IHK-Gremium Rottal-Inn beschäftigt sich mit Auswirkungen der Corona-Pandemie

Eine Zwischenbilanz der Corona-Krise haben die Unternehmer im IHK-Gremium Rottal-Inn gezogen. Mit umfassendem Hygienekonzept und ausreichend Abstand trafen sich die Unternehmer um den Gremiumsvorsitzenden und IHK-Vizepräsidenten Peter Glas vergangene Woche zu einer Sitzung in der Stadthalle Pfarrkirchen. Im Gremium kommen Unternehmen unterschiedlicher Branchen und Größenklassen aus dem Landkreis zusammen – entsprechend breit war die Summe ihrer Erfahrungen. „Viele der regionalen Betriebe haben die vergangenen Monate einigermaßen überstanden, einigen wenigen hatte die Pandemie sogar kaum Probleme gemacht. Es gibt aber genauso Unternehmen und Branchen, die es weiterhin sehr schwer haben. Beispielsweise im Gastronomie-, Event- und Freizeitbereich ist die Lage katastrophal“, fasste Glas die Berichte aus dem Gremium zusammen. Das deckte sich mit den Umfragen und Bewertungen der IHK, die Hauptgeschäftsführer Alexander Schreiner in der Sitzung präsentierte. „In vielen Betrieben stehen die Zeichen auf Erholung“, sagte Schreiner – aber die Lage sei äußerst differenziert. Er nannte die Industrie als Beispiel: Während die Bauindustrie noch gut laufe, habe der Maschinen- und Anlagenbau sowie insbesondere der Automobilbereich deutliche Einbrüche zu verzeichnen. Ähnlich sei es etwa im Tourismus oder auch im Handel. Während einzelne Teilbranchen oder Betriebe zuversichtlich in die Zukunft sehen könnten, läge das Geschäft in anderen Bereichen komplett am Boden. „Letztlich muss man sich jeden Betrieb einzeln anschauen“, betonte Schreiner.

Für die weitere Entwicklung in der Corona-Pandemie wünschten sich die Gremiumsmitglieder klare und faire Regeln, eine schnellere und bessere Kommunikation von den Behörden an die Betriebe sowie flexible Konzepte mit mehr Eigenverantwortung für die Unternehmer, beispielsweise wenn es um die regionale Eindämmung von Corona-Hotspots geht. Man müsse lernen, mit dem Virus zu leben, meinte Glas und forderte mehr Mut beim Weg aus der Krise. Die Diskussion entspann sich am Beispiel der verkaufsoffenen Sonntage. Solche Aktionen könnten die Händler vor Ort unterstützen, doch bei der Genehmigung sind die Kommunen weiterhin zögerlich, selbst wenn die Unternehmer gute Ideen zur Umsetzung sowie umfangreiche Hygienekonzepte vorlegen.

Dass Corona aber ebenso als Beschleuniger dienen kann, zeigte sich in der Sitzung beim Bericht von Julian Mayer, selbst Gremiumsmitglied und Geschäftsführer der FotoFinder Systems GmbH in Bad Birnbach. Corona hatte speziell für sein Unternehmen heftige Einschnitte gebracht: Der Austausch im wichtigen weltweiten Netzwerk war gekappt, Messeauftritte wurden abgesagt, die Veranstaltungen der eigenen „Academy“ eingestellt – ein Schock für FotoFinder. Doch das Unternehmen reagierte schnell: „Wir haben das als eine Vertriebs- und Marketingschallenge aufgefasst“, berichtete Mayer. Innerhalb kürzester Zeit richtete FotoFinder ein eigenes Studio für virtuelle Auftritte und Präsentationen oder digitale Events ein, transferierte die „Academy“ komplett in den Online-Bereich und schuf neue, digitalisierte Vertriebswege. Das alles bedeutete großen Aufwand und nicht unerhebliche Kosten, doch, so Mayer: „Die Ergebnisse sind sehr überzeugend. Wir werden das auf jeden Fall weiterverfolgen, auch wenn Corona vorbei ist.“ Eine der größten Herausforderungen für Mayer dabei: Nähe schaffen, trotz der Distanz und aller Technik. Das war auch eines der Themen von Markus Kammermeier, der sich per Video zur Gremiumssitzung zuschaltete. Kammermeier unterstützt mit seinem Beratungsunternehmen Change42 andere Betriebe beim Weg in die Digitalisierung. Er ging auf die vorherige Diskussion ein und sprach ebenfalls den wichtigen Punkt der Kommunikation in der digitalen Arbeitswelt an: „Führungskräfte, die analog geführt haben, brauchen eine neue Idee, wie sie jetzt ihre Mitarbeiter führen und bewerten.“ Präsenz, Feedback, soziale Bindung auch im virtuellen Raum – das seien hier zentrale Punkte, erläuterte der Unternehmensberater. Notwendig sind Kammermeier zufolge neue Formen für eigentlich bewährte Instrumente: „Es ist wichtig, auch im Home Office zwischen den Mitarbeitern die ungezwungenen Kaffeegespräche zu haben.“ Aber auch beim Thema Home Office forderten die Unternehmer Freiwilligkeit, um dieses Instrument dort einsetzen zu können, wo es sinnvoll ist. Ein pauschaler Rechtsanspruch werde dem nicht gerecht.

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