Rund 8 Monate nach dem Jahrhundertereignis liegt der forstliche Schwerpunkt in den Schadensgemeinden Neureichenau, Jandelsbrunn und Waldkirchen auf der Wiederbewaldung, dem forstlichen Wegebau und der Eindämmung des Borkenkäfers.

Regen. Die unmittelbaren Sturmschäden in den von Kolle verwüsteten Wäldern sind bis auf einige Flächen dank des Förderprogramms des Freistaats Bayern zur Schadensbewältigung weitestgehend aufgearbeitet. Annähernd 1.900 Hektar Waldflächen wurden durch den Sturm Kolle im südlichen Landkreis Freyung-Grafenau geschädigt.

Für den Bereich Forsten des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Regen-Waldkirchen stehen in den drei hauptbetroffenen Gemeinden Neureichenau, Jandelsbrunn und Waldkirchen drei Schwerpunkte an. Wiederaufforstung, Ertüchtigung des forstlichen Wegenetzes und die Verhinderung größerer Borkenkäferschäden in der Folge der Sturmschäden. „Um den Waldbesitzern bei der Wiederbewaldung bestmöglich zu helfen, um weitere Folgeschäden zu verhindern und um die künftigen Wälder bestmöglich auf die veränderten Klima- und Witterungsverhältnisse vorzubereiten, hat die Bayerische Forstverwaltung den Bereich Forsten des AELF Regen mit zwei weiteren Förstern verstärkt“, so der Bereichsleiter Forsten Stefan Schaffner.

Wiederbewaldung mit Mischwald
Gerade bei der Wiederaufforstung ist für Schaffner wichtig, dass sich jeder Waldbesitzer vor Ort auf seinen Schadflächen vom Förster unterstützen lassen kann. „Welche Bäume soll ich pflanzen? Soll ich im Frühjahr oder im Herbst pflanzen? Sind bereits genügend junge Bäume aus Naturverjüngung in meiner Schadfläche? – Jeder betroffene Waldbesitzer muss sich vielen konkreten Fragen stellen, die vom konkreten Zustand der Schadfläche und der umliegenden Waldbestände abhängen. Für die Förster vom AELF und der Waldbesitzervereinigung Freyung-Grafenau ist die Wiederbewaldung und die Pflege von Mischwald ein Gebot des Klimawandels. Neben dem klassischen Baumartendreiklang Tanne, Buche und Fichte, die für unsere Bergmischwälder charakteristisch sind, stehen mit z.B. Douglasie, Lärche und Stieleiche weitere geeignete Baumarten zur Verfügung. Eine grundlegende Orientierung zur Wiederbewaldung und darüber, welche Wege zum Mischwald führen, gibt der Bereich Forsten in drei Informationsveranstaltungen. Das Sturmereignis Kolle mit Spitzenböen über 180 km/h hat aber auch vor Augen geführt, dass diesen Gewalten kein ausgewachsener Baum in den Sturmschneisen trotzen kann. Aber: Der Unter- und Zwischenstand und der Jungwuchs bleiben nach einer schonenden Aufarbeitung des Schadholzes übrig. Eine Aufforstung erübrigt sich weitgehend, der Wald wächst weiter. Die beste Sturmschadensversicherung ist für Schaffner daher, künftig den Wald beständig zu nutzen, also früh, mäßig und oft in den Waldbeständen Holz zu machen, so dass die Einzelbäume kräftige Kronen bekommen, sich genügend Licht für Jungwuchs und unter- und zwischenständige Bäume bleibt und sich gestufte, gemischte dauerwaldartige Bestandsstrukturen bilden. Um auf der gesamten Waldfläche beständig Holz zu machen, ist die Erschließung mit Waldwegen, also mit Forstwegen und Rückewegen, notwendig. Ohne Waldwege gelingt auch eine rasche Reaktion bei Borkenkäferbefall kaum, da Fällung und Abtransport mühsam und zeitaufwendig sind. Sind ausreichend Waldwege vorhanden und sind diese gut in Schuss, hat die jetzige Waldbesitzergeneration die Voraussetzungen für eine schonende Bewirtschaftung in gestuften und gemischten Waldbeständen geschaffen und auch die wald- und bodenschonende Aufarbeitung von größeren Schadensmengen wird nun möglich. Ein Ereignis wie Kolle wünscht nachfolgenden Generationen niemand, aber ausschließen kann es auch niemand. Waldbesitzer sollten daher in Waldwege investieren, die Fördermöglichkeiten sind aktuell gut, so die Förster vom AELF.

Borkenkäferkontrollen nach den nächsten warmen und sonnigen Phasen beginnen
Eine Nebenfolge des Sturmereignisses war, dass das Wurzelwerk der noch stehenden Bäume durch die Schubkräfte geschädigt wurde und sich erst regenerieren muss. Die Wasserversorgung der Fichten ist damit gestört. Diese können leichter dem Borkenkäfer zum Opfer fallen. Eine regelmäßige Kontrolle der Bestände in kurzen Zeitabständen, besonders sollte auf Bohrmehl am Stammfuß geachtet werden, sichert rasches Handeln. Denn aus einem befallenen Baum können nach zwei Käfergenerationen bis zum Spätsommer 400 Bäume geworden sein. Der ersten Sturmholzwelle kann eine zweite Käferholzwelle folgen, wenn ein warm-trockenes Jahr 2018 folgt und Käferbäume unaufgearbeitet bleiben.
Bei der Käferaufarbeitung empfehlen die Forstexperten wiederum den Einsatz erfahrener Forstunternehmer. Bei der Aufarbeitung des Sturmholzes kam es in den beiden Landkreisen Passau und Freyung-Grafenau zu insgesamt 14 schwereren Unfällen bei der Waldarbeit, darunter aber kein einziger tödlicher Unfall. Unterstützung bei Borkenkäferbefall bieten die Förster des AELF Regen-Waldkirchen und der Waldbesitzervereinigung Freyung-Grafenau (www.wbv-frg.de).