Austausch zwischen IHK Niederbayern und Vertretern der Grünen

Bei einem Treffen noch vor Corona in Berlin wurde es vereinbart, jetzt konnte der Termin realisiert werden: In Passau trafen Politiker der niederbayerischen Grünen rund um den Landesvorsitzenden Eike Hallitzky und den Bundestagsabgeordneten Erhard Grundl auf Vertreter der IHK Niederbayern mit deren Hauptgeschäftsführer Alexander Schreiner. Die Corona-Krise war ein wichtiges Thema des Austauschs: Die Pandemie habe für einen Einbruch vergleichbar zur Finanzkrise 2009 gesorgt, berichtete Schreiner mit Blick auf die Ergebnisse der IHK-Konjunkturumfrage. Die schwierige Situation halte in vielen Betrieben weiter an. In der Summe rechneten die niederbayerischen Unternehmen daher mit Umsatzverlusten von 20 bis 30 Prozent im laufenden Jahr.

Besonders thematisiert wurde die in Niederbayern so bedeutende Automobilindustrie. Hallitzky sieht Corona hier auch als Chance, die Branche fit zu machen für die Zukunft. Die Krise beschleunige einen Strukturwandel, der ohnehin hätte stattfinden müssen. Bei Schreiner erntete er damit volle Zustimmung, er verwies auf eine IHK-Studie, die die Herausforderungen mit den Megatrends neue Antriebsformen, Digitalisierung, Vernetzung und autonomen Fahren klar benennt. Grundl ging auf den aktuellen Hype um die Wasserstofftechnologie ein, die hier noch eine größere Rolle spielen könnte. Schreiner begrüßte daher die Maßnahmen zur Förderung von Innovation, Forschung und Entwicklung im Konjunkturpaket der Bundesregierung. Sie könnten den Wandel in der Automobilindustrie zu schnelleren Ergebnissen führen und auch andere Branchen dahingehend unterstützen. Die Grünen-Politiker forderten in diesem Zusammenhang eine Zuwendung zu Nachhaltigkeit und Klimaschutz ein – das sei für die niederbayerischen Betriebe selbstverständlich, so Schreiner, aber: „Gefordert sind Regelungen, die mit der Wirtschaft und nicht gegen sie aufgestellt werden.“ Ein Miteinander sei besser, als Zielvorgaben, die von den Betrieben nicht zu schaffen sind.

Daneben lenkte Grundl die Diskussion auf die Kultur- und Kreativwirtschaft, die unter der Krise besonders zu leiden habe: „Das waren die ersten, die zumachen mussten, und es sind die letzten, die wieder aufmachen dürfen.“ Schreiner ergänzte die Auflistung um Betriebe aus Bereichen wie Sport und Fitness, Messen, Freizeit und Events. In der politischen Arbeit setze sich die IHK insbesondere auch für diese besonders betroffenen Betriebe ein. Sichtbares Ergebnis sei die neue Überbrückungshilfe, die sich unter anderem auf diese Branchen konzentriere.

Bezogen auf die Fachkräfteproblematik schaltete sich Grünen-Kreisrätin Jutta Koller ein. Bei der Suche nach bisher ungehobenen Potenzialen kam man im Gespräch schnell auf die vergleichsweise niedrige Beschäftigungsquote von Frauen. „Mehr Frauen in Arbeit zu bringen, würde das Fachkräftethema lindern“, betonte Schreiner. Deswegen zeigten sich Grüne wie IHK einig in der Forderung, die Kinderbetreuungssituation in den niederbayerischen Kommunen zu verbessern. Mit Blick auf die Berufsausbildung berichtete Schreiner von einer ungebrochen hohen Ausbildungsbereitschaft der Betriebe, gleichzeitig fehlten aber weiterhin Bewerber für viele offene Ausbildungsstellen. Grundl machte hier ein Informationsdefizit bei den jungen Leuten aus: „Die Orientierung fehlt.“ Die hervorragenden Karrierechancen einer Berufsausbildung besser darzustellen, sei ebenso ein Anliegen der IHK, bestätigte Schreiner – und hielt im Ergebnis fest: Das Gesprächsangebot zwischen IHK und Grünen sei auf Dauer angelegt.

×

(Anzeige)

×