(Quelle: Schmidt)

Wie geht eigentlich eine Viruspandemie vorbei?

Ein Passauer Graffiti macht uns Grübeln

(von Tobias Schmidt)

Mal ehrlich, ich hab’s nicht so mit Graffiti. Nicht dass ich bei jedem gleich „Schmiererei“ rufe, nein, ich bin nur nicht so der Typografie-Typ (gibt’s aber in jeder Redaktion – und sie wirken Wunder!). Sinntragender „Inhalt“ ist mir einfach „buchstäblich“ lieber. Doch bei diesen, kürzlich in bunten Farben an eine Hauswand der Stelzhamer Straße in Passau gesetzten schlichten drei Wörtern ist es irgendwie anders. „Alles Geht Vorbei“ leuchtet es mich von dort an. Ich gerate ins Grübeln, weil es so…  …seltsam tröstend daher kommt. Gerade jetzt, in der Zeit der hinter Mund-Nasen-Schutzmasken einge“lock“ten Freude, was auch fröhliche Zeitgenosen recht „down“ daher kommen lässt.

„Alles Geht Vorbei“. Aber wie geht eigentlich die Corona-Pandemie vorbei? Sicher nicht durch Parlamentsbeschluss. Na klar, durch Impfen. Denn das verschafft uns Menschen einen „Wettbewerbsvorteil“ gegenüber dem Virus. Doch Obacht, neue Varianten von SARS-CoV-2 breiten sich schnell aus, da kann die Impfquote gegenwärtig noch nicht mithalten (bei Redaktionsschluss lag diese laut Robert-Koch-Institut bayernweit bei ca. 1,62% bezogen auf Personen mit beiden notwendigen Schutzimpfungen). Also werden Impfbereitschaft und Impfskeptizismus statistisch taxiert, Basisreproduktionszahlen bei verschiedenen Verhaltens-szenarien der Bevölkerung nach dem Lockdown und verschiedenen Versorgungssituationen mit Impfstoffen geschätzt und daraus Herdenimmunitäten errechnet, dass einem der Kopf schwirrt. Alles notwendig. Doch zu welchem Ende eigentlich? Denn SARS-Cov2 wird nicht verschwinden. Vielmehr wird es eines schönen und sicherlich zeitlich fernen Tages zu jenen Coronaviren gehören, die saisonal und/oder in der Kindheit mit (hoffentlich) milden Verläufen auftreten, um uns später vor schweren Verläufen zu schützen. Aber so etwas dauert.

(Quelle: Schmidt)

Können oder sollen wir solange auf eine Welt wie vor der Pandemie warten? Nein. Aber wir sollen jenen Tag herbei sehnen, an dem wir unsere Ängste vor Ansteckung nicht mehr am aktuell vermeldeten Sieben-Tage-Inzidenzwert ausrichten, weil das Infektionsgeschehen durch Bemühen aller einen niedrigen, nachverfolgbaren und – Durchseuchungsphänomene hin oder her – beherrschbaren Stand erreicht hat. Corona wird uns ebenso gewiss weiter begleiten, doch seine Macht eines gesellschaftlichen Schreckens wird das Virus eingebüßt haben. Wir werden Mund-Nasen-Schutzmasken ein wenig selbstverständlicher und auch nach persönlicher Neigung im Umgang mit Vireninfektionen tragen. Vielleicht wird auch der Ellenbogen-Gruß normaler. Mit Gelassenheit dargebracht und hoffentlich ohne dass wir uns einander „Covidiot“ oder „Schlafschaf“ oder sonst einen Unsinn heißen. Wie weit der Weg noch ist? Wann dieser Tag kommen wird? Das ist noch nicht klar, doch mit dem Start der Impfkampagne leuchtet er langsam am Horizont auf. So wie die Farben dieses Graffiti leuchten. So wie im Trost dieses „Alles Geht Vorbei“ langsam die Saat der Gewissheit reift.

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