Familienpaten unterstützen in schweren Phasen – neue Schulung im Herbst

Passau. Wenn alles zu viel wird, der Alltag aus den Fugen gerät und die Belastungsgrenze erreicht ist… Familien stehen gerade in diesem Jahr unter besonderem Druck. Die Corona-Krise hat dazu geführt, dass die Bewältigung der täglichen Anforderungen mit extremen Herausforderungen verbunden ist. Hilfe erfahren Familien von Seiten des Kinderschutzbundes Passau und des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB) in der Diözese Passau.

Gemeinsam engagieren sich die Verbände seit nunmehr zehn Jahren im Rahmen des Projekts „Familienpaten“. Das Prinzip ist einfach erklärt: Ehrenamtliche Frauen und Männer, die etwas Zeit und Hoffnung schenken möchten, unterstützen eine gewisse Zeit lang Familien, die akut Hilfe benötigen. Sie besuchen die Familien zu Hause und engagieren sich den Bedürfnissen der jeweiligen Familie entsprechend. „Finanzielle Probleme, allgemeine Überforderung oder Schwierigkeiten bei der Organisation im Haushalt – es gibt ganz viele Probleme, die in Familien auftreten und bei denen sich die Paten einbringen können. Das ist von Familie zu Familie sehr individuell“, sagt Ulrike Walther, stellvertretende Vorsitzende des Passauer Kinderschutzbundes. Im Fokus stehen dabei die Kinder, für die die Familienpaten ganz besonders da sein möchten. Walther selbst ist bereits seit vielen Jahren als Familienpatin aktiv. „Es macht immer noch Spaß, eine Familie zu übernehmen, zu betreuen und zu begleiten – ihnen aufzuzeigen, wie sie alleine damit fertig werden, wenn sie Probleme haben. Das schönste ist, wenn ich Jahre später ein Kind wiedersehe und es zu mir sagt: ‚Hallo, mir geht’s richtig gut!‘“ Walther betont, dass Familienpaten nicht nur geben, sondern auch sehr viel zurückbekommen. Diese Erfahrung hat auch Lisa Matschiner schon gemacht. Die 27-Jährige wurde im letzten Jahr über den Frauenbund auf das Projekt aufmerksam und hat sich schulen lassen. Nachdem sie wegen der Corona-Krise zunächst auf ihren ersten Einsatz warten musste, ist sie nun seit einigen Wochen unter Einhaltung der derzeit geltenden Vorschriften in ihrer ersten Familie als Patin aktiv. Sie betreut ein Kleinkind, das bisher sehr auf die Mutter fixiert war. „Es geht darum, die Mama etwas zu entlasten. Ich gehe mit dem Kind nun oft auf den Spielplatz und es ist schön zu sehen, wie es von Treffen zu Treffen besser klappt. Das langfristige Ziel ist, dass ich das Kind später einmal in der Woche vom Kindergarten abholen kann“, so Matschiner. Familienpatin zu sein, ist für sie genau das richtige Ehrenamt. „Ich bin gerne mit Menschen zusammen. Was ich schön finde: Man baut eine persönliche Bindung auf, es ist also keine anonyme Hilfe. Es macht mich wirklich sehr glücklich und es ist sehr erfüllend für mich.“

Sie hoffen auf Nachwuchs für die Familienpaten (v.l.): Die KDFB-Diözesanvorsitzende Bärbel Benkenstein-Matschiner, Familienpatin Lisa Matschiner, Ulrike Walther, stellvertretende Vorsitzende des Passauer Kinderschutzbundes, sowie die Familienpaten-Koordinatorinnen Marina Walther und Xenia Obermaier (Foto: KDFB)

