Interview mit Martin Frank

MuW Medienhaus: Martin, wie stark hat dich die Coronakrise als Kabarettist erwischt? Du bist ja auch Kulturschaffender.

Martin Frank: Ich glaube, mich hat es – wie eigentlich alle in der Branche – ziemlich kalt erwischt. Ich möchte aber kurz erklären, dass es nicht nur um uns Kulturschaffende geht, sondern da viele andere auch dranhängen. Licht- und Tontechniker, Einlasspersonal, Agenturen, das ganze Gastroteam bis hin zu zahlreichen Rentner und Studenten, die an Garderoben ihre Rente aufbessern oder die Miete fürs Studentenheim finanzieren. Die Kunst- und Kulturbranche beschäftigt 1,7 Millionen Menschen, und das sind mehr als die Fahrzeug-Baubranche. Ich glaube, das ist vielen nicht bewusst. Anderen Branchen geht es auch so, aber ich kann natürlich nur für unsere sprechen.

Am Freitag, den 13. März hatte ich meinen letzten Auftritt im Schlachthof in München. Seitdem bin ich ein bisschen abergläubisch. Obwohl der Abend ausverkauft war, blieben bereits 50 Prozent der Zuschauer daheim. Das Team musste sich zum Teil beschimpfen lassen, weil wir diese Veranstaltung durchgezogen haben, aber zu diesem Zeitpunkt wusste einfach noch keiner, was genau Sache ist. In den darauffolgenden Stunden brachen die Absagen lawinenartig über meine Agentur herein. Binnen weniger Stunden standen wir plötzlich vor dem Nichts. Keiner wusste, was da gerade passiert. Aber trotzdem sind wir optimistisch geblieben. Hilft ja nichts. Die Gesundheit geht vor, da gibt es keine Diskussion.

MuW: Wenn Auftritte wegfallen, hat man zwangsläufig viel Zeit… Wie hast du diese Zeit genutzt?

Martin Frank: Ja, ich dachte auch, ich hätte jetzt viel Zeit, aber dem war Gott sei Dank nicht so. Es gibt da noch die Arbeit „Hinter den Kulissen“. Ich hasse es z.B., meine Büroarbeit zu machen. Ich habe die Steuer für 2018, 2019 und gleich noch 2020 gemacht. Was soll da noch kommen. Außerdem erscheint – so Corona will – im Herbst mein neues Programm. Das will auch geschrieben werden. Einmal pro Woche bin ich mit einer kleinen Nummer beim Stefan Meixner und der Schiedrin auf Antenne Bayern, außerdem machen für den BR und SWR und für „Hubert ohne Staller“ hab ich auch gedreht. Also musste ich niemandem auf der Tasche liegen und hab deshalb auch keine Soforthilfe beantragt. Sicherheitshalber hab ich mich auch noch zum Spargelstechen beworben, aber die hatten keinen Bedarf an mir. Aber wir haben ja selber eine Landwirtschaft, da gibt’s eigentlich auch immer was zu tun. Also langweilig wurde mir wirklich nicht.

Die Zeit seit dem 13.03. ist wahnsinning schnell vergangen, und ich hab schon ewig nicht mehr so oft hintereinander in meinem eigenen Bett geschlafen. Das hab ich richtig genossen.

MuW: Warst du auch wandern in der Heimat bzw. Hutthurm?

Martin Frank: Rund um Hutthurm nicht direkt, aber einmal war ich im Bayerischen Wald wandern. Auf den großen Falkenstein. Das kann ich nur empfehlen, und im Schutzhaus gibt’s gutes Essen. Erst hab ich überlegt, ob es mir nur deshalb so gut schmeckt, weil ich so Hunger hatte, aber es war wirklich ausgezeichnet!

MuW: Wo ist der Kulturschock für dich größer? Wenn du zurück nach Hutthurm fährst oder zurück nach München?

Martin Frank: Mittlerweile gibt es keinen Kulturschock mehr, ich genieße eher das Gegensätzliche. Ich bin 2014 nach München auf die Schauspielschule und seitdem regelmäßig dort. Wenn ich da heute noch einen Kulturschock hätte, dann könnte man mir auch nicht mehr helfen.

MuW: Welches Fleckerl in der Heimat-Gemeinde ist dir am liebsten?

Martin Frank: Ich geh wahnsinnig gerne mit meiner Schwester an der Ilz laufen. Nur leider mehr im fremden Gemeindegebiet. Ein anderes Lieblingsfleckerl wurde leider zugebaut… Manche Hutthurmer glauben wahrscheinlich , mein Lieblingsfleckerl ist die Marktstraße, weil ich so oft zum Einkaufen renn. Das liegt aber daran, dass ich so vergesslich bin.

×

(Anzeige)

×