Passau. „2009 haben wir mit fast leeren Räumlichkeiten, lediglich einem Bistrotisch und drei Stühlen, angefangen“, erzählt Edith Greil von den Anfängen der Beratungs- und Koordinie-rungsstelle ‚Netzwerk Autismus‘ in Passau. Seither habe sich einiges getan und die Aufgaben und Herausforderungen im Rahmen ihrer Tätigkeit seien stetig gewachsen, berichtet die Sozialpädagogin bei einem Besuch des Abgeordneten Walter Taubeneder.

„Mit der Netzwerkarbeit wollen wir langfristig die Versorgungsstruktur für Autisten verbessern und die Zusammenarbeit von Einrichtungen und Diensten optimieren – wir sehen uns auch als wichtige Schnittstelle zwischen den Institutionen“, so Greil. Die Sozialpädagogin und ihre beide Kolleginnen nehmen sich gemeinsam außerdem der Aufklärung und Sensibilisierung hinsichtlich des Autismus-Spektrums an. „Wir wollen mit Klischees aufräumen und Betroffenen sowie Angehörigen eine Hilfestellung bieten“, ergänzt auch Pädagogin Barbara Völtl. Immerhin seien über ein Prozent der Niederbayern von den teils tiefgreifenden Entwick-lungsstörungen betroffen – „wir gehen von rund 12000 Menschen allein in unserem Regierungsbezirk aus.“ Das Netzwerk biete für all diese Menschen eine wichtige Anlaufstelle und neben dem Standort Passau auch Außensprechtage Betroffene in Straubing, Landshut und Regen.

Autismus werde von der Bevölkerung meist völlig unterschätzt und missinterpretiert. „Die Störungen werden aufgrund Verhaltensauffälligkeiten und der jeweiligen Symptome diagnos-tiziert. Das intellektuelle Niveau ist jedoch für die Diagnoseerstellung nicht ausschlaggebend“, erklärt Edith Greil. Die Bandbreite der Auffälligkeiten sei dabei enorm. „Es gibt Auffäl-ligkeiten in der sozialen Interaktion, das heißt die Betroffenen zeigen oft wenig Interesse an gemeinsamen Aktivitäten oder sind überhaupt unfähig eine Beziehung zu Gleichaltrigen aufzunehmen. Dann kennen wir das stereotype Verhalten, dass sich durch das krampfhafte Festhalten an Alltagsroutine äußert – hier beharren die Betroffenen beispielsweise auf einer entsprechenden Gleichförmigkeit oder entwickeln oft auch ein außergewöhnliches Interesse und eine Vorliebe für kleine Details. Schließlich kann sich Autismus auch auf die Sprache und allgemeine Kommunikation auswirken – so sind in einigen Fällen kaum sprachliche Fähigkeiten zu erkennen, andere Betroffene drücken sich in immer wiederholender Sprechweise – das Spektrum ist unfassbar groß“, so die Sozialpädagogin.

Natürlich gebe es geeignete Fördermöglichkeiten und Therapien, grundsätzlich seien Autismus-Störungen jedoch nicht heilbar. „Deswegen ist unsere Arbeit auch so wichtig: Wir kön-nen helfen, die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Familien wesentlich zu verbessern“, betont Barbara Völtl. Sie dankten dem Abgeordneten für seinen Besuch und die Aufmerk-samkeit für ihre Tätigkeit – „Autismus ist schwierig zu vermitteln und natürlich sind wir auch auf die Unterstützung aus der Bevölkerung angewiesen“, ergänzt Völtl. Mit den Therapie-möglichkeiten hänge der Regierungsbezirk gegenüber anderen Regionen deutlich hinterher. MdL Taubeneder zeigte sich beeindruckt von der Netzwerk-Arbeit: „Mir war nicht bewusst, dass derart viele Menschen von Autismus betroffen sind – das zeigt wie bedeutsam ihre Arbeit ist.“

(Pressemitteilung Landtagsabgeordneter Walter Taubender v. 03.03.2016)