(von Benedikt Bauer)

“Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.“ Wer kennt diesen Satz nicht? Eine geflügelte Weisheit, die von uns nur allzu oft zitiert wird, wenn Menschen in unserer Umgebung den Mund zu voll genommen oder sich in einer bestimmten Angelegenheit zu sehr eingemischt haben. Aber kann man das denn so pauschal behaupten, dass Schweigen meistens besser ist als die Meinung zu sagen?

Zumindest mir kommen da immer öfter ernsthafte Zweifel. Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich halte ein gewisses Maß an Diplomatie durchaus für angebracht. Wenn man allerdings immer versucht, nicht mit seiner Meinung anzustecken oder sich sogar davor hütet, eine persönliche Meinung zu haben, driftet man schnell in eine Art Gleichgültigkeit.

Auch unter Freunden ist es eine gängige Praxis, die Wahrheit derart umzuformulieren, das der Betreffende um Gottes Willen nicht missmutig gestimmt ist. Dabei wäre man doch oft gerade dann ein richtig vertrauensvoller Freund, wenn man dem Gegenüber unverfälscht die eigene Meinung sagt. Auch wenn diese im ersten Moment etwas bitter schmeckt, weiß der Freund zumindest, woran er ist, kann entsprechend reagieren und sich seine Gedanken zum Thema machen. Im Job vertrete ich übrigens denselben Standpunkt. Auch wenn man dort wohl wiederum seine Wortwahl an die jeweilige Stellung des Gesprächspartners anpassen sollte.

So oder so, “Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“ hängt definitiv von der Situation und dem Gegenüber ab. Ab und zu ist dann Reden vielleicht nicht nur Silber, sondern sogar mehr wert als das besagte goldene Schweigen.