Verein „Haus und Grund Passau“ informiert über „Streitigkeiten an der Grenze“

Passau/Bad Griesbach. Es ist der klassische Fall: Eine dichte Thuja-Hecke wächst und wächst an der Grundstücksgrenze – bis sie eines Tages viel zu weit in den Garten des Nachbarn ragt. Oder: Die Birke auf dem Nachbargrundstück sorgt für Schatten, wo eigentlich Sonnenlicht gewünscht ist – und das Laub verstopft noch dazu die Regenrinne. Ganz zu schweigen vom Bau eines Gartenhäuschens oder einer Garage im Grenzbereich. Vermeintlich kleine Ärgernisse am Gartenzaum können leicht eskalieren und zu einem jahre- wenn nicht jahrzehntelangen Kleinkrieg ausarten. „Nachbarschaftsstreit kommt wirklich häufig vor. Immer geht es dabei sehr emotional zu. Das macht diese Konflikte natürlich nicht einfacher“, betont Anton Eder aus Bad Griesbach. Er ist Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht und unter anderem für den Verein „Haus und Grund Passau“ tätig.

Im Rahmen eines kostenlosen Infoabends am 19. April 2018, der vom Verein organisiert wird, gibt Eder gemeinsam mit dem Vermessungsingenieur Professor Dr. Rudolf Püschel wertvolle Tipps und Hilfestellungen. „Zu wissen, wo die eigenen Rechte und Pflichten liegen, ist sehr wichtig. Hier setzt der Infoabend an. Man sollte unbedingt gut vorbereitet in einen möglichen Konflikt gehen“, so Eder. Während sich Professor Püschel vorrangig mit der korrekten Ermittlung der Grundstücksgrenze beschäftigen wird – und unter anderem auch die historischen Hintergründe beleuchten will – übernimmt Eder den rechtlichen Part. Aus langjähriger Erfahrung weiß er: Die Ursache für die meisten Probleme zwischen Nachbarn sind einfache Missverständnisse. „Oft gibt es keine klare Vorstellung darüber, wo tatsächlich die Grundstücksgrenze verläuft. Gerade bei geerbten Grundstücken kann das der Fall sein“, so Eder. Gibt es dann strittige Fragen, geht es schnell heiß her. Im schlimmsten Fall stehen sich die Nachbarn irgendwann vor Gericht gegenüber. Das gelte es zu vermeiden. „Wenn ein Nachbarschaftsstreit geführt wird, verlieren beide Seiten. Auch wenn eine Partei Recht bekommt – das Verhältnis ist möglicherweise über Generationen hinweg geschädigt“, weiß Eder. Er rät deshalb dazu, unbedingt die Nerven zu bewahren und zunächst in aller Ruhe das Gespräch mit den Nachbarn zu suchen. „Miteinander reden ist das Wichtigste und der erste Schritt“, so der Anwalt. Sinnvoll sei auch, von sich aus Lösungsvorschläge anzubieten. „Wenn die Hecke des Nachbarn in den eigenen Garten wächst und man sich davon gestört fühlt, kann man anbieten, sie auf eigenen Kosten zurückzuschneien. Das ist zwar nicht die eigene Pflicht, aber so kann eine Lösung des Problems erreicht und ein Rechtsstreit, der vieles noch schlimmer machen kann, vielleicht vermieden werden“, erklärt Eder. Erst, wenn miteinander reden zu nichts führt, weil die Fronten schon zu verhärtet sind, sollte juristische Hilfe in Anspruch genommen werden.

Bevor sich zerstrittene Nachbarn allerdings vor Gericht begegnen, müssen sie per Gesetz ein Schlichtungsverfahren durchlaufen. „Dieses Verfahren ist obligatorisch und die Zulässigkeitsvorrausetzung für eine rechtliche Auseinandersetzung vor dem Amts- oder Landgericht.“ Der Sinn: Die Parteien sollen noch einmal eine Plattform bekommen, auf der sie „Psychohygiene“ betreiben können und sich all ihre Sorgen und Ärgernisse von der Seele reden können. Manchmal hilft das – und es kommt doch noch zu einer Einigung. „Oft führt es aber auch dazu, dass alle negativen Emotionen abgeladen werden und sich die Fronten noch mehr verhärten. Dann scheitert die Schlichtung und es geht vor Gericht“, so Eder. Er weist darauf hin, dass ein rechtliches Verfahren nicht nur sehr langwierig sein, sondern im Falle einer Niederlage auch sehr teuer werden kann.

Weitere Details zum Thema „Streitigkeiten an der Grenze“ erhalten Interessierte schließlich im Rahmen des Vortragsabends am Donnerstag, dem 19. April 2018, um 18.30 Uhr im Gasthaus Vogl, Rennweg 1, in Passau. Beide Experten beantworten gerne auch Fragen. Der Eintritt ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.