(Von Stefan Holzinger & Ch. Niggli-Aigner, Die Neue Woche)

„Keiner, der mit äußerster Geschwindigkeit läuft, hat Kopf oder Herz“, sagte einst der irische Schriftsteller William Butler Yeats. Dass er damit nicht im Unrecht liegt, das zeigen die jüngsten Ereignisse in Freyung-Grafenau.

Einer petitioniert mit sich selbst um die Wette: Abspaltung von Waldkirchen aus Freyung-Grafenau und nun in einem zweiten Akt, eine Petition gegen die medizinische Neuausrichtung im Landkreis. Wir würden sagen, ein einsamer Mohikaner, der die große Bühne sucht oder ein mürrisches Kleinkind, das erhört werden will. Natürlich, es ist eine sehr emotionale Debatte, die um das Krankenhaus Waldkirchen geführt wird. Argumente dafür, Argumente dagegen, aber: Ich selbst habe nicht so schnell ein Krankenhaus vor der Haustüre, wie die Waldkirchner zukünftig in Freyung.

Dazu ein Fachärztezentrum direkt im Ort – eigentlich ein Segen. Deswegen verstehen wir die Diskussion wegen längerer Anfahrten in keinster Weise – schon gar nicht in einem dermaßen mobilen Zeitalter, wo das Gefährt wegen der Eisdiele in 500 Meter Entfernung aus dem Schuppen geholt wird. Hier wäre doch eher eine Petition zu starten. Dass jetzt, nach so langem Hin und Her, endlich sowohl eine sinnvolle als auch medizintechnisch qualitativ hochwertige Lösung für Freyung und auch für Waldkirchen gefunden wurde, zum wiederholten Male jemand versucht, alles durcheinander zu wirbeln, grenzt an absoluten Starrsinn. Gerade Freyung-Grafenau hatte bisher ohnehin den Ruf, dass jedes Dörfchen seinen eigenen Zaubertrank kochen will – und jetzt zeigt ein Mann, dass Miteinander tatsächlich nicht immer großgeschrieben wird und das verpönte Kirchturmdenken noch fest in dem ein oder anderen Kopf sitzt.

Dass jener aber mit diesem neckischen, egoistischen und auch sturen Verhalten letztendlich nicht nur die Menschen aufscheucht, sondern auch eine politische Lawine mit nicht abzusehenden negativen Folgen lostreten will – absolut absurd. Hauptsache publizistisch nach vorne preschen und Parolen brüllen, aber im Gegenzug keine Fakten liefern. Ein Vergleich kommt uns dabei sofort in den Sinn: Montag abends demonstrieren? Wer hat Zeit? Manchmal hilft es nicht nur an seinen eigenen Kirchturm zu denken, nicht nur an ein paar Menschen in einem Gebiet und schon gar nicht auf sein eigenes verletztes Ich zu hören. Manchmal sollte der Blick auf die Allgemeinheit gerichtet werden. Genau so, wie es nun die Politiker vorgegeben haben – sie ziehen mittlerweile an einem Strang, zum Wohle der Allgemeinheit. Das war letztendlich mit ziemlicher Sicherheit auch der Katalysator für die Absage der Petition. Auch Waldkirchens Bürgermeister Heinz Pollak sei Dank. Er bekannte sich, auch wenn er einer der härtesten Kämpfer für den Erhalt ist klar gegen eine Petition zum jetzigen Zeitpunkt.

Eins sei uns dennoch gestattet: Von einer erfolgreichen Petition zu sprechen bei 1.000 von nahezu 100.000 möglichen Unterschriften – Erfolg definiert sich irgendwie anders.

×

(Anzeige)

×