Ergebnisse der IHK-Konjunkturumfrage unter niederbayerischen Unternehmen

Nach einem massiven Einbruch der Konjunktur im vergangenen Frühjahr zeigt die neueste Konjunkturumfrage der IHK Niederbayern eine deutliche Entspannung. „Wir kommen aus dem tiefsten jemals gemessenen Minus. Jetzt zeigen die Umfrageergebnisse eine deutliche Aufwärtsentwicklung in nahezu allen Bereichen der niederbayerischen Wirtschaft“, fasst IHK-Hauptgeschäftsführer Alexander Schreiner die Umfrageergebnisse zusammen. Die Erwartungen sind ihm zufolge zurückhaltend optimistisch, doch Risiken bleiben: „Es gibt keinen Grund zur Entwarnung, die Entwicklung ist fragil“, warnt Schreiner. Trotzdem habe die niederbayerische Wirtschaft die schwierigen Monate der Corona-Krise bisher recht gut durchstanden. Mit Ausnahme der Reise-, Messe-, Werbe- und Eventbranche habe sich die Mehrzahl der Unternehmen zusehends erholen können. Der IHK-Konjunkturklimaindikator, der die aktuelle Lage und die zukünftigen Erwartungen miteinander verrechnet, ist um über 28 Punkte auf knapp 106 Zähler gestiegen, liegt damit aber weiterhin deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. Die aktuellen Entwicklungen mit teils drastischen Anstiegen der Infektionszahlen könne die Konjunkturumfrage allerdings nicht abbilden, darauf weist der IHK-Hauptgeschäftsführer hin – der Umfragezeitraum lag im September.

60 Prozent der befragten Unternehmen berichten von einer stabilen Finanzlage und guter Liquidität – nach dem dramatischen Tiefstand in der vorangegangenen Umfragerunde im Mai belegt bereits diese Aussage, wie schnell sich die Wirtschaft zunächst erholen konnte. Treibende Kraft dafür ist die starke Binnennachfrage. Kaufkraft und Kauflaune sind hoch – zumindest in bestimmten Bereichen, hier hat Corona für einige Verschiebungen gesorgt. Auch der niedrige Ölpreis ist ein Faktor. Nachdem im Mai beinahe jedes zweite Unternehmen von einer Verschlechterung des Betriebsergebnisses ausgegangen ist, rechnet der jüngsten Umfrage zufolge nur noch jeder vierte Betrieb mit weiteren Einbrüchen. Gerade die aktuellen Entwicklungen zeigen aber, wie dynamisch das Geschehen ist. Die Rahmenbedingungen in der Corona-Krise verändern sich ständig, deswegen blicken die Unternehmer zwar optimistisch, aber auch mit sehr viel Vorsicht in die Zukunft. Sie erwarten einen eher kurvenreichen Weg der regionalen Konjunktur in den nächsten Monaten. Besonders die exportorientierten Betriebe sind mit Blick auf die unklare Lage im EU-Ausland und weltweit zurückhaltend.

Befragt nach ihren Geschäftserwartungen nennen die Betriebe ein Nachlassen der Binnennachfrage als eines der größten Risiken für die nahe Zukunft. Wenn staatliche Hilfsmaßnahmen auslaufen, das Konsumklima sinkt und der Exportmarkt weiter unter Druck gerät, könnte sich das auf die niederbayerische Wirtschaft deutlich negativ auswirken. Herausforderungen birgt weiterhin unverändert der Fachkräftemangel, trotz Corona und höherer Arbeitslosenzahlen. „Die Unternehmen fragen sich außerdem, ob die Politik dauerhaft für die richtigen Rahmenbedingungen sorgen kann und effektive Maßnahmen zur Krisenbewältigung für die Wirtschaft ergreift. Dazu gehört beispielsweise auch das Thema Bürokratieabbau. Hier verlangen die Betriebe gerade in der Krise endlich eine wirksame Entlastung“, betont Schreiner.

Die größte Sorge der Unternehmen ist aber ein zweiter Shutdown – das zeigt sich in den Forderungen der regionalen Wirtschaft an die Politik, die IHK-Präsident Thomas Leebmann aufstellt: „Ein flächendeckender Shutdown muss unbedingt vermieden werden. Eine erneute Lähmung der Wirtschaft wäre für viele Unternehmen nicht zu verkraften. In dieser Lage sorgen unkoordinierte Regelungen wie etwa zuletzt beim Beherbergungsverbot für große Verunsicherung bei den Betrieben. Gerade für die niederbayerische Wirtschaft sind offene Grenzen und ein uneingeschränkter Geschäftsreisebetrieb immens wichtig. Die Unterstützung von Betrieben in Schwierigkeiten muss fortgeführt und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen gesteigert werden. Das alles hat die Politik in der Hand.“

(Quelle: IHK)

In die Konjunkturberichte der IHK Niederbayern fließen dreimal im Jahr die Einschätzungen von 450 regionalen Betrieben zu Wirtschaftslage und -erwartungen ein. Die befragten Unternehmen stellen eine repräsentative Auswahl aus den über 81.000 Mitgliedsbetrieben der IHK Niederbayern dar und kommen aus allen Wirtschaftszweigen und Unternehmensgrößen. Der detaillierte Konjunkturbericht samt einer Auswertung nach einzelnen Branchen ist interaktiv aufbereitet im IHK-Internetauftritt verfügbar: www.ihk-niederbayern.de/konjunktur

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