Der Niederbayerische Ring-Zyklus beginnt. Auftakt „Das Rheingold“.

(von Tobias Schmidt)

Historische Forschungen der letzten Jahrzehnte vermuten den unbekannten Verfasser des mittelalterlichen Nibelungenlieds im Raum Passau. Nun bringt das Landestheater Niederbayern erstmals „Der Ring des Nibelungen“, Richard Wagners vierteiliges „Bühnenfestspiel für drei Tage und einen Vorabend“ in Passau, Landshut und Straubing zu Gehör.

Die Rheintöchter erhören nicht das Liebeswerben des Zwergenkönigs: Reinhild Buchmayer (Flosshil-de), Maria Pitsch (Woglinde), Sabine Noack (Wellgunde), Stefan Stoll (Alberich) – Foto: Peter Litvai © Landestheater Niederbayern)

Zur Beruhigung vornweg: dreieinhalb Tage lang en bloc braucht niemand die jeweils mehrstündigen Opern durch zu sitzen. Der erste Teil „Das Rheingold“ feiert am 16. Mai um 19.30 Uhr in der Passauer Dreiländerhalle Premiere. Bis 2022 werden dann jeweils im Frühjahr „Die Walküre“, „Siegfried“ und die „Götterdämmerung“ folgen. Worum geht’s? Über dreißig Jahre arbeitete Richard Wagner an dieser Operntetralogie über Menschen, die sich zum Göttlichen aufschwingen, und von Göttern, die auf recht menschliche Weise scheitern. In Teil 1 „Das Rheingold“ verarbeitete der Komponist die u.a. in den altisländischen Edda-Textsammlungen dargelegte Vorgeschichte des sagenhaften Nibelungenschatzes. Zwergenkönig Alberich raubt einen von den Rheintöchtern bewachten sagenhaften Schatz, um sich daraus ein Machtinstrument, einen Ring zu schmieden. Dafür entsagt er der Liebe. Derweil gehen Riesen und Götter einen Pakt um die Unsterblichkeit ein. Den Schlüssel hierzu besitzt die den Riesen versprochene Liebesgöttin. Nur wer ihr entsagt hat, kann ihre Macht brechen. Darum machen sich die Götter auf, um ihrerseits Alberich die Machtinsignien, Ring und Schatz zu stehlen. Was ihnen zwar gelingt, doch belegt der Zwergenkönig den Ring mit einem Fluch – jeder, der ihn besitzt und jeder, der nach ihm trachtet soll nur Zwietracht ernten. Die Götter übergebe Schatz und Ring an die Riesen und von da an nimmt das Unglück seinen Lauf. Ein Machtgeschichte, die über- und unterirdische Sphären verbindet, eine obschon den Menschen entrückte Parabel auf das ewig Unheil bringende menschliche Machtstreben.

Erda (Lucie Ceralová) prophezeit Gott Wotan (Stephan Bootz), dass der Ring des Nibelungen dereinst zur Götterdämmerung führen wird (Foto: Peter Litvai © Landestheater Niederbayern)

Und eine „Story“, wie gemacht fürs Reüssieren von dystopischer Fantasy: Parallelen finden sich von „Der Herr der Ringe“ und „Harry Potter“ bis „Game of Thrones“. Wie bei „Tristan und Isolde“ und „Der fliegende Holländer“ den jüngsten Wagner-Projekten am Landestheater, führt Intendant Stefan Tilch Regie, die „musikalische Leitung hat Generalmusikdirektor Basil H. E. Coleman. Stephan Bootz, der bereits als König Marke und Daland am Landestheater gefeiert wurde, singt Wotan; die junge, auf internationalen Bühnen gastierende Sopranistin Christel Loetzsch ist als seine Ehefrau Fricka zu erleben. Ya-Chung Huang von der Deutschen Oper Berlin singt den Feuergott Loge; Stefan Stoll verkörperte die Partie des Alberich bereits an den Staatstheatern von Nürnberg und Karlsruhe. In weiteren Rollen zu erleben sind: Heeyun Choi (Fasolt), Jens Waldig (Fafner), Thomas Stückemann (Mime), Lucie Ceralová (Erda), Kathryn J. Brown (Freia), Peter Tilch (Donner), Jeffrey Nardone (Froh), Maria Pitsch (Woglinde), Sabine Noack Wellgunde), Reinhild Buchmayer (Flosshilde).

Auf dem Weg zur Macht hält Zwergenkönig Alberich (Stefan Stoll) auch seinen Bruder, den Schmied Mime (Thomas Stückemann) klein (Foto: Peter Litvai © Landestheater Niederbayern)

In Passau ist „Das Rheingold“ nur am 16. und 18. Mai, jeweils um 19.30 Uhr, in der Dreiländerhalle zu sehen (in Straubing am 22.5. in Landshut am 25.5. und am 30.5.).

Karten gibt es im Vorverkauf an der Theaterkasse (Di – Fr, 10.00 – 13.00 und Dienstag, Donnerstag, Freitag von 16.00 – 17.30 Uhr, Tel. 0851 92919-13, theaterkasse@passau.de) und an der Abendkasse am Vorstellungsort ab einer Stunde vor der Vorstellung. Weitere Informationen unter www.landestheater-niederbayern.de.