Grenzkontrollen zu Tschechien belasten Wirtschaftsstandort erheblich

Ergebnisse einer IHK-Umfrage zum Grenzverkehr mit „Mutationsgebieten“

Mit der Einstufung unter anderem Tschechiens als „Virusmutationsgebiet“ gelten seit vergangener Woche deutlich verschärfte Regeln für die Einreise nach Deutschland – insbesondere dürfen aus solchen Gebieten nur noch Grenzpendler einreisen, die in „systemrelevanten“ Betrieben tätig sind. Gerade die Unternehmen in Niederbayern sowie insbesondere diejenigen in den Grenzlandkreisen Regen und Freyung-Grafenau stellen die strengen Regeln vor große Probleme – das belegen die Ergebnisse einer Blitzumfrage, die die IHK Niederbayern in den vergangenen Tagen durchgeführt hat.

„63 Prozent der befragten Unternehmen zeigen sich von den negativen Auswirkungen der strikten Regeln zum Grenzübertritt erheblich betroffen, in den Grenzlandkreisen sind es sogar 71 Prozent. Rund die Hälfte der befragten Betriebe berichtet von Mitarbeiterausfällen, weil die so wichtigen Grenzpendler aus Tschechien nicht mehr über die Grenze kommen können. In jedem fünften Betrieb haben Grenzpendler bereits gekündigt. Und ebenfalls 20 Prozent der Unternehmen mussten aufgrund der verschärften Einreisebedingungen ihren Betrieb beziehungsweise ihre Produktion vorübergehend stilllegen. All diese Zahlen übersteigen die bayerischen Durchschnittswerte aus der Umfrage deutlich, zum Teil um das Doppelte. Das zeigt: Wir brauchen in dieser Situation intelligentere Lösungen“, sagt Alexander Schreiner, Hauptgeschäftsführer der IHK Niederbayern, zu den Umfrageergebnissen. Die Betroffenheit zieht sich dabei durch viele Branchen: 71 Prozent der niederbayerischen Betriebe aus Verkehr und Logistik melden negative Auswirkungen, 82 Prozent im Baugewerbe und sogar 86 Prozent in der Industrie. „Die Industrie trifft es gleich mehrfach. Nicht nur haben die Betriebe Probleme beim Fachpersonal, weil die Grenzpendler unter den Mitarbeitern verspätet oder gar nicht ins Unternehmen kommen, sondern sie müssen auch erhöhte Kosten sowie verzögerte oder ausbleibende Lieferungen verkraften. Das ist eine Gefahr für die Liefer- und Produktionsketten, das zeigt die Umfrage sehr deutlich“, fasst Schreiner zusammen. Aber auch andere Branchen hätten mit diesen Problemen zu kämpfen.

Um die angespannte Situation zu verbessern, fordern die Unternehmen etwa schnellere Tests, vor allem sprechen sich aber 42 Prozent für eine Rückkehr zu den Regelungen aus, die bis zum 13. Februar gegolten hatten. „Diese Regeln waren für die Unternehmen schon aufwändig und sahen unter anderem eine Testpflicht für Grenzpendler vor. Die für die Einreise notwendigen negativen Testergebnisse durften bereits damals nicht älter als 48 Stunden sein. Damit konnten die Unternehmen Betrieb und Produktion zumindest aufrechterhalten. Die aktuellen Regelungen machen es der regionalen Wirtschaft hingegen noch schwerer, die Corona-Krise durchzustehen – und das mit Blick auf die Grenzpendler als eine Gruppe, die bereits jetzt zu den am meisten getesteten Mitarbeitern in niederbayerischen Betrieben gehört“, verdeutlicht Schreiner.

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