Wenn dir die Zahnfee mit „grünem Bewußtsein“ kommt…

…dann zeig ihr einfach deine komplett kompostierbare Zahnbürste.
Eine Passauer Grundergeschichte

(von Tobias Schmidt)

Heute hat aber auch alles einen eigenen Ehren- oder Gedenktag. Selbst die Zahnfee, dieses Fabelwesen, das Kindern für ausgefallene und sorgsam aufs Nachtschränkchen gelegte Milchzähne das Taschengeld erhöht, wurde erst kürzlich wieder, am 22. August, befeiert.

Unfair! Wenn Erwachsene eines Beißerchens verlustig gehen, ist das allenfalls für den Rechnung stellenden Zahnarzt Grund zur Freude. Will man beide, Dentalchirurg und Gebissgrazie, ein bisschen warten lassen, führt kein Weg am Putzen vorbei. Aber selbst Zahnpflege hat auch bedenkenswerte Aspekte… „Nicht nur beim Zähneputzen, im Badezimmer entsteht insgesamt recht viel Müll. Man denke außerdem noch an Weichmacher mit Schleimhautkontakt. Und rechne dazu bitte noch auf der Produktionsseite Erdöl, wasserintensive Herstellungsverfahren und zerstörte Lebensräume hinzu!“, erklären Kira Märkl, Markus Folkerts und Elias Stumvoll. Die drei Passauer machten eben diese Rechnung bei einem gemeinsamen DVD-Abend Anfang 2015 auf. „Plastic Planet“ stand auf dem Programm, ein deutsch-österreichischer Dokumentarfilm über das Leben mit Kunststoffprodukten und ihre problematische Entsorgung weltweit.

(Foto: Schmidt)

Gründungsidee beim DVD-Abend

„Wo könnte man das Gegenprogramm zur Plastikschwemme starten?“, fragten sich die drei. „Bei etwas, das unsereins jeden Tag in die Hand nimmt? Ja, und da waren wir ganz schnell bei der Zahnbürste.“ Und beim neu Denken eines Pflege- und Wegwerfprodukts. Kann man eine Zahnbürste nicht so herstellen, dass sie vollständig biologisch abbaubar ist? In der Frage steckt das Potential einer Produktidee. Da kommt einem die Zahnfee mit ökologischem Bewusstsein, und Simsalabim, wurde aus den ehemaligen Ausbildungskollegen Märkl, Folkerts und Stumvoll, Gründerteam der ThinkPlus UG. Vom Gewerbepark in Passau-Kohlbruck aus entwickelt und vertreibt das Unternehmen aus Bambus gefertigte Zahnbürsten und Becher unter dem Markenlogo „BambuDent“.
Einmal abgenutzt, sind diese Zahnpflegeprodukte dank Bürsten aus Bambusviskose und Verzicht auf Lacke kompostierbar. Ein bisschen Materialkunde: „Wir nutzen Bambus der Sorte Dendrocalamus gigantus. Wegen der enthaltenen Gelbsäure wirkt dieser von Natur aus antibakteriell. Ebenalls von Natur aus ist Bambus wasserunempflindlich – deshalb können wir ganze Zahnputzsets mit selbstverständlich unlackierten Bechern anbieten.“ Und jetzt aber bitte noch die Rechnung für die Produktionsseite. „Gleich vornweg, diese Bambusart gefährdet keine Nahrungsgrundlage für Pandas. Weil diese andere Sorten fressen.“ Überdies trägt Dendrocalamus gigantus den „Riesen“ nicht nur im Namen, „er wächst auch ohne Düngemittel recht schnell. Je nach Jahreszeit 30 bis 50 Zentimeter in 24 Stunden.“
Und wo wird der angebaut? „Unsere Produktionspartner sitzen in China“, erklärt Folkerts. Die Bambusplantage sei ein mittelständiges Unternehmen. „Die nachhaltige Bewirtschaftung ist per FSC-Zertifikat attestiert.“ Schwieriger sei die Suche nach einem Hersteller gewesen. „Durch Tipps und Kontakte wurden wir in Ningbo, einer Hafenstadt im Südosten des Landes fündig. Dort war auch die nicht ganz unkomplizierte Herstellung des Borstenmaterials, Bambusviskose, möglich.“ Das ist Bambuszellulose mit einem Anteil Kohlenstoff – leider nur bedingt wassersparend herstellbar, aber immerhin alles binnen etwa eines Jahres biologisch abbaubar.

