IHK-Umfrage zu den Folgen von Fahrverboten aus Sicht der Wirtschaft

Die Zukunft des Verbrennungsmotors, neue Antriebstechnologien, Dieselfahrverbote oder Fahrverbote in Innenstädten sind derzeit in aller Munde. Wie künftige Regelungen und die Zukunft der Mobilität insgesamt aussehen werden, ist noch nicht absehbar – aber sicher ist: Auf die Wirtschaft werden dadurch neue Herausforderungen zukommen. Eine erste Einschätzung aus Sicht der gewerblichen Wirtschaft in der Region zeigen die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage der IHK Niederbayern. „Weitreichende Einschränkungen und Verbote für Verbrennungsmotoren hätten unmittelbare Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit der niederbayerischen Unternehmen“, meint IHK Hauptgeschäftsführer Alexander Schreiner mit Blick auf die Ergebnisse. Mehr als die Hälfte der Befragten gehe hier von negativen Einflüssen aus, ein deutlich geringerer Anteil von zehn Prozent sieht die positiven Folgen solcher Regelungen.

„Restriktionen für Verbrennungsmotoren können sich auf die Betriebe ganz unterschiedlich auswirken“, erläutert Schreiner. Neben Mobilitätseinschränkungen, die den Lieferverkehr, die Kunden oder beispielsweise Außendienst-Mitarbeiter treffen könnten, sind Einflüsse auf das Geschäftsmodell durchaus zu erwarten. Rund 60 Prozent und damit die deutliche Mehrheit der befragten Unternehmen rechnet damit, dass sie ihre Produkte und/oder Prozesse – sofern überhaupt möglich – anpassen müssten. Ein Viertel erwartet sogar sehr starke Anpassungen. „Während ein Teil der Betriebe in der Mobilitätswende eine Chance sieht, neue Marktsegmente zu erschließen, müssten andere starke Veränderungen in der Angebotspalette vornehmen, um ihre Existenz zu sichern“, sagt Schreiner. Kleinere, oft hochspezialisierte Betriebe hätten es im Vergleich zu größeren Unternehmen schwerer, ihre Geschäftsmodelle umzustellen und mit Forschungsaktivitäten neue Produktfelder zu erschließen. Besorgniserregend sind Schreiner zufolge die Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort Niederbayern insgesamt, der stark von der Automobilindustrie geprägt ist: „Jeder zweite Betrieb geht von einer Verschlechterung der Standortbedingungen aus, falls Restriktionen kommen. Knapp die Hälfte aller niederbayerischen Industriearbeitsplätze hängt von der Mobilität ab – und trotz des Anstiegs der E-Mobilität liegt bis dato der Schwerpunkt weiterhin auf dem Verbrennungsmotor.“

(Grafik: IHK Niederbayern)

Eine weitere Herausforderung: Bisher fehlt ein flächendeckender Ausbau einer Ladeinfrastruktur für Elektro-Autos und auch in der Reichweite ist der Verbrenner dem Elektromotor im Alltag weiter überlegen. „Über die Hälfte der Befragten sieht daher einen starken oder sogar sehr starken Änderungsbedarf bei der Infrastruktur, falls Regulierungen auferlegt würden“, erklärt Schreiner. Darin liege der Grund, warum bisher so wenig Elektroautos auf Niederbayerns Straßen unterwegs sind. Lediglich 0,4 Prozent der insgesamt 950.000 zugelassenen Kraftfahrzeuge im IHK-Bezirk Niederbayern werden derzeit mit Hybrid- oder Elektromotor angetrieben. Der Anteil von Benzin- und Dieselmotoren liegt mit 56 beziehungsweise 43 Prozent erheblich höher. „Eine Sondersituation haben wir bei den Nutzfahrzeugen wie Lkw, Bussen oder Zugmaschinen. Diese Fahrzeuge werden nahezu alle mit Diesel angetrieben. Ein Dieselfahrverbot würde daher die Wirtschaft besonders hart treffen, insbesondere das Transport- und Reisegewerbe“, gibt Schreiner zu bedenken. Über alle Branchen hinweg fürchten in der Umfrage 86 Prozent Auswirkungen eines Verbots auf den eigenen Fuhrpark – fast die Hälfte geht von „sehr starken“ Auswirkungen aus.
„Die Mobilität wird sich verändern, darin sind sich alle einig“, schließt Schreiner. „Verbote von Verbrennungsmotoren oder die einseitige Konzentration auf E-Mobilität gehen aber in die falsche Richtung und hätten negative Auswirkungen auf die Wirtschaft, nicht nur im Fahrzeugbau.“ Produkte und Prozesse könnten nicht von heute auf morgen komplett umgestellt werden. „Wichtig ist es trotzdem, den Einsatz von alternativen Antriebstechniken weiter voranzutreiben. Die Entwicklung innovativer und emissionsarmer Technologien sollte unterstützt und gefördert werden – gemeinsam mit der Wirtschaft.“