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Mittwoch, Juni 19, 2024

Neue Hochspannungsleitung für mehr grünen Strom im Landkreis Rottal-Inn geht ans Netz

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Tann/Reut/Regensburg. Die Bayernwerk Netz GmbH (Bayernwerk) hat am Donnerstag, 10. August, eine neue Hochspannungsleitung symbolisch in Betrieb genommen. Sie bindet das Umspannwerk bei Tann an das Hochspannungsnetz an und ermöglicht, dass mehr dezentral erzeugte erneuerbare Energie in das Stromnetz einspeisen kann. Für die Energiewende im Landkreis Rottal-Inn ist die Verbindung ein zentraler Baustein. Die Kosten für das sechs Kilometer lange Erdkabel liegen bei rund elf Millionen Euro.

Das Projektteam des Bayernwerks gab am Donnerstag gemeinsam mit Josef Ebenhofer, zweiter Bürgermeister des Marktes Tann, Alois Alfranseder, Bürgermeister der Gemeinde Reut und der stellvertretenden Landrätin Edeltraut Plattner den Startschuss: Zwischen dem Umspannwerk Tann und der Hochspannungsleitung bei Simbach und Pfarrkirchen, die an Edermanning bei Reut vorbei verläuft, fließt der Strom. „Dank des neuen Erdkabels kann Energie, die in den Gemeinden Tann, Reut, Zeilarn und Wurmannsquick erzeugt wird, in der ganzen Region verteilt werden. Wenn Erzeugungsanlagen in diesen Gemeinden mehr Strom produzieren als die Menschen verbrauchen, wird diese Energie jetzt auch in der umliegenden Region nutzbar“, erklärte Günther Mertel, Leiter des Bereichs Hochspannung beim Bayernwerk. So kommt Strom, der in den Gemeinden um das Umspannwerk Tann gewonnen und dort eingespeist wird, auch den Menschen und Unternehmen im Umland zugute.

Ein Kabel für die regionale Energiewende

„Für die Energiewende im Landkreis Rottal-Inn ist die neue Hochspannungsleitung ein entscheidender Schritt nach vorne. Wir ermöglichen damit, dass hier in der Region noch mehr Erzeugungsanlagen ans Verteilnetz angeschlossen werden können“, sagte Günther Mertel. In den Gemeinden Tann, Reut, Wurmannsquick und Zeilarn speisen heute bereits Erzeugungsanlagen mit einer Leistung von mehr als 50 Megawatt in das Netz ein – Tendenz stark steigend. Auch Josef Ebenhofer begrüßt, dass die neue Leitung mehr Kapazität für den Anschluss von Erzeugungsanlagen in der Gemeinde Tann bringen wird und berichtete rückblickend: „Bereits seit Beginn der Energiewende sind in unserer Region die bestehenden Anschlussmöglichkeiten an das regionale Verteilernetz knapp. Deshalb wurden neue Anlagen für regenerative Stromerzeugung immer wieder ausgebremst“. Das neue Erdkabel macht nun den Weg für den Anschluss neuer Erzeugungsanlagen an das Verteilnetz frei. Für die Gemeinden Tann, Reut, Wurmannsquick und Zeilarn hat das Bayernwerk momentan den Anschluss von neuen Anlagen mit einer Leistung von rund 22 Megawatt bereits verbindlich zugesagt. Damit wird sich die angeschlossene Leistung aus erneuerbaren Energien in der Region in kurzer Zeit um fast 50 Prozent erhöhen.

Rückgrat für den Anschluss-Boom in Niederbayern

„Was wir momentan beobachten, nehmen wir als doppelten Anschlussboom wahr – ganz besonders hier in Niederbayern: Zum einen schließen wir immer mehr Erzeugungsanlagen an unser Stromnetz an – in Niederbayern in erster Linie Photovoltaik-Anlagen. Zum anderen erleben wir auch einen Boom bei der Strom-Nachfrage“, schilderte Günther Mertel. Im Zuge der Energiewende wollen viele Haushalte und Firmen möglichst schnell auf Erneuerbare Energie umstellen, berichtete der Hochspannungs-Experte. Wenn Haushalte und Unternehmen weg von fossilen Brennstoffen wollen, brauchen sie stattdessen mehr Strom – sei es für das Heizen mit Wärmepumpen oder für Elektromobilität. Auch die Umstellung großer Unternehmen auf klimaneutrales Wirtschaften stellt für das Bayernwerk eine Herausforderung dar. „Wenn große Standorte wie das Chemiedreieck oder Unternehmen der Automobilbranche klimaneutral werden möchten, brauchen sie dafür riesige Mengen an Strom. Unsere Aufgabe ist es, das Verteilnetz für diese Anforderungen fit zu machen“, erklärte Günther Mertel. Damit die Energie, die in Niederbayern gebraucht wird, auch vor Ort erzeugt und genutzt werden kann, ist ein starkes Verteilnetz als Rückgrat erforderlich, das sowohl für die steigenden Einspeise-Mengen als auch den wachsenden Strombedarf ausgelegt ist. Das neue Erdkabel durch die Gemeinden Tann und Reut leistet dazu einen entscheidenden Beitrag.

