Schadholz-Schätzungen haben sich bestätigt – 30 Millionen Euro Soforthilfe ausbezahlt

1,5 Millionen Festmeter sind Sturm zum Opfer gefallen – 70 Prozent der betroffenen Fläche aufgearbeitet – Holzabtransport schneller als erwartet

Passau. Schätzungen, wonach der August-Sturm „Kolle“ im Landkreis Passau für rund 1,5 Millionen Festmeter Schadholz gesorgt hat, haben sich bestätigt. Das teilten Forstamt und die betroffenen Waldbauern-Vereinigungen bei einer Pressekonferenz im Landratsamt Passau mit. Die an die rund 3400 geschädigten Waldbesitzer ausbezahlte Soforthilfe (Räumungskostenzuschuss) beläuft sich auf 30 Millionen Euro.

Landrat Franz Meyer sprach von einer „einzigartigen Gemeinschaftsleistung von Waldbauern, Forstverwaltung, Landkreis und Staatsregierung“, die jetzt gut fünf Monate nach der Sturmkatastrophe eine positive Zwischenbilanz ermögliche. Des betreffe sowohl die Soforthilfe als auch die Beseitigung der Sturmfolgen.
Rund 70 Prozent der betroffenen Gesamt-Schadensfläche von etwa 6600 Hektar sind nach Angaben des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Passau-Rotthalmünster bislang aufgearbeitet. Forstdirektor Johann Gaisbauer sprach in diesem Zusammenhang von schwer zugänglichen Restflächen und Hanglagen, auf denen derzeit noch eine Räumung des Bruchholzes anstehe. Einen generellen Abschluss der Aufräumarbeiten sahen die Vertreter der Waldbauern frühestens im zweiten Quartal 2018. Derzeit behindere u.a. die nasse Witterung die Arbeiten.

Erstaunlich schnell sei der Abtransport der Holzmengen erfolgt, die Notwendigkeit großer Zwischenlager-Flächen wie nach dem Sturm vermutet, habe sich laut Gaisbauer nicht bestätigt. So spielt unter anderem der Bayernhafen in Passau eine große Rolle, von wo aus derzeit große Mengen per Schiff und Bahn verladen werden. Große Mengen Schadholz verschiedenster Qualität konnten demnach in der Region, in Österreich und u.a. in Osteuropa abgesetzt werden. Die Holzpreise gerieten allerdings unter hohen Druck, erst jetzt zeige sich am Markt eine leichte Entspannung.

Eine große Herausforderung sehen Forstexperten in der jetzt anstehenden Wiederaufforstung. Dabei geht es nach Berechnungen des Forstamtes um etwa 4000 Hektar. Kalkuliert man hier mit einem Aufforstungsbedarf von 800 Hektar pro Jahr bis 2022, sei laut Forstdirektor Gaisbauer mit erheblichen Lieferengpässen bei den Setz-Pflanzen zu rechen. Daher komme der Naturverjüngung große Bedeutung zu, was allerdings eine stärkere Kontrolle der Wildbestände erfordere, um die nachwachsende Baumgeneration vor Verbiss zu schützen.

Die Wiederaufforstung sah der Forstdirektor als große Chance für einen Waldumbau hin zu widerstandsfähigeren Mischwäldern, wie von der Staatsregierung vorgesehen. Die Mitarbeiter des Forstamtes stünden den Waldbauern hier beratend zur Seite, allerdings liege die Entscheidung bei den Waldbesitzern.
Für die Soforthilfe nach dem Sturm hatte die Bayerische Staatsregierung ein Gesamtpaket von 100 Millionen Euro geschnürt. Die Landräte der hauptbetroffenen Landkreise Passau (Franz Meyer) und Freyung-Grafenau (Sebastian Gruber) hatten dazu im Vorfeld an der entscheidenden Kabinettssitzung teilgenommen und die Situation geschildert.

Die Antragsfrist für den Räumungskostenzuschuss von bis zu 6000 Euro pro Hektar lief bis 15. November 2017. Im Landkreis Passau hatten 3300 Waldbesitzer entsprechende Anträge eingereicht. Bis 15. Dezember wurden rund 30 Millionen Euro ausgezahlt. Diese außerordentlich schnelle Bearbeitungszeit durch das Forstamt war in erster Linie durch eine Luftbild-gestützte Bewertung der Schadensflächen möglich.

Nach Einschätzung von Landrat Franz Meyer habe sich in diesem dritten Katastrophenfall innerhalb von nur vier Jahren die Vernetzung der verschiedensten Institutionen und Einrichtung erneut bewährt. So hätten in der Sturm-Nacht auf den 18. September“ mit Ausrufung des Katastrophenfalls sofort die entsprechenden Sofortmaßnahmen gegriffen („ein enormer Einsatz unserer Hilfs- und Rettungskräfte“) und gleich im Anschluss hätten sich Forstamt und Waldbauern sofort entsprechend abgestimmt. Dass bereits unmittelbar nach Sturm Forstminister Helmut Brunner vor Ort war und wenige Tage später auch Ministerpräsident Horst Seehofer zeige, wie sehr der Ernst der Lage auch in der Öffentlichkeit vermittelt werden konnte. Die in diesem Zusammenhang vom Ministerpräsidenten zugesagten Hilfsmaßnahmen seien alle so auch umgesetzt worden – „die Politik hat Wort gehalten“, so Meyer.

Diesen Umstand würdigten auch die Vertreter der Walbauern und der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes Hans Koller. Er verwies aber auf den Umstand, dass mit den Räumungszuschüssen die Waldbauern zwar Hilfe für die Kosten der Schadholzbeseitigung erhalten hätten, der Wert der Wälder selbst aber für 80 bis 100 Jahre vernichtet sei. Zwei oder drei Generationen könnten damit keine Rendite mehr aus der Waldbewirtschaftung beziehen, ein wirtschaftlicher Pfeiler vieler Landwirte sei damit zerstört.