„Was Kinder stärkt“

Barbara Matuschek (Foto: Privat)

Online-Vortrag des KDFB liefert wichtige Tipps für Eltern

Passau. Dieser Wunsch eint wohl alle Eltern: Sie möchten ihr Bestes tun, damit ihre Kinder zu selbstbewussten, eigenverantwortlichen, toleranten und lebensfrohen Persönlichkeiten heranwachsen, die gut gerüstet für ihren späteren Lebensweg sind. Doch wie genau können Eltern ihre Kinder dabei unterstützen – gerade in unserer schnelllebigen Zeit und vor dem Hintergrund der Corona-Krise? Antworten auf diese Frage erhielten Eltern bei einem Online-Vortrag des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB) in der Diözese Passau, den Eltern-Kind-Koordinatorin Yvonne Lorenz organisiert hatte.  

Referentin Barbara Matuschek, stellvertretende Leiterin der Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung in Stadt und Landkreis Passau, lieferte wichtiges Hintergrundwissen zum Thema „Was Kinder stärkt“. „Es gibt viele Herausforderungen, die es zu meistern gilt. Im Wesentlichen geht es aber um drei große Bereiche: Geborgenheit, Zuwendung und soziale Anerkennung sowie die Entwicklung und Leistung“, sagte Matuschek eingangs. Anschließend ging sie auf die einzelnen Bereiche detailliert ein. „Kinder erleben Geborgenheit, wenn ihre körperlichen Grundbedürfnisse befriedigt sind. Kinder brauchen Nahrung, Schlaf, Pflege, Bewegung und frische Luft – all das sind körperliche Grundbedürfnisse“, so Matuschek. Daneben gebe es aber auch das Bedürfnis nach Nähe und Sicherheit. „Wenn diese Grundbedürfnisse einigermaßen gut gestillt sind, macht das Kind die Erfahrung, dass ihm die Erwachsenen, die für es sorgen, wohlgesonnen sind. Das Kind fühlt sich aufgehoben und erfährt die Welt als einen sicheren Ort.“ Damit sich Kinder wirklich geborgen fühlen, und das dauerhaft, spielen weitere Faktoren eine Rolle. Matuschek nannte unter anderem die Vertrautheit zwischen dem Kind und den Bezugspersonen und führte aus, wie wichtig die Verfügbarkeit dieser Personen gerade für sehr kleine Kinder ist. „In den ersten drei Lebensmonaten ist es elementar, dass immer jemand greifbar ist und reagiert, wenn das Baby weint, Hunger hat oder gewickelt werden muss. Auch später bleibt dieser Punkt wichtig.“ Dem Geborgenheitsempfinden von Kindern sei es weiterhin zuträglich, wenn in der Familie beständige Routinen gelebt werden und es eine Kontinuität in Sachen Betreuung gibt. „Außerdem geht es um die Angemessenheit. Es ist wichtig, dass die Bedürfnisse zuverlässig und angemessen befriedigt werden. Das Verhalten der Eltern muss also auf das Verhalten des Kindes zugeschnitten sein“, so Matuschek. Sind diese Faktoren erfüllt, entwickle sich ein „sicheres Basislager“ für das Kind – eine Voraussetzung, damit Kinder selbstbewusst heranwachsen können.

Ebenso zentral ist der Bereich „Zuwendung und Anerkennung“. Es sei ganz entscheidend, dass das Kind stets das Gefühl hat, dass es genau so angenommen wird, wie es ist, und genau so richtig ist, wie es ist. Das schenke dem Kind Selbstbewusstsein. Kinder sollten nie die Erfahrung machen müssen, dass sie mehr Wertschätzung erfahren, wenn sie gute Verhaltensweisen an den Tag legen oder eine tolle Leistung erbringen. Es sei sehr wichtig, dass Eltern das Kind als ganze Person sehen und nicht auf das Verhalten reduzieren. Barbara Matuschek betonte weiter, dass das Gefühl der Zuwendung und Anerkennung stark mit gemeinsam verbrachter Zeit zusammenhänge. Hier riet sie Eltern unter anderem, sich komplett auf das Kind einzulassen, ihm wirklich zuzuhören und es ausreden zu lassen. Matuscheks zentrale Botschaft im Bereich „Entwicklung und Leistung“ lautete schließlich: Wenn Eltern selbstbewusste Kinder heranziehen möchten, sollten sie natürlich Hilfe anbieten und Anregungen geben – aber nur, wo das auch nötig ist. „Es ist grundsätzlich wichtig, Vertrauen zu haben und die Kinder selbst tun zu lassen, was sie schon können.“ Eltern sollten die angeborene Neugier ihrer Kinder unterstützen und fördern, „und dabei ist völlig egal, ob es auch mal Misserfolge gibt. Wenn Kinder selbst Erfahrungen machen können und dürfen und dabei merken, dass sich durch ihr Tun Dinge verändern oder sie Dinge nun schon selbst schaffen, ruft das große Zufriedenheit hervor.“ Natürlich sei es für Eltern nicht ganz einfach, das Spannungsfeld zwischen „Selbstbestimmung“ und „Grenzen setzen“ zu meistern. Grundsätzlich gelte: Kinder sollten in den Bereichen, in denen sie schon kompetent sind, entsprechend ihres Alters und ihres Entwicklungsstandes selbst entscheiden dürfen – den Rest übernehmen die Eltern. „Wenn Kinder das Gefühl haben, dass ihre Kompetenz anerkannt wird und sie das Recht haben, mitzubestimmen, rebellieren sie in der Regel auch nicht so stark gegen gesetzte Grenzen.“ Abschließend stellte Matuschek heraus, dass Kinder zwar hinreichend gute, aber keine perfekten Eltern brauchen würden. Es komme nicht darauf an, dass Eltern keine Fehler machen. Es gehe darum, Fehler zu erkennen und sie zu korrigieren – jeden Tag aufs Neue. Nach dem Vortrag hatten die Teilnehmerinnen die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Barbara Matuschek ermunterte sie zudem, bei größeren Problemen oder Erziehungsfragen keine Scheu zu haben, die Hilfe der Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung der Caritas in Anspruch zu nehmen. Die Beratung ist kostenfrei.