weniger Bürokratie und mehr Europa

Vor der Bundestagswahl machen Niederbayerns rund 85.000 Unternehmen in einer Umfrage der IHK deutlich, was sie von einer neuen Bundesregierung erwarten

Passau (obx). Was wünschen sich Unternehmen von einer neuen Bundesregierung? Im Vorfeld der Bundestagswahl am 26. September veröffentlicht die Industrie- und Handelskammer Niederbayern, die rund 85.000 Betrieben eine Stimme gibt, die Ergebnisse einer neuen Umfrage. Die Top-Forderung der Wirtschaft: „Mit 86,5 Prozent haben die befragten Unternehmer als Top-Thema die Foderung eingebracht, die staatlichen Strukturen und Prozesse zu entschlacken, zu beschleunigen und dringend zu digitalisieren“, sagt Alexander Schreiner, Hauptgeschäftsführer der IHK.

Deutlich über die Hälfte der Unternehmen nehmen in der IHK-Umfrage zudem die Finanz- und Haushaltspolitik ins Visier. Haushaltsmittel müssten zukunftsgerecht und vor allem effizient eingesetzt, öffentliche Investitionen effektiver gestaltet werden. Neue Steuern oder Abgaben lehnen die niederbayerischen Betriebe hingegen ab. Gefordert seien vielmehr eine kluge Wachstumspolitik sowie eine grundlegende Reform der Unternehmenssteuern, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten.

Eine weitere Lehre aus Corona, bei der sich die regionalen Unternehmer mehr erwarten: Mehr als die Hälfte der befragten Firmen (56 Prozent) fordert von der Bundespolitik, den weltweiten Handel mittels Handelsabkommen und einer Vertiefung des EU-Binnenmarkts krisenfester zu gestalten. Die niederbayerische Wirtschaft ist nach Angaben der IHK stark exportorientiert. Allein in der Industrie werde mehr als jeder zweite Euro im Export verdient. Branchenübergreifend hätten Unternehmen wie Verbraucher in der Pandemie erfahren müssen, was es heißt, wenn Grenzen geschlossen sind und der weltweite Handel eingeschränkt wird.

Durch Lieferengpässe, Rohstoffmangel und extreme Steigerungen bei den Frachtkosten wirken diese Entwicklungen nach Erfahrungen der Unternehmen bis heute nach. „Hier wie in vielen weiteren Punkten der Wirtschaftspolitik muss die Regierung ansetzen, um Wohlstand, Beschäftigung und Wertschöpfung gerade in unserer Region zu sichern“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Schreiner. Weitere Top-Themen, die die Unternehmer in der Umfrage anbringen, sind: die Förderung von Innovationen, Nachhaltigkeit sowie Klimaschutz, der aus Sicht der Unternehmen wettbewerbsfähig gestaltet werden muss.

Die Antworten der niederbayerischen Betriebe sind auch ein Plädoyer für unternehmerische Freiheit: „Unsere Wirtschaft ist einem grundlegenden Strukturwandel unterworfen. Diesen Weg sollte vom Staat begleitet, aber nicht erzwungen werden“, sagt IHK-Präsident Thomas Leebmann.

Nicht der Staat solle entscheiden, welche Technologien und Unternehmen sich im Wettbewerb durchsetzen, sondern das Zusammenspiel aus Angebot und Nachfrage: „Generell müssen mit Abklingen der Krise die staatlichen Eingriffe in die Wirtschaft wieder zurückgefahren werden“, so der Präsident. Wachstumspotenziale der Wirtschaft ließen sich deutlich besser verwirklichen durch technischen Fortschritt, bessere steuerliche Rahmenbedingungen, einen Fokus auf Bildung sowie die Stärkung und Festigung des Außenhandels.