Der Passauer Lyriker Friedrich Hirschl lädt mit seinem Buch in ein „Stilles Theater“

(von Tobias Schmidt)

Fünf Jahre sind vergangen. Fünf Jahre seit „Flussliebe“, das letzte Buch des Passauer Lyrikers Friedrich Hirschl, erschien; seinerzeit rasch eine für Lyrik eher ungewöhnliche zweite Auflage erfuhr, und in über fünfzig Zeitungen im gesamten deutschsprachigen Raum besprochen wurde.
Es folgten Lesereisen landauf landab, der Tod von Hirschls Passauer Verleger Karl Stutz, der sechzigste Geburtstag, der Kulturpreis des Landkreises Passau. Überdies erwiderte ausgerechnet der Inn Hirschls Flussliebe nicht, sondern stand beim Hochwasser 2013 buchstäblich vor des Dichters Haustür. Der schmiedete Verse gegen das renitente Gewässer. Nachzulesen sind sie ab dieser Woche in „Stilles Theater“, Hirschls neuem, insgesamt achtem Buch.

In fröhlichem Orange leuchtet es dem Leser entgegen; die darin enthaltenen 110 Gedichte sind zehn Rubriken zugeordnet. Die Natur im Jahreslauf, ihr von der Zivilisation beigebrachte Veränderungen, kleine Beobachtungen am Wegesrand, der immer noch täglichen Inspirations-Spaziergänge Friedrich Hirschls, Zwischenmenschliches sowie vier Gedichte zum Hochwasser vor vier Jahren sind die Themen dieses Buches.

Seine Flutverse überschrieb er mit „Schöne Bescherung“. Das mag gallig klingen, doch das ist Friedrich Hirschls Naturell so gar nicht. Der 61-jährige Philosoph und Theologe pflegt einen Blick auf die Welt, die selbst jede leise Ironie noch in zart behauene Zeilen eingebettet wissen will. Ob man diese Weltsicht „zärtlich“ nennen könne? Ja, das tauge ihm, doch solle darüber nicht die Arbeit im „Steinbruch der Wörter“ vergessen werden. Sich das Staunen bewahren, Sprachbilder für alltägliche Beobachtungen finden, eine kleine Begebenheit darum nur andeutungsweise und in wenigen, wohlgesetzten Worten erzählen, achtsam mit der Dramaturgie der wenigen Zeilen umgehen, kürzen, kürzen, kürzen…
Doch trägt das Ganze am Ende noch? Drängen sich die Metaphern zu sehr auf? Ist das noch dem Alltag abgelauschte, jedoch über den Tag hinaus weisende Poesie? Man ahnt: Worte werken ist Kärrnerarbeit. Dieses Mal haben es Friedrich Hirschl die Metaphern angetan: auf Bäumen beobachtet er „Laubschwalben“, Himmels- und Wetterphänomene bereitet die „Wolkenküche“ zu, Stadtbürger flüchten aus dem am Fluss gelegenen „Nebelnest“, die hinter „Wolkentruppen“ verborgene „Scharfschützin“ Sonne „verschießt Lichtkugeln“, und Kamine blasen „Rauchsoli“. Solche Bilder lassen auch melancholisch-zweifelnde Auflösungen zu, hier fragt Hirschl bisweilen, ob es immer so richtig ist, wie wir mit der Natur umgehen.
Bauten, Gegenstände, Pflanzen wird mit leisem Humor menschliches Verhalten untergeschoben: Ein Poller „strotzt vor Kraft“, weil gleich mehrere Lastkähne daran festgemacht haben, ist darum am Donaukai „der stille Star“. Und immer wieder wird der staunende Mensch in diese Szenerien gestellt, an ganz wenigen Stellen ist es nun auch der Dichter selbst.
Denn wer Zwischenmenschliche Beziehungen beschreibt und unter die schlichte Kapitelüberschrift „Du“ setzt, der muss auch „Ich“ sagen können. Eine neue Subjektivität im Ton – von einem, der sein Schreiben gern anderen, den Lesern zueignet.

Bleibt die Frage nach dem „Stillen Theater“. Wo hat sie Friedrich Hirschl erspäht, diese Szenerie, die für seine Lyrik an sich stehen kann. Dieses schöne Bild von der (Um)Welt als (Natur)Bühne, auf der gerade eine Vorstellung zu Ende ging. Über die er, der „Kritiker Hirschl“ nun eine wohl gesetzte „Ultrakurz-Rezension“ verfasst.

Nicht irgendwo draußen am Stadtrand war es, sondern in der Stadtmitte. Dort, wo die Zivilisation die von ihr angepflanzte Natur nachts mit Scheinwerfern anstrahlt. Wer streicht auf dieser Bühne eigentlich gerade den Applaus ein?, daachte sich der nahe bei stehende Dichter. Und ging lächelnd seiner Wege.

edition lichtung (Buchcover)

„Stilles Theater“ von Friedrich Hirschl erscheint am 15. September 2017 in der Viechtacher edition lichtung; 144 Seiten in Hardcoverbindung sind für 15,90 Euro im Buchhandel erhältlich. Die Buchpremiere findet am Donnerstag, 28. September bei Bücher Pustet Passau, Nibelungenplatz 1 statt.
Veranstaltungsbeginn ist um 19.30 Uhr. Karten zu 10 Euro (ermäßigt 7 Euro) sind unter Telefon 0851 56089 13 sowie passau@pustet.de reservierbar.

(Titelbild: Friedrich Hirschl – Foto: Schmidt)