ist die Ausstellung von Martina Kreitmeier, Eva Schmidt-Gyurak und Eva Priller im WGP-Gewölbe

(von Tobias Schmidt)

Drei im regionalen Kunstbetrieb etablierte Damen tuns ich für eine gemeinsame Ausstellung zusammen.
Alle präsentieren Kunst, die auch einmal aneckt. Unter welchen Titel setzt man so ein Unterfangen? Einen, bei dem auch ja keine Verwechslung aufkommt, es handle sich um drei um Öffentlichkeit bemühte „Malweiber“ (so machte man bis in die Zwischenkriegszeit Schülerinnen privater Malschulen verächtlich. Frauen war nämlich bis dato der Weg an die Kunstakademien verwehrt).

Als „Nicht nett!“ wollen Martina Kreitmeier, Bildhauerin aus Altfraunhofen, Eva Schmidt-Gyurak und Eva Priller, beide mit Ateliers in der Passauer Höllgasse, ihre Kunst verstanden wissen. Und unter diesem Titel steht ihre vom 11. bis 31. August 2017 im WGP-Ausstellungsraum in der Steiningergasse laufende Gemeinschaftsschau.

Martina Kreitmeier, die gelernte Schreinerin, Innenarchitektin und Holzbildhauerin mit Meisterbrief formt, gießt, behaut oder schnitzt Skulpturen und Plastiken, denen häufig eine ganz seltsame Ironie eigen ist. Mitunter wagen sie ein unmöglich scheinendes Spiel mit der Schwerkraft: ein überlebensgroßer stürzender Mann mit Aktentasche, zu Jahresbeginn 2015 in der St. Anna Kapelle zu sehen und frech „Fortschritt“ betitelt, war so ein Beispiel. Oder Werke verweigern trotz aller realistischer Formgebung in ihrem Zentrum dann doch jegliche Aussage: so fragten sich etwa die Besucher des letztjährigen Kunstspektakels „WaldKult“ im Schlosspark Freudenhain, was denn eigentlich Kreitmeiers „leere“ Bronzekapuze verhülle. Nullum statt Antlitz. Sieht so Ent-Menschlichung aus? „Jemand anderswo“ lautete der Werktitel, was sich wie ein „Komme gleich wieder!“-Schild vor gruseliger Schwärze las. In Gestalt einiger kleinerer Bronzeplastiken und einer Holzskulptur gibt es nun ein Wiedersehen mit der Künstlerin.

Eva Schmidt-Gyurak unterhält seit 28 Jahren ihr Atelier in der Passauer Höllgasse 11. In den 1980er Jahren hatte sie sich in der ehemaligen CSSR mit der Künstlervereinigung überworfen, war später nach Passau übergesiedelt. Wo sich schnell herum sprach, dass die Aushilfe im Restaurant den zielsicheren, und bei der Kundschaft sehr begehrten Strich der Schnellporträtistin wegen ihrer profunden künstlerischen Ausbildung so gut beherrschte. Es blieb kein „Job“, um sich über Wasser zu halten, Schmidt-Gyurak umreißt und ergründet so Menschen. Die sich dann meistens karikaturistisch überspitzt in den Bildern wiederfinden. Surreal, esoterisch, immer gegenständlich, aber nie gefällig (dreimal dürfen Sie raten, wer den Ausstellungstitel „Nicht nett!“ inspirierte). Die Malerin, Grafikerin und Porträtistin, die dem magischen Realismus das „Wimmelbild“ beibrachte, stellte bereits in Tschechien, der Slowakei, in Ungarn, Frankreich und Spanien und New York aus. Im Rahmen von „Nicht nett!“ zeigt sie mittelgroße Gemälde und Grafiken zu den Themen Psyche, Krieg und Flüchtlingsproblematik.

Eva Schmidt-Gyurak „Das Gedächtnis der Bilder 2“, Acryl Mischtechnik (Quelle: Volker Zdunnek)

Zum Jahresende werden es 20 Jahre sein, dass Eva Priller mit Atelier-Galerie in der Höllgasse präsent ist. Ihre gegenständlichen Darstellungen sind meist Frauengestalten gewidmet. In den Gemälden, Collagen und Assemblagen der Zyklen „Päpstinnen“, „Wilde Reiterinnen“, „Dramendamen“, und darüber hinaus, transportiert Priller (kommunal-) politische und sozialkritische Inhalte. Beim genauen Hinsehen, sind ihre Arbeiten gespickt mit boshaften Details, die obschon werkbestimmend, den Betrachter nicht erschlagen. Manchmal „adelt“ Eva Priller sogar die dargestellten Frauenzimmer der Dreiflüsse-haute volée, indem sie diese mit einer Gestalt aus Literatur, Theater oder Geschichte in Beziehung setzt. Mit Männern verfährt sie ähnlich, diese enden aber allzu oft als collagierte Schurken. Eva Priller zeigt in dieser Ausstellung Beispiele aus den Zyklen sowie neue Werke.

Eva Priller „Lulu. Die Büchse der Pandora“ Mixed media, 2017 (Quelle: Priller)

„Nicht nett!“ öffnet am Donnerstag, 10. August 2017 um 19 Uhr im WGP-Ausstellungsraum in der Steiningergasse/Ecke Höllgasse. Einführung: Georg A. Thuringer, Sigrid Kofler sorgt am Euphonium für die musikalische Umrahmung. Bis 31. August 2017 kann die Ausstellung der drei Künstlerinnen jeweils Dienstag-Samstag (15-18 Uhr) besichtigt werden. Eintritt frei.

(Titelbild: Martina Kreitmeier „Neuigkeiten“, Bronze – Quelle: Kreitmeier)

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