Bavarian Brass’n’Blues mit Heischneida. Live im Zauberberg

(von Tobias Schmidt)

An den Gestaden der oberbayerischen Seen köchelt in so manchem musikalischem Hexenkessel eine Melange aus altbairischer Volksmusik, Balkanbrass, Ska und Rock vor sich hin und harrt ihrer Entdeckung.

Heischneida, ein Sextett aus Bergen am Chiemsee, war für unsere Redaktion die Entdeckung beim diesjährigen Passauer Impuls Festival im Januar (wir berichteten). Seit 2015 überzeugen Wenzel Karger (Gesang), Chris Maier (E-Gitarre, Akustikgitarre, Akkordeon, Gesang), Valentin Thannbichler (Bass, Gesang), Simon Pfab (Trompete, Flügelhorn) und Tobias Geschka (Schlagzeug) ihr Publikum landauf landab mit formidablen Liveshows und einer mitreißenden Musikmelange. Die Basis dieses Wolpertingersounds ist Rock, dem eine ordentliche Portion Blues vom staubigen Highway – in diesem Fall der Autobahn A8 – beigemengt wird. Zwischendrin werden aber auch ein schon einmal HipHop und Blasmusik gekonnt persifliert. Und als „geheime Zutat“ ist das sonst eher im Jazz beheimatete Flügelhorn mit von der Partie. Mal solistisch, mal als Dopplung der Gitarre. Also nichts da mit strahlend-piecksenden Höhen wie bei Trompete oder Saxophon, sondern einfach nur geballtes Blechblas-Rockbrett an Dialekt-Texten zum Mitjubeln, In-der-Hocke-Mitsingen-und-Mitspringen. Und die Texte der dreizehn Songs Ihres, 2017 erschienenen Debütalbums „Heischneida“? Diese Band macht gern Ansagen: „Heng ned ummanand/nimm die Lem in’d Hand/renn ’moi gega d’Wand/host as säim scho gpannd: Wenns oan erst moi gfreid/bringt ma’s ganz sche weid/dua’s bevor’s di reid – denn: dahoam schdram d’Leid“ gegen Lethargie und, nun ja nennen wir’s eine ländliche Version des uralten Popthemas teenage angst. Die beschreiben Heischneid ebenfalls gekonnt, etwa in „Busheisljugend“. Ach, stellten die doch einmal etwas mit sich an, was sie das manchmal schmerzhafte Leben spüren ließe, aber eben auch eine Lebenslektion wäre! Denn Leben findet nun einmal nicht im Konjunktiv statt, was sich bei Heischneida so anhört: „Da Wenn-i-häd-i liegt am Friedhof/der Kunnd-i liegt danem“.

„Heischneida“ (Foto: Schmidt)

Solche ironisch eingefärbte Lebensfreude gibt’s mehrfach auf der dieser Scheibe. Und die sechs können das in „Gläbladl“ oder „Dangschen Song“ auch mit mehr Lebensfreude, ohne ins Idyll abzugleiten. Lieder übers Anbandln („InDiana“, „Endlich“) stehen neben solchen über Liebesleid, nervige Zeitgenossen („Schmarrnschatza“) und den guten alten ‚gscheidn Rausch‘, der zur (übrigens nicht nur jugendlichen) Selbstverortung im Leben halt auch dazu gehört.

Kurzum, der Bavarian Brass’n’Blues von Heischneida macht durchaus auch von CD Freude. Live antesten ist demnächst möglich und sei hiermit empfohlen:

Am Freitag, 26. April um 20 Uhr spielt die Band im Liveclub Zauberberg, Franz-Stockbauer-Weg 1. Der Eintritt kostet 8,- Euro, im Onlinevorverkauf 6,- Euro. Mehr unter www.zauberberg-passau.com sowie Klangeindrücke unter www.heischneida.de