Zentraler Gedanke beim Projekt „Familienpaten“ ist der Wunsch, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Durch den Einsatz einer Familienpatin oder eines Familienpaten soll die Familie dabei unterstützt werden, langfristig gesehen selbst mit Problemen umgehen zu können. Aus diesem Grund ist die Dauer des Einsatzes beschränkt. In der Regel ist von einem Jahr auszugehen. „Meist kann man nach dieser Zeit eine sehr positive Entwicklung feststellen. Wir leiten dann eine Übergangsphase ein, um herauszufinden, ob es die Familie wieder mit eigenen Kräften schafft“, erklärt Marina Walther, die gemeinsam mit ihren Kolleginnen Xenia Obermaier und Petra Hutschenreuter das Projekt Familienpaten koordiniert. Sie weist zudem darauf hin, dass die Familienpaten in der Regel präventiv zum Einsatz kommen und grundsätzlich ein sehr niedrigschwelliger Ansatz verfolgt wird. Gerade in den letzten Monaten habe sich gezeigt, wie wichtig das Ehrenamt der Familienpaten ist. Der Kinderschutzbund musste leider feststellen, dass im Zuge der Corona-Krise Familien, die sowieso schon an der Belastungsgrenze angekommen waren, dringend auf Unterstützung angewiesen gewesen wären. Das Problem: Auch die Familienpaten mussten aus Sicherheitsgründen ihre Besuche stoppen. „Von heute auf morgen mussten die Einsätze ausgesetzt werden. Das war für alle Beteiligten sehr schwierig. Doch niemand sollte alleine gelassen werden. Wir haben den Paten den Tipp mitgegeben, telefonisch mit ihrer Familie in Kontakt zu bleiben“, berichtet sie. Auch beim KDFB-Diözesanverband Passau wurde mit Sorge verfolgt, dass viele Familien in Zeiten des Lockdowns kaum auf Unterstützungsangebote zurückgreifen konnten. Es habe sich wieder einmal gezeigt, „dass Familien ein Netzwerk brauchen. Aus verschiedenen Gründen können viele Familien heute nicht mehr auf ein solches Netzwerk zurückgreifen – etwa, weil die Großeltern nicht in der Nähe wohnen oder selbst noch berufstätig sind. Deshalb sind die Familienpaten ein echter Gewinn“, stellt die KDFB-Diözesanvorsitzende Bärbel Benkenstein-Matschiner fest. Doch was muss man eigentlich mitbringen, um Patin oder Pate zu werden? Ulrike Walther ist davon überzeugt, dass im Prinzip jeder Familienpate werden kann, der Freude daran hat, anderen Menschen zu helfen. „Es ist eine schöne Aufgabe, die man für die Gesellschaft übernehmen kann. Natürlich sollte man gerne mit Kindern zusammen sein und Verständnis für die Probleme anderer Menschen haben. Ansonsten reicht ein positives Lebensgefühl – mehr braucht man nicht“, so Walther. Natürlich werden die Familienpaten aber von Seiten des Kinderschutzbundes optimal auf ihre Einsätze vorbereitet. Zentrales Element ist dabei eine Schulung, bei der die wichtigsten Grundkenntnisse vermittelt werden. Sie umfasst drei Wochenendblöcke und geht auf verschiedenste Themen ein. „Unter anderem geht es um Nähe und Distanz. Unsere Familienpaten müssen befähigt sein, sich auch abgrenzen zu können“, erklärt Xenia Obermaier. Da Verstärkung immer benötigt wird – insbesondere würde sich der Kinderschutzbund auch mehr Männer als Familienpaten wünschen – beginnt im Herbst in Passau eine neue Schulung. Sie findet am 25. und 26. September, am 23. und 24. Oktober sowie am 20. und 21. November 2020 statt. „Wir sind über jede Person froh, die dafür Interesse zeigt und darüber nachdenkt, ob das Ehrenamt der Familienpaten etwas für sie sein könnte. Ein besonderer Mangel an Familienpaten besteht derzeit allerdings im nördlichen Landkreis Passau. Hier wären wir ganz besonders froh, wenn wir Familienpaten-Nachwuchs gewinnen können“, so Obermaier.

Weitere Informationen gibt es direkt beim Kinderschutzbund Passau unter Telefon 0851/2559. Hier kann man sich auch zur Schulung anmelden.

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