BamBusDent (Foto: ThinkPlus)

Die Bürsten werden nun analog zum mit einem hiesigen Schreiner entwickelten und mittlerweile patentierten Produktdesign hergestellt, erfüllen auch alle notwendigen ISO-Normen. Clevere Sache. Darf man fragen, wohin sich die Produktpalette entwickelt? „An Wattestäbchen sind wir gerade dran“, antwortet Kira Märkl. „Wir dachten da auch an elektrische Zahnbürstenaufsätze.“ Buchhalter Elias Stumvoll beschwichtigt: „War in Planung, es ist aber noch ein weiter Weg dahin.“
Die rotierenden Metall-Holzverbindungen seien eine Sache für sich. Für Ultraschallbürsten wäre es theoretisch möglich, jedoch sind „die Entwicklungskosten für uns als neues kleines Unternehmen derzeit noch nicht darstellbar.“

Dann noch ein paar ganz praktische Fragen: Die edle Holzoptik in allen Ehren, aber wie lassen sich die Zahnbürsten dann gerade im morgendlichen Badezimmerandrang unterscheiden? Kira Märkl hält einen farbigen Ring zwischen den Fingern: „Naturkautschuk, nix da Plastik! Den schiebt man auf den Bürstenstil, schon ist klar, wer hier fleißig putzt. WElche Farbe hätten Sie gern?“
Und wo kann man die Zahnputzsets von BambuDent erstehen? Sie werden in der gesamten Bundesrepublik und in Österreich vertrieben; das Marketing für die Schweiz ist gerade im Aufbau.

(Foto: ThinkPlus)

Bereits von Zahnärzten der Region empfohlen

„Generell sind Produktinformation, egal ob zur Kinderzahnbürste oder den verschiedenen Designs für erwachsene ‚Zahnpfleger‘, Rückfragen und auch Kauf online über www.bambudent.de am unkompliziertesten möglich“, so Kira Märkl. „Im regionalen Bio-Einzelhandel sind wir vertreten, in Österreich zudem in den ziemlich innovativen Kastl-Märkten, die in ähnlicher Form gerade auch in München aufkommen.“
Gemessen am bundesdeutschen Endverbraucherpreis sind die BambuDent-Produkte unwesentlich teurer als konventionelle Markenbürsten. Praxisvertrieb durch Zahnmediziner sei möglich, derzeit forciere man das aber weniger, sondern „Zahnärzte und Kieferorthopäden kamen sogar auf uns zu. Deren positives Feedback freut uns natürlich ganz besonders“, so die drei.

MEIN PASSAU durfte die Zahnbürste auch testen. Die Viskoseborsten fühlen sich wirklich anders an, als bei konventionellen Zahnbürsten. Wer besonders gern weiche Bürsten mag, dem sollte es damit richtig gut gehen. Und thematisch passt sie auch noch zu gleich mehreren der eingangs erwähnten Themen- und Gedenktage: Zum Weltrecyclingtag am 17. Mai, dem Weltumwelttag am 5. Juni, dem internationialen Tag der Zahngesundheit am 25. September, ja selbst zum in der Bundesrepublik so geschichtsschweren 9. November. Das ist nämlich auch der Welterfindertag. Eine echte Passauer Aller-Tage-Alltags-Bio-Zahnbürste eben.

Verpackung BambusDent (Foto: ThinkPlus)

(Titelbild: Entwickeln und Vertreiben Hygieneprodukte, die dank Bambus vollständig ökologisch abbaubar sind. Markus Folkerts, Elias Stumvoll und Kira Märkl (v.l.), das Gründerteam von ThinkPlus mit ihren „BambuDent“-Zahnbürsten – Foto: Schmidt)

  1. Martin Artmann

    …sehr empfehlenswert !! Klasse! …danke bambusDent….nun leiste ich einen kleinen Beitrag für meine Umwelt ….

  2. Kerstin Mauer

    Ich finde die Idee und das Produkt Klasse!! 👍🏼

    Irgendwo muss man schließlich anfangen Plastik einzusparen!

    Liegt super in der Hand und macht jeden Morgen ein gutes Gefühl 👍🏼
    Echt Top!!!

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