Liebe Leserinnen und Leser,

wie sollte es auch anders sein: alle in der Familie haben Home-Office – auch die Kinder. Und was hat Mama? Sie hat Home-Office und alles andere. Wie sonst auch. Nur, dass nun ständig alle im Haus sind und sich um eben jenes Home-Office kümmern – ausschließlich darum. Und auch ein Verbot des heißgeliebten Smartphones bleibt nun weitgehend wirkungslos, weil ja damit die so wichtigen Chats und Konferenzen stattfinden. Wer nun als Mama Schreikrämpfe angesichts dieses Smombie-Verhaltens bekommen sollte, wird mit zornblitzenden Augen darauf verwiesen, dass man schließlich nicht der einzige Schüler(in) sein möchte, dem oder der Informationen entgehen, nur weil Mama wieder mal rumzickt. 

Corona setzt also nicht nur öffentliches Leben außer Kraft, sondern macht zudem sämtliche Bemühungen von Eltern zunichte, die ihre Kinderschar zu verantwortungsbewusstem Umgang mit digitalen Medien erziehen wollten. Herkömmliche vorösterliche Fastenvorsätze wurden somit hinfällig: weniger Smartphone glotzen, weniger Süßes essen (ohne diese Nervennahrung würden Eltern diesen Ausnahmezustand schlecht überstehen! Der Herrgott wird bestimmt ein Einsehen haben!), weniger Alkohol trinken (in gemütlicher Familienrunde genießen die Herren der Schöpfen doch gerne ihr Bier). Fasten hat in dieser Zeit also eine völlig neue Bedeutung bekommen – jetzt fasten wir im Hinblick auf soziale Kontakte. Wir minimieren das Gespräch mit anderen auf das Nötigste und mit dem größtmöglichen Abstand. Auf diese Art gewinnen wir einen Bonus des Fastens ganz von alleine dazu: das Insichkehren geschieht fast automatisch. Wer sich nicht ständig mit anderen austauschen kann, wer nicht mit den verschiedensten Themen konfrontiert wird, der denkt nach. Und weil das Nachdenken über das Covid-19-Virus inzwischen beendet ist bzw. es zu nichts Sinnbringendem führt, überdenkt man bei dieser Gelegenheit die eigene Person, die Personen im näheren Umfeld und nicht zuletzt die Quintessenz all der Bemühungen, die man im Normalzustand auf sich nimmt, um reibungslose Abläufe zu garantieren. Eben jene Bemühungen, eben jener Perfektionismus stand in den letzten Jahren immer mehr auf dem Prüfstand, zumal Burn-Out und Depressionen die Folge sein können. Es wird empfohlen, die Stopp-Taste zu drücken, Auszeiten zu nehmen und Pause zu machen. Voilà – da haben wir sie, unsere Pause! Unter solch bedrückenden Umständen ist sie für viele schwer zu verkraften. Aber Pausen sind halt nicht immer so, wie wir sie uns wünschen. Schließlich hatten wir in der Schule auch nicht immer unsere Lieblingswurst auf dem Pausenbrot. Das Kontaktver- und Abstandsgebot kann übrigens – je nachdem, mit wem man es zu tun hat – auch ein Segen sein. Von der Seite aus betrachtet, lässt sich auch diese Krise überstehen. Am Ende hat man vielleicht dann den finalen Durchblick,  zu wem man den Abstand auch weiterhin gerne halten möchte und auf welche Kontakte man sich schon wieder freut. Ach ja, eins noch – generell ließen sich beim Einkaufen wirklich lauter verantwortungsbewusste Menschen beobachten, die sich an die Auflagen hielten. Als es allerdings Balkonblumen im Angebot gab, wurde der Abstand an den diesbezüglichen Regalen im Discounter kaum noch eingehalten. DAS kann ich aber wirklich niemandem verübeln. Wer könnte im Moment schon diesem Pink, Rot und Gelb widerstehen, das uns den Frühling verheißt wie eine Chance auf Heilung. Die Macht der Farben und Blumen kann eben auch (oder gerade) in Krisenzeiten ein Stück Hoffnung schenken.  Es wirkt fast so gut wie Klopapier und Hefe! Bleim’S gsund! 

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