Ärzte befürchten, dass chronisch Kranke Termine nicht wahrnehmen und der Notruf zu spät angerufen wird

Freyung-Grafenau. Auch im Landkreis Freyung-Grafenau machen sich die Mediziner Sorgen, dass aufgrund von Ängsten rund um die Corona-Pandemie viele Patienten auch dringend nötige Arztbesuche vermeiden oder im Notfall zu spät die 112 anrufen. So warnt Versorgungsarzt Dr. Peter Gahbauer davor, dass chronisch kranke Menschen, die etwa an Bluthochdruck oder Diabetes leiden, wegen der Corona-Pandemie alle Behandlungen aufschieben. Die Folgen von versäumten Terminen seien für viele Menschen wahrscheinlich gefährlicher als das Risiko, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, so Dr. Gahbauer. Zu Beginn der Pandemie war es sicherlich erforderlich, nur im äußersten Notfall zum Arzt zu gehen. Mittlerweile haben niedergelassene Ärzte und Krankenhäuser umfangreiche Maßnahmen getroffen, um das Ansteckungsrisiko in den Praxen und in den Krankenhäusern zu minimieren. Er ruft deshalb alle chronisch kranken Patienten im Landkreis dazu auf, ihren Hausarzt wegen eines Termins zu kontaktieren. Vermieden werden sollen hingegen weiterhin spontane Arztbesuche ohne vorherige Terminvereinbarung. Für dringende Fälle außerhalb der Sprechstunde ist weiterhin der mittlerweile wieder besser erreichbare Kassenärztliche Notdienst unter 116 117 zuständig.

Auch die Sprecherin der leitenden Notärzte in Landkreis Dr. Birgit Matsche hat einen Trend festgestellt, der ihr Sorgen macht. Sie hat den Eindruck, dass in den vergangenen Wochen oft erst sehr spät der Notruf verständigt werde, wenn die Beschwerden schon weiter fortgeschritten sind. Auch sie betont, dass ein Herzinfarkt oder ein Schlaganfall für viele Menschen im Landkreis die größere Gefahr darstellt und appelliert auf die Anzeichen zu achten und schon früh den Notarzt unter der 112 zu rufen. Anhaltende, starke Schmerzen hinter dem Brustbein, ein Engegefühl im Brustkorb, Atemnot und Angst etwa können Anzeichen für einen akuten Herzinfarkt sein, so Matsche. Wenn Menschen plötzlich eine Hand herunterfällt, sie Lähmungserscheinungen im Gesicht bekommen, nicht mehr richtig sprechen können, sind das deutliche Hinweise auf einen Schlaganfall. Eine in einem solchen Fall ausbleibende oder verzögerte Behandlung habe möglicherweise weitaus schlimmere Folgen für den Patienten verglichen mit der verhältnismäßig geringen Wahrscheinlichkeit, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, erklärt die Notärztin.

„Viele Leute trauen sich offenbar nicht mehr den Notruf anzurufen oder wollen nicht ins Krankenhaus. Zum einen, weil sie glauben, die Kliniken seien nicht mehr aufnahmebereit, zum anderen, weil sie befürchten, sie würden sich infizieren“, so Dr. Matsche, aber Beides sei nicht der Fall. Um Covid-19-Patienten von anderen Notfall-Patienten zu separieren, haben die Krankenhäuser Abschnitte gebildet und die einzelnen Bereiche strikt voneinander getrennt. Auch arbeiteten die Mitarbeiter im ärztlichen Notdienst unter Vollschutz um die Übertragung von Infektionen zu vermeiden.

So vernünftig es auch sei, derzeit das Gesundheitswesen nicht mit unnötigen Behandlungen belasten zu wollen, wichtige Behandlungen sollten auf keinen Fall aufgeschoben werden, betonen Gahbauer und Matsche.

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