Passau. Die Bayerische Landesausstellung 2020 „Stadt befreit. Wittelsbacher Gründerstädte“ führt ab 10. Juni zurück in die Zeit des Hochmittelalters, als Bayern zum Städteland wurde. Ausstellungsorte sind das neu renovierte Wittelsbacher Schloss in Friedberg und das FeuerHaus in Aichach im Wittelsbacher Land – dort, wo der Aufstieg der späteren Kurfürsten- und Königsfamilie der Wittelsbacher ihren Anfang nahm.

In der Ausstellung zu sehen sind auch zwei Exponate aus dem Oberhausmuseum:

Beim ersten der beiden Objekte handelt es sich um eine aus Eichenholz und Stahl gefertigte Salzstadeltruhe. Auf der Vorderseite der schwarz gefassten Truhe ist die Jahreszahl 1540 mit dem Passauer Stadtwappen erkennbar. Die Jahreszahl deutet darauf hin, dass die Truhe speziell für die Einrichtung des ersten fürstbischöflichen Salzstadels in Passau gefertigt wurde. Die Funktion lässt sich aus der Regensburger Salzordnung von 1478, die für Passau Vorbild war, erschließen: Sie diente zur Aufbewahrung der Einnahmen und Rechnungsbücher

Salzstadeltruhe, 1540, Holz, Stahl, L 165 B 65,5, H 55, Inv.-Nr. 23, Oberhausmuseum Passau (Foto: Dionys Asenkerschbaumer)

Das zweite Ausstellungsstück ist eine um das Jahr 1550 datierte Truhe, die vermutlich als Stadtkasse in Gebrauch war. Die massive, aus Eisen und Stahl geschmiedete Truhe ist auf der Vorderseite und den beiden Seiten bemalt. Zu erkennen sind ein Mann und eine Frau in Renaissancetracht sowie ein Hirsch und ein laufender Mann. Unter dem zentralen Schlüsselschild prangt eine Tierfratze, die Seitenteile zieren florale Motive. Im Inneren der Truhe verbirgt sich ein mit zwölf Verriegelungen und floralen Ornamenten aufwendig gearbeitete Schließmechanismus. Truhen dieser Art wurden bis in das 19. Jahrhundert zur Lagerung von Urkunden, Einnahmen und Rechnungsbüchern genutzt und hatten durch ihren Schauwert auch repräsentative Funktion. Sie wurden bei Sitzungen des städtischen Rates mit geöffnetem Deckel präsentiert, was den aufwendigen Schlossmechanismus auf der Innenseite erklärt. Die Inventarnummer lässt darauf schließen, dass das eindrucksvolle Objekt bereits zur städtischen Museumssammlung gehörte, die um 1900 im Passauer Rathaus ausgestellt war.

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