Jeder kennt ihn: den Schmerz. Der pochende Schädel, das Ziehen in der Leiste, eine Verbrennung am Finger. Im Allgemeinen erscheinen Schmerzen häufig unnötig und furchtbar – vor allem, wenn sie dauerhaft zu ertragen sind.

Doch ein Leben ohne Schmerzen wäre auch schwierig, denn der Finger bliebe zum Beispiel auf der heißen Herdplatte oder Bakterien hätten in einer schmerzfreien offenen Wunde ein leichtes Spiel, sich stärker auszubreiten.
Schmerz ist – so komisch es klingt – überlebensnotwendig.

Die Wahrnehmung des Schmerzes findet beim Menschen in zwei verschiedenen Bereichen statt, nämlich im Körperinneren und auf der Haut. Alles, was für den Körper eine Bedrohung darstellen könnte, „meldet“ dieser als Schmerz. Die Haut, die als Hülle nach außen dient, kann viele Haupterzeuger für die Sinnesempfindung Schmerz wahrnehmen, beispielsweise Wärme, Kälte, Vibration oder Druck.

Im Körper selbst befinden sich zahlreiche sogenannte „Schmerzseismographen“, die Gefahr melden, sobald der Organismus bedroht ist. Hierbei sind die freien Nervenenden zu nennen, die sich verteilt im Körper befinden, zum Beispiel in Organen, Gelenkkapseln, der Haut, in Blutgefäßen. Interessant ist, dass die Dichte dieser freien Nervenenden von Körperregion zu Körperregion abweichend ist. Stark schmerzempflindlich sind beispielsweise die Zahnnerven und das Trommelfell. Die Fasern, aus denen Schmerzsensoren aufgebaut sind, unterscheiden sich leicht. Dies hat zur Folge, dass die einen Fasertypen einen Schmerzimpuls schneller weiterleiten als die anderen. Wenn der Schmerzreiz aufgenommen wird, wird dieser an das Rückenmark weitergeleitet und geht von dort aus weiter ins Gehirn – und zwar in unterschiedliche Bereiche, wo diese dann weiter verarbeitet werden. Es entsteht die Information: „Achtung! Aufpassen! Schmerz!“

Wenn ein Schmerz als „chronischer Schmerz“ bezeichnet wird, bedeutet dies, dass er die betroffene Person länger als drei oder sechs Monate körperlich, seelisch und sozial einschränkt. Der Begriff umfasst völlig verschiedene Krankheitsbilder: Von Kopf- und Rückenschmerzen, welche die am häufigsten vorkommenden Schmerzarten in Deutschland darstellen, bis hin zu schwerwiegenden krebsbedingten Schmerzen.

Forscher experimentieren seit Jahrzehnten, den Schmerz mit Hilfe von Skalen oder Hirnscannern zu messen. Weil jeder Mensch seinen eigenen, individuellen Schmerz hat, ist er für andere Personen nicht nachempfindbar und somit auch (noch) nicht messbar.

Der Neurologe Dr. Andreas Jansen spricht zudem von einer anderen Schwierigkeit: Es könne nicht bewiesen werden, ob ein Mensch tatsächlich an Schmerzen leidet, wenn keine Schädigung des Gewebes sichtbar ist. „Die Zelle zu finden, die das Schmerzsignal aussendet, ist unmöglich.“ Was die Schmerzforschung betrifft, tappt die Wissenschaft deshalb noch stark im Dunkeln.

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