IHK-Vizepräsident Peter Glas (Foto: Detail Schaller)

Regionale Wirtschaft äußert Kritik und hat Ideen für die Politik

IHK-Gremium Rottal-Inn tauscht sich mit MdL Martin Wagle aus

Wie ergeht es der Wirtschaft in Rottal-Inn in der Corona-Krise – und welche Botschaften möchte sie dazu Richtung bayerischer Staatsregierung senden? Diese beiden Fragen standen im Mittelpunkt einer Sitzung des IHK-Gremiums Rottal-Inn. Die gewählten Unternehmensvertreter um ihren Vorsitzenden, IHK-Vizepräsident Peter Glas, haben sich dazu mit dem Landtagsabgeordneten Martin Wagle ausgetauscht. Er musste sich zunächst einige Kritik der Wirtschaft am Krisenmanagement der Regierung anhören. Die Unternehmer vermissen demnach eine klare Linie in der Corona-Politik. Sie beklagen die Ungleichbehandlung im Handel, wenn Baumärkten oder Lebensmittel-Discounter mit weitem Sortiment öffnen dürfen, der Fachhandel aber gleichzeitig geschlossen bleiben muss. Und sie kritisieren das Festhalten am Inzidenzwert als einzigen und alleinigen Faktor für mögliche Öffnungsschritte. Wagle zeigte viel Verständnis für die Sorgen und Nöte der Betriebe, verteidigte aber auch die Linie der Regierung: „Die Inzidenzzahl zeigt an, was uns in zwei Wochen in den Krankenhäusern erwartet“ – deswegen müsse man an diesem Kriterium festhalten. Die Gremiumsmitglieder wiederum brachten weitere Aspekte und alternative Lösungen ins Spiel: Auch Faktoren wie die Belegung der Krankenhäuser, eingrenzbare Hotspots oder, im weiteren Verlauf, die Entwicklung der Impfquote müssten in die Betrachtung aufgenommen werden. Mit digitalen Tools sowie einer wirksamen Teststrategie könnten zudem weitere Öffnungsschritte ermöglicht werden. Sonst drohe gerade die Grenzregion im Dauer-Lockdown zu verharren. Der Forderung aus dem Gremium nach mehr Impfstoffen für die Grenzlandkreise schloss sich wiederum Wagle an. Der Gremiumsvorsitzende Glas fasste die Diskussion im Gremium und die Forderungen an den Abgeordneten zusammen: „Es wird weiterhin ein schwieriger Weg werden. Denken Sie bitte an die Betriebe, die unverschuldet in eine Lage gekommen sind, die für viele schwierig und für einige existenzbedrohend geworden ist. Sie müssen daran arbeiten, diesen Unternehmen wieder eine Perspektive zu geben. Es ist die Verantwortung der Politik, sich diesem Thema zu widmen – und zwar stärker als in der Vergangenheit.“

Landtagsabgeordnete Martin Wagle (Foto: Abgeordnetenbüro)

Insgesamt zeigte die Diskussion im Gremium dennoch, wie differenziert die Lage der Wirtschaft in der Krise weiterhin ist. Während Branchen wie etwa die Bauindustrie weiterhin sehr gut laufen – abreißende Lieferketten und eine stockende Rohstoffversorgung von Dämmstoffen bis Stahl bereiten hier größere Probleme als Corona selbst – liegen etwa die für Rottal-Inn so wichtige Gastronomie und Hotellerie komplett am Boden. Gerade die Betriebe aus dem Bäderdreieck schilderten ihre Aussichts- und Perspektivlosigkeit. Zudem brauche man eine gewisse Vorlaufzeit und könne, wenn es soweit ist, nicht von heute auf morgen öffnen: Nach sieben Monaten im Lockdown fahre man einen Betrieb nicht einfach hoch, war zu hören, und es fehlten auch Mitarbeiter, die aufgrund eben dieser Perspektivlosigkeit der Branche den Rücken gekehrt hätten. Beim Blick auf die Kurorte sicherte Wagle seine Unterstützung zu: „Das sind keine Spaßbäder, die wir hier betreiben. Das betrifft den Gesundheitssektor“, betonte Wagle und wies auf das komplexe Miteinander von Bädern, Hotels, Gastronomie und Handel hin.

Neben dem großen Thema Corona brachte das Gremium weitere, ebenso wichtige Punkte in die Diskussion mit dem Landtagsabgeordneten, die alle in einem kommunalpolitischen Forderungspapier der IHK niedergelegt sind. Die Unternehmer sehen demnach etwa Nachholbedarf bei der Infrastruktur, unter anderem bei schnellen Internetverbindungen über Mobilfunk oder im Straßennetz. Der Fachkräftemangel bleibt ein gewichtiges Problem. Und auch die immer weiter steigende Bürokratiebelastung beklagten die Gremiumsmitglieder – ein Punkt, den Wagle aufnahm und dem er zustimmte: „Es muss alles schneller werden“, sagte der Abgeordnete.