Neue Studie der Universität Regensburg: Deutsche wissen wenig über ihre persönliche Ökobilanz – und selbst das Wissen selbst führt nicht automatisch zum Umdenken beim Handeln

Regensburg (obx) – Die Vermutung liegt nahe: Wer weiß, warum das Klima sich verändert und wie jeder Einzelne klimafreundlicher leben kann, verhält sich entsprechend auch eher so. Forscher der ostbayerischen Universität Regensburg haben jetzt jedoch herausgefunden, dass das ein Irrglaube ist: Im Ergebnis ihrer Studie fanden die Autoren keine direkten Zusammenhänge zwischen Wissen über den Klimawandel und dem individuellen CO2-Fußabdruck, also dem Modell, das die direkt und indirekt verursachten Kohlenstoffdioxid-Emissionen einer Person veranschaulicht. Das Wissen alleine ist, schlussfolgern die Wissenschaftler, noch keine hinreichende Bedingung für einen nachhaltigen Lebenswandel.

Gemeinsam mit Studierenden eines empirisch-experimentellen Projektseminars untersuchte Ferdinand Kosak, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Psychologie der Universität Regensburg, das Phänomen der „Wissens-Verhaltens-Lücke“ (Knowledge-Behavior-Gap) im Bezug auf die persönliche Ökobilanz. Gemeinsam mit seinen Ko-Autoren, Professor Dr. Sven Hilbert, Barbara Alsu und Elisabeth Franz veröffentlichte er die Ergebnisse in der Zeitschrift Umweltpsychologie.
Insbesondere untersuchten die ostbayerischen Forscher die Rolle des Wissens über Emissionsmengen unseres gesamten Lebensstils sowie einzelner Alltagshandlungen. Daher erhob das Team zunächst den CO2-Fußabdruck von mehr als 350 Personen und anschließend das Wissen über Ursachen und erwartete Konsequenzen des Klimawandels, über konkrete CO2-Emissionen von Alltagshandlungen sowie den Schätzwert eines nachhaltigen, eines landestypischen und des eigenen CO2-Fußabdrucks. Der Fragenkatalog umfasste Themen wie Fleischkonsum, erneuerbare Energien im Haushalt, genutzte Verkehrsmittel und das Konsumverhalten, beispielsweise bei Kleidung und Elektrogeräten.

Eindeutiges Ergebnis: Zwischen Wissen über den Klimawandel und der persönlichen Ökobilanz gibt es keinen direkten Zusammenhang. Laut Ferdinand Kosak steht dies im Widerspruch zu einigen Vorbefunden, die einen Zusammenhang von generellem Umweltwissen mit Verhalten zeigen konnten: „Allerdings haben diese anstatt eines impactorientierten Maßes wie dem CO2-Abdruck zumeist sogenannte Absichtsmaße verwendet, die möglicherweise ein sozial erwünschtes Antwortverhalten provozieren“, so der Autor der Studie.  Absichtsmaße wären Fragen wie: Ich recycle meinen Müll üblicherweise.

Die Autoren zeigen allerdings auch, dass das Wissen über Emissionsmengen unseres Lebensstils mit einem etwas niedrigeren CO2-Abdruck assoziiert ist. Insgesamt wird jedoch deutlich, dass in der Stichprobe, die bewusst auch Umweltaktivisten umfasste, nur sehr wenig Wissen über Emissionsmengen vorhanden ist. Die Vermutung der Forscher: Nur sehr wenige Menschen verfügen tatsächlich über das notwendige Wissen, um wirklich informierte Entscheidungen für ein klimafreundlicheres Leben treffen zu können.

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