Rohre mit innovativem Bau-Verfahren verlegt

Bau-Projektleiter Claus Pfaffenberger vom Bayernwerk zog eine positive Bilanz: „Die sechs Kilometer lange Wanderbaustelle war eine außerordentliche Teamleistung. Alle beteiligten Kollegen vom Bayernwerk und unserer Partnerfirmen haben in den vergangenen Monaten vollen Einsatz gezeigt. Wir freuen uns, dass die Bauarbeiten nach Plan und unfallfrei verlaufen sind und dass das Erdkabel nach einer Bauzeit von rund einem Jahr nun seinen Betrieb aufnimmt.“ Auch Alois Alfranseder zeigte seine Anerkennung über Gemeinschaftsleistung auf der bis dato flächenmäßig größten Baustelle in der Gemeinde Reut: „Großen Dank an alle Verantwortlichen des Bayernwerks und der bauausführenden Firmen für die sorgfältige Planung und Ausführung sowie den Grundeigentümern für das gute Miteinander – das war sehr lobenswert im Sinne aller Beteiligten“. Eine Besonderheit auf der Baustelle war das neuartige Verfahren für die Verlegung von Rohren. Ein Spezialgerät, der Rohr-Pflug, brachte die Rohre auf weiten Teilen der Strecke in den Boden ein. Diese Maschine war zum ersten Mal beim Bau einer Hochspannungsleitung beim Bayernwerk im Einsatz. „Wir haben mit dem Pflug-Verfahren sehr gute Erfahrungen gemacht und sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis, sodass wir diese innovative Bauweise auch auf weiteren Kabel-Baustellen einsetzen werden“, resümierte Claus Pfaffenberger.

Zahlen, Daten und Fakten zum neuen Erdkabel

  • Kosten für das Gesamtprojekt: rund elf Millionen Euro
  • Länge der neuen Hochspannungsleitung: rund sechs Kilometer
  • Länge der verlegten Rohre und Kabel: Es liegen auf der Trasse sechs Stromkabel nebeneinander im Boden, sodass auf einen Trassenkilometer die sechsfache Länge an verlegten Kabeln und Rohren kommt – rund 36 Kilometer.
  • Gewicht der verlegten Kabel: rund 320 Tonnen– ungefähr so viel wie 65 ausgewachsene Elefanten
  • Kabeltrommeln: Die Erdkabel wurden in einzelnen Stücken auf 54 Kabeltrommeln zur Baustelle geliefert und in die verlegten Rohre eingezogen.
  • Ökologie: Zum Schutz von Vögeln, Reptilien und Amphibien ließ das Bayernwerk während der Bauarbeiten Begrenzungszäune mit einer Gesamtlänge von über zwei Kilometern aufstellen.
  • Beteiligte Firmen und Gewerke: Während der Planungs- und Bauphase wirkten neben dem Bayernwerk mehr als 15 beauftragte Firmen mit – etwa für den Tiefbau, die Fertigung und Lieferung der Kabel, für die Verlegung mit dem Pflug, für, Planung, Ökologie oder Bodenkunde.
  • Dauer der Bauarbeiten: Der Bau dauerte ungefähr ein Jahr – von August 2022 bis August 2023.
  • Genehmigungsantrag: Der Planfeststellungs-Antrag für das Bauprojekt, der mit den Planunterlagen durch die Regierung von Niederbayern 2021 genehmigt wurde, umfasste 880 Seiten.
  • Ausbau des Mittel- und Niederspannungsnetzes: Damit mehr Erneuerbare in das Verteilnetz einspeisen können, hat das Bayernwerk in den Jahren seit 2014 bis heute in den angrenzenden Gemeinden 17 Kilometer an Mittelspannungsleitungen gebaut und dafür rund vier Millionen Euro aufgewendet.
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