„Avenue Q“, die neue Musical-Premiere am Stadttheater Passau

(von Tobias Schmidt)

Wo immer heute Kultur gemacht wird, sind Persiflagen, Verballhornungen, „Auf-die-Schippe-nehm“-Shows nur eine – sagen wir – Straßenecke entfernt. Und weil Kinderbildungsfernsehen mit Stab-Klappmaulmuppen à la Sesamstraße mittlerweile einfach in die Jahre gekommen ist, liegt diese Straßenecke in diesem Frühjahr in der New Yorker „Avenue Q“. Denn im März feiert das 2003 am New Yorker Broadway uraufgeführte, mit drei Tony Awards ausgezeichnete Figurentheater-Musical von Jeff Whitty, Robert Lopez und Jeff Marx mit seine Premiere am Landestheater Niederbayern.

(Bildquelle: Peter Litvai © Landestheater Niederbayern)

Die Bewohner der nach der U-Bahnlinie „Q“ benannten Avenue Q (noch so eine Anspielung: wer denkt da nicht ans Musical „Linie 1“?) sind in der Mehrheit Puppen, die sich mit Humor, Schlagfertigkeit und viel Gesang durch die Unwägbarkeiten des modernen Lebens schlagen. Mit lustvollen Seitenhieben auf die Erklär-Bär-Mentalität moderner Fernseh-Pädagogik schafft es Avenue Q kongenial, schwierige Themen wie Immigration, Arbeits- und Obdachlosigkeit, Homosexualität und Rassismus, schwungvoll, ironie- und anspielungsreich, unterhaltsam und absolut respektlos auf die Bühne zu bringen. Empfohlen wir der Besuch der Vorstellung Besuchern der Altersgruppe „Ü18“ – wir schätzen einmal „ganz arglos“, weil sich die Handlung rund um die ziemlich freche Darstellung prekärer Lebens- und Arbeitsverhältnisse junger Erwachsener entfaltet: Princeton hat gerade seinen Uni-Abschluss in Anglistik gemacht und sucht jetzt in New York seinen Lebenssinn. Was zunächst mit der Suche nach einer bezahlbaren Wohnung beginnt. Erst in der Avenue Q findet er die zu seinem Konto passenden Mietpreise. Seine neuen Nachbarn sind allesamt Glücksritter und Großstadtneurotiker: der Hausmeister und Ex-Kinderstar Gary, die Traummann-Sucherin und mit Rassismus-Vorwürfen recht vorschnelle Kate, Nicky und Rod, die zusammen in einer Albtraum-WG leben (Ähnlichkeiten mit Ernie & Bert sind natürlich rein zufällig), Christmas Eve, die als Therapeutin immer noch auf ihren ersten Patienten wartet, deren Freund Brian, diesen taktlosen Komiker, und schließlich Trekkie Monster, den pornoaffinen Mieter der Dachwohnung. Achtung ist geboten, wenn Bühnencharaktere besonders knuddelig daher kommen: denn als die „Bullshit-Bären“, Verführer im Teddybärgestalt, auf die ewig sehnsuchtsvolle Kate und Princeton mit seinen Bindungsängsten treffen, gibt es kein Halten mehr.

(Bildquelle: Peter Litvai © Landestheater Niederbayern)

Nicht nur auf der Bühne, für Freunde anspielungsreicher Zeichentrick- und Puppenunterhaltung wie „South Park“, „The Simpsons“ oder auch der mittlerweile ebenfalls mit einer respektlos-rauen, prüderiefernen Variante ihrer selbst aufwartenden Muppet Show, auch auf den Zuschauerplätzen.

Die Passauer Stadtheaterpremiere von „Avenue Q“, Puppenmusical in offener Spielweise, in der deutschsprachigen Übertragung von Dominik Flaschka und Roman Riklin und der Regie von Landestheaterintendant Stefan Tilch findet am Samstag, 16. März um 19.30 Uhr statt.

(Bildquelle: Peter Litvai © Landestheater Niederbayern)

Weitere Vorstellungen am Donnerstag, 17. März um 18 Uhr sowie am 3. Und 4. Mai jeweils um 19.30 Uhr.

Karten sind via www.landestheater-niederbayern.de erhältlich.