fragt eine Konferenz am 11. Juni. Zu der Helfer und Flüchtlinge eingeladen sind

Die Studierendenvertretung der Universität Passau in Kooperation mit dem Kurt-Eisner-Verein und der Rosa Luxemburg Stiftung in Bayern veranstaltet am Samstag, 11. Juni eine Konferenz unter dem Titel „Refugees welcome – wie weiter? Perspektiven und Herausforderungen für eine Willkommenskultur in Zeiten von Grenzzäunen und rassistischer Mobilisierung“. Die Organisatoren laden dazu Menschen ein, die mit Flüchtlingen arbeiten oder gearbeitet haben, die in Helferkreisen aktiv sind, die unterrichten, Wohnungen vermitteln, übersetzen, unterstützen, aufklären oder selbst geflüchtet sind. Ab 11 Uhr werden Workshops zur europäischen Migrationspolitik, der bundesrepublikanischen Asylrechtspraxis, Begegnungen und Konkurrenz von Deutschen und Migranten auf dem Arbeits-, Wohnungs- und Bildungsmarkt, Entgegnungen auf fremdenfeindliche Stammtischparolen, zum staatlichen Zerfall Syriens und zur Willkommenskultur als Antriebsmoment gesellschaftlicher Entwicklung angeboten. Diese leiten unter anderem Migrationsforscher, erfahrene Fachanwälte oder ein syrischer Journalist. Mittags gestaltet das Bürgerbündnis NoBorder Passau ein Vernetzungsangebot von Flüchtlingen mit Helfern aus der Grenzregion in Bayern und Österreich. Ab 19 Uhr wird eine Bestandsaufnahme zum humanitären Ehrenamt in Zeiten des politischen Rechtsrucks“ diskutiert. Aktuelle Informationen zu der vo zahlreichen Bürgerinitiativen unterstützen Veranstaltung im Universitätsgebäude Wirtschaftswissenschaften, Innstraße 39 sind unter www.rosalux.de/refugees-welcome-passau im Internet abrufbar. Um Anmeldung unter der Emailadresse refugeeswelcomewieweiter@gmx.de wird gebeten. Der Eintritt ist frei.

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Kommentar:  Nur humanitär. Das geht nicht mehr

Bis ins Frühjahr hinein war doch irgendwie alles klar: Es kamen Menschen in Scharen bei uns über die Grenze, die hilfebedürftig waren. Darum wurde neben administrativer Bearbeitung, auch humanitäre Hilfe geleistet. Die Flüchtlinge wurden Asylunterkünften zugewiesen, auch dort sorgen Freiwillige für ein gelingendes Ankommen oder Bleiben-Können. Doch die Zahl der im Passauer Raum ankommenden Flüchtenden nahm rapide ab, von durchschnittlich 4.500 Personen täglich im vergangenen Oktober/November auf derzeit unter 400 Personen pro Woche. Behörden und Freiwillige lernten mit der Zeit, dass sie im „operativen Geschäft“ etwas aneinander hatten. Nun, so scheint es, schlägt wieder die Stunde der Politik, die sich des Flüchtlingsthemas bemächtigt. Mit Grenzschutzabkommen, mit Beschleunigungsrichtlinien zu Asylverfahrensbeschleunigungs-gesetzen, (nun endlich) auch Integrationsgesetzen und vielerlei Verlautbarungen, wie mit Flüchtlingen umzugehen sei. Jede Partei will ihr Kuchenstück vom „Konjunkturthema Flüchtlinge“, drum wird trotz der gegenwärtig wenigen Grenzübertritte weiterhin die metaphorische Wasserkraft von „Flüchtlings-Strömen“, „-Fluten“ und „-Schwemmen“ bemüht. Wie können Helfer hier Änderung einfordern? Wo doch die Sichtbarkeit der Not von Flüchtlingen bei uns abnimmt. Und mithin das Gemeinschaft stiftende charismatische Moment der Hilfe. Deren Notwendigkeit indes keineswegs. Die Arbeit wird persönlicher, intensiver und kleinteiliger, denn Integration ist voran zu bringen. Im alltäglichen Miteinander. Und durchaus auch im Wettbewerb auf Bildungs-, Wohnungs- und Arbeitsmärkten. Klar wird daher: Sich rein humanitär, also unpolitisch für Flüchtlinge zu engagieren war und ist nicht möglich. Wie also kann die im letzten Jahr strak gewachsene Helfergemeinschaft ebenfalls das „Konjunkturthema Flüchtlinge“ mitbestimmen, ohne zu ermüden. Und somit weiterhin den Verlauf der Flüchtlingskrise mitbestimmen. Jawohl: „Krise“. Denn unser Land erlebt Veränderungen. Unsere Gesellschaft kann gespaltener oder inklusiver und internationaler daraus hervor gehen – einen solchen ergebnisoffenen Zustand bezeichnen wir seit der Antike als „Krise“. Darum ist es wichtig, dass jetzt auch die Helfer fragen: „Quo vadis Flüchtlingshilfe? Wo ist unsere Position und Rolle in diesem Prozess?“ In der Kombination mit einem Workshopangebot und Vernetzungsmöglichkeit, und getragen von vielen Passauer Bürgerinitiativen bietet die Konferenz am 11. Juni dazu eine gute Gelegenheit.  Tobias Schmidt

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