Ziegen halten Gehölze in Schach – Naturpark von Pflegekonzept überzeugt
Viechtach. Das über 150 Kilometer lange, geradlinig verlaufende Quarzriff des Pfahls, ist die wichtigste geologische Besonderheit des Naturparks Bayerischer Wald. Das Naturschutzgebiet Großer Pfahl bei Viechtach, mit seinen exponierten Quarzfelsen, ist eine einzigartige Naturerscheinung und dadurch zu Bayerns Geotop Nummer 1 gekürt worden. Der ehemalige Steinbruch am Großen Pfahl in Viechtach vereint auf kleiner Fläche viele verschiedene Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Gelbbauchunke und Mopsfledermaus sind hier beheimatet. Mit steilen Abbruchkanten, Felsvorsprüngen und Tümpeln finden sich hier sowohl sonnige und feuchte Standorte in direkter Nachbarschaft. Diese wertvollen Biotope stellten sich nach Aufgabe des Quarzabbaus 1992 über die letzten Jahrzehnte ein. Durch die vom Naturpark Bayerischer Wald organisierten Pflegemaßnahmen, konnten die neu entstandenen wertvollen Flächen erhalten und verbessert werden.
Der Naturpark-Vorsitzende und Leiter der Umweltstation Heinrich Schmidt ist sehr erfreut über die Erfolge der Landschaftspflege, die seit dem Flächenankauf erreicht werden konnten. Er stellt dabei die gute Zusammenarbeit des Landkreis Regen, der Stadt Viechtach und des Naturparks in der Landschaftspflege heraus, wodurch diese zur Erhaltung der heimischen Kulturlandschaft beitragen. „Mein Dank gilt besonders den engagierten Landschaftspflegern, die trotz der schwierigen Umstände, am Pfahl auch dieses Jahr die Umsetzung des Pflegekonzepts aus Beweidung und Entbuschung ermöglichen. Mit ihrem Einsatz haben sie einen wertvollen Beitrag zur Erhaltung der schützenswerten Lebensräume entlang der Quarzfelsen geleistet“, würdigt Schmidt die Anstrengungen aller Beteiligten.
In diesem Jahr wird der vordere Bereich des Steinbruchs mit Ziegen beweidet. Diese stammen von Eva Weiß und Ludwig Scherm, die sich gemeinsam um die Haltung der Tiere kümmern. Die Wiederkäuer fressen die Blätter junger Gehölze, die auf den nicht mehr genutzten Flächen aufkommen. Darunter sind vor allem Aspen und Birken, die bei den Ziegen besonders beliebt sind. Der Halter der Ziegen, Ludwig Scherm, appelliert an die Bevölkerung, die Ziegen nicht zu füttern und ergänzt: „Trotz weniger Grasflächen, finden die anspruchslosen Ziegen ausreichend Nahrung und brauchen kein zusätzliches Futter. Eine zusätzliche Fütterung würde die Erfolge der Beweidung sogar verringern, da die Tiere in Folge weniger Gehölze verbeißen.“ Die Tiere scheuen auch die Wege hinauf in die steilen Felswände nicht, da sie perfekt an diese Bereiche angepasst sind. So können auch in den schwer zugänglichen Steilhängen die Gehölze zurückgedrängt werden. Ohne eine Entfernung der Gehölze durch regelmäßige Entbuschung, würde innerhalb kurzer Zeit ein junger Wald entstehen und wertvolle Lebensräume sowie der Steinbruch als kulturhistorisches Monument verschwinden.
In den vergangenen Jahren ist es zunehmend schwieriger, Auftragnehmer für die Beweidung am Viechtacher Pfahl-Abschnitt zu finden. Die Anzahl der Ziegen oder Schafe haltenden Betriebe steigt nicht an, die Nachfrage für deren Einsatz in Beweidungsprojekten nimmt hingegen stetig zu. Eva Weiß, die bereits seit über 30 Jahren Ziegen hält, freut sich über den Nutzen den ihre Tiere für die heimische Kulturlandschaft erbringen. „Für die Ziegen ist der Aufenthalt am Pfahl wie ein spannender Urlaub. Uns als Halter ist es ein Anliegen durch den Einsatz einen wesentlichen Beitrag für die Erhaltung von wertvollen Lebensräumen zu leisten“, beschreibt Eva Weiß ihre langjährigen Erfahrungen in der Landschaftspflege. Bereits nach kurzer Standzeit auf der Fläche haben ihre zwölf Ziegen deutliche Erfolge zu verzeichnen. Vor allem die jungen Birken, die den Großteil der aufkommenden Gehölze ausmachen, wurden von den Tieren durch das Fressen der zarten Blätter deutlich geschwächt. Die schnelle Verbuschung der Flächen durch natürlich einsetzende Prozesse kann dadurch verhindert werden.

Der in der Landschaftspflege tätige Sebastian Zach führt seit mehreren Jahren im Auftrag des Naturparks viele Entbuschungen und Mahden am Pfahl durch. In diesem Jahr übernimmt er außerdem vor Ort die Versorgung und Überwachung der eingesetzten Ziegen im Pfahl-Steinbruch. „Die Tiere fühlen sich in den steinigen Felsbereichen am Pfahl, die den ursprünglichen Lebensräumen von Ziegen ähneln, sichtlich wohl und haben Freude in den Felsen zu klettern. Das Wohlergehen der Ziegen ist uns dabei ein großes Anliegen“, beschreibt Zach die Beobachtungen seiner regelmäßigen Kontrollen.
Regelmäßig werden wertvolle Flächen in Naturschutzgebieten am Pfahl in Weissenstein und Viechtach durch Beweidung mit Nutztieren erhalten oder verbessert. In der Vergangenheit wurden auch bereits die angrenzenden Flächen an den erhaltenen Felsbereichen des Großen Pfahls beweidet. Die Beweidung mit Ziegen kommt der ursprünglichen Nutzung der steilen, steinigen Flächen entlang der Felsen am nächsten. Diese boten für eine klassische Verwendung als Mähwiesen oder Ackerland nicht die passenden Voraussetzungen. Aus diesem Grund wurden bereits früher auf den mageren Heiden am Pfahl genügsame Schafe und Ziegen gehalten. Matthias Rohrbacher, Projektbetreuer Landschaftspflege beim Naturpark, blickt positiv auf die Zukunft der Pflege im ehemaligen Steinbruch: „Das Konzept aus Entbuschung und anschließender Beweidung mit Ziegen ist für uns aktuell eine gute Lösung. Dabei werden zunächst größere Gehölze entnommen und in den folgenden Jahren werden mit Ziegen die jungen Gehölze nachbeweidet. Damit bleibt der Steinbruch als offener Lebensraum erhalten und wächst nicht mit Gehölzen zu.“




