Bürgermeister in Klausur: ILE Nationalparkgemeinden denken nachhaltig weiter und über Landesgrenzen hinaus

Spiegelau/Geiersthal. Wer vorwärtskommen will, muss sich auch mal zurückziehen – weswegen sich die sechs Bürgermeister der ILE Nationalparkgemeinden und ihre Geschäftsleiter für zwei Tage in Klausur begeben haben. Im Hotel Kramerwirt in Geiersthal schnürten sie unter Anleitung des Ismaniger Professors für Volkswirtschaftslehre und Regionalmanagement, Markus Lemberger, ein Großpaket an strategischen Maßnahmen für die Zukunft und stellten dabei die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit den tschechischen Nachbarn an die Spitze ihrer Agenda.

„Um die neuen Chancen im Tourismus künftig noch besser nutzen zu können, wollen wir die Entwicklung einer Gesamtdestination Bayerischer Wald-Böhmerwald vorantreiben“, stellt der ILE-Vorsitzende, Spiegelaus Bürgermeister Karlheinz Roth, in Aussicht – und ging ins Detail: Baldmöglichst werde ein Folder erstellt, der die Hauptattraktionen der Grenzregion dreisprachig bewirbt. Auch touristische Beschilderungen sollen künftig auf Deutsch, Tschechisch und Englisch informieren. „Das sind kleinere Maßnahmen, die sich zeitnah umsetzen lassen“, erzählt Karlheinz Roth. Genauso ein Regionalmagazin, das diesen Herbst aufgelegt wird, und ein Hausaufgabenheft für Schüler. Auf operativer Ebene sei die Destination gut aufgestellt und schnell handlungsfähig, ist Roth überzeugt. An einem großen strategischen Konzept indes, das die gesamte Region Bayerwald-Böhmerwald umspannt, hapere es derzeit noch.

Dies zu erarbeiten und damit neue Perspektiven zu eröffnen, gelingt zunächst im Rückblick: Was der kommunale Verbund aus den sechs Nationalparkgemeinden bisher gestemmt hat, bilde ein solides Fundament für kommende Herausforderungen, ist der ILE-Vorsitzende überzeugt und bringt auf den Punkt, was seine Bürgermeisterkollegen und er bei der Klausur als Leitgedanken formuliert und auf den Weg gebracht haben: „Zukunft in Echtzeit“ lautet das Motto, das Anspruch und Ziel für die kommenden Jahre sein soll. Und Inspiration obendrein.

Mehr Nachhaltigkeit mit den Menschen im Mittelpunkt

„Wir bekennen uns klar zu mehr Nachhaltigkeit, die jedoch weit über den ökologischen Aspekt hinausgeht“, erklärt Roth. Vielmehr sollten auch ökonomische und soziale Belange bestandshaltig gedacht werden. Der Mensch spielt dabei die zentrale Rolle, die es nun neu zu definieren gilt. „Wir Bayerwäldler sind stolz, aber nicht überheblich, dynamisch und trotzdem bodenständig“, charakterisiert der Spiegelauer Bürgermeister den hiesigen Menschenschlag – und fügt mit Nachdruck an, dass nur aus der regionalen Identität als stabiler Grundlage eine gemeinsame Wertebasis erwachsen könne.

Neben dem Wunsch nach Nachhaltigkeit sprachen sich die ILE-Bürgermeister auch für die Entwicklung einer „Digitalisierungsstrategie 2030+“ aus – mit dem Ziel, die bisherigen Erfahrungen aus den digitalen Pilotdörfern Spiegelau und Frauenau auf alle ILE-Gemeinden zu übertragen und im Rahmen eines Integrierten Digitalen Entwicklungskonzepts (IDEK) unter anderem den ÖPNV, den Tourismus und die interkommunale Infrastruktur mit gezielten virtuellen Diensten für die Zukunft zu rüsten. „Indem wir Alltagsprobleme digital unterstützen, lassen sie sich auch leichter lösen“, ist Karlheinz Roth überzeugt.

Engere Kooperation im täglichen Geschäftsbetrieb

Auch was Verwaltungen und Bauhöfe angeht, wollen sich die sechs ILE-Kommunen künftig noch engmaschiger vernetzen. Hier reicht das Portfolio von der Intensivierung des bereits bestehenden gemeinsamen Beschaffungswesens, etwa für die Feuerwehren, über die Fixierung einheitlicher Rathaus-Öffnungszeiten und digitaler Verfügbarkeiten bis hin zu einer gemeinsamen Klärschlammstrategie. Dafür werden Spiegelau, Neuschönau und St. Oswald-Riedlhütte sich am Entwicklungskonzept des Landkreises Regen beteiligen.

Zur Innen- und kulturellen Entwicklung der sechs ILE-Gemeinden verständigten sich die Bürgermeister auf die Einrichtung einer Lenkungsgruppe – mit dem Ziel, Leerstände zu kartieren, Baulücken zu schließen und mittels guter Konzepte Projekte im kulturellen wie gewerblichen Bereich zu kreieren, deren Strahlkraft und Wahrnehmung weit über die Region hinausgeht.

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