Die EU schuf für die Nutzer von Internetplattformen das Recht, die eigenen Daten mitzunehmen. Praktisch aber macht davon kaum jemand Gebrauch. Passauer Wissenschaftler untersuchen nun, woran das liegt

Passau (obx) – Es ist einer der Eckpfeiler der neuen europäischen Grundverordnung zum Datenschutz: Internetnutzer haben die Möglichkeit, ihre personenbezogenen Daten mitzunehmen, wenn sie die Plattform wechseln wollen. Online-Dienste wie Google, Facebook, Instagram oder Twitter stellen deshalb inzwischen Werkzeuge zur Verfügung, die ein einfaches Herunterladen der persönlichen Daten ermöglichen. Der europäische Gesetzgeber erhoffte sich vieles von diesem Recht: Es könnte den Datenschutz verbessern, den Nutzern mehr Kontrolle über ihre Daten geben und den Wettbewerb zwischen Online-Diensten erhöhen. Praktisch aber macht davon kaum jemand Gebrauch. Warum das so ist, das wollen Forscher der Universität Passau in den kommenden zwei Jahren herausfinden.

Zwei Jahre nach dem Inkrafttreten der Datenschutzverordnung haben zwar rund 70 Prozent der EU-Bürger schon einmal von dem Gesetz gehört, bestätigt eine neue Umfrage. Das Recht auf Datenportabilität sei jedoch „noch nicht voll ausgeschöpft“, heißt es in einer Evaluierung, die die Europäische Kommission im Juni dieses Jahres dem Europäischen Parlament zugeleitet hat. Genaue Zahlen, wie viele ihr neues Recht nutzen, gibt es nicht. In dem Projekt „Bewusstsein, Motivation und Umsetzung von Datenportabilität“ („Amidapo“) wollen Wissenschaftler der Ludwig-Maximilian-Universität München, der TU München und der Universität Passau jetzt Vorschläge erarbeiten, wie die Mitnahme von Daten aus „psychologischer, wirtschaftlicher und technologischer Sicht am effektivsten umgesetzt werden kann“, sagt die Professorin Susanne Mayr. Sie ist Inhaberin des Lehrstuhls für Mensch-Maschine-Interaktion an der Universität Passau. 

Die Passauer Forscherin und ihr Mitarbeiter Dr. Robert Luzsa konzentrieren sich dabei auf die psychologischen Ursachen. „Wir schauen uns beispielsweise an, wie soziodemografische Variablen, Einstellungen und Persönlichkeitsmerkmale auf die Motivation der Nutzer wirken“, so Professorin Mayr. Das Team nimmt auch die Benutzeroberflächen der Plattformen in den Blick: Wie könnten diese gestaltet sein, um zum einen die Nutzer für das Recht zu sensibilisieren und zum anderen die Datenmitnahme zu erleichtern?

Ein weiterer Schwerpunkt des Projekts nimmt wirtschaftliche und regulatorische Aspekte in den Blick: Wie wirkt sich Datenportabilität auf den Wettbewerb zwischen den Online-Diensten aus? Welche Rolle spielt der Staat? Den dritten Schwerpunkt bildet die Technik. Das Verbundprojekt analysiert derzeit existierende Datendownload-Tools, identifiziert Herausforderungen und entwickelt dafür Lösungen. Geleitet wird das Forscherteam von Professor Dr. Johann Kranz, Professor für Internet Business und Internet Services an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Das Bayerische Forschungsinstitut für Digitale Transformation fördert das Projekt über eine Laufzeit von zwei Jahren